Darmspülung: Wann ist eine Darmreinigung wirklich notwendig? Freitag, 20. Juli 2018

Darmspülung/ Darmreinigung | apomio Gesundheitsblog © natali_mis – Fotolia.com

Einer Darmspülung, auch „ausleitendes Verfahren“ genannt, werden viele positive Effekte zugesprochen. So soll eine Darmspülung das Wohlbefinden verbessern und sogar beim Abnehmen helfen. Wie viel Wahrheit steckt dahinter? Wann ist eine Darmspülung notwendig? Und ist diese wirklich sinnvoll? Mehr dazu im folgenden Beitrag.  

Was ist eine Darmspülung?

Eine Darmspülung, als Synonym auch als Darmreinigung bezeichnet, kann unterschiedliche Bedeutungen haben, die im Folgenden näher erläutert werden:

  • das Entleeren des Darms mittels Abführmitteln
  • die rektale Einleitung von einer bestimmten Flüssigkeit in den Darm, welche dann wieder abfließt (Einlauf)
  • eine Kombination aus Abführen und Darmspülung bzw. Einlauf

Die Anwendung erfolgt häufig im Rahmen von Fastenkuren – im Bereich von Alternativmedizin oder Wellness findet eine Darmspülung/Darmreinigung oft ihre Anwendung. Im Vordergrund steht hier die „innere Reinigung“, die in Entschlackungskuren zum Einsatz gebracht wird. Eine medizinische Notwendigkeit besteht allerdings nicht.

Nur in bestimmten Situationen, beispielsweise vor einer diagnostischen Untersuchung, wie einer Darmspiegelung, der Koloskopie, ist es erforderlich, dass eine die Darmwände frei von Stuhl sind und somit gut beurteilt werden können. Auch im Hinblick auf eine Darmoperation wird angestrebt, dass der Patient vor dem chirurgischen Eingriff abgeführt hat und der Darm vollkommen entleert ist, sodass sich auch die OP-Technik erleichtert durchzuführen ist. Eine abführende Lösung wird meist bereits am Vortag vor dem Eingriff einer Koloskopie oder Darm-Operation in bestimmten Zeitabständen getrunken. Dabei variiert je nach Art der abführenden Lösung die Flüssigkeitsmenge zwischen zwei und vier Litern, welche nicht unbedingt einen angenehmen Geschmack aufweist. Patienten unterziehen sich aus diesem Grund meist nur mit Widerwillen dieser Flüssigkeitszufuhr.

Abführende Präparate, die im medizinischen Bereich, Anwendung finden sich unter anderem Polyethylenglykol sowie Natriumphosphat. Nicht nur der Geschmack kann hierbei einen Nachteil haben, sondern auch mögliche Nebenwirkungen können bei einer Darmreinigung auftreten. Diese sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, wie Krämpfe und ein aufgeblähter Bauch. Um den Flüssigkeitsverlust, der durch das Abführen entsteht, zu verhindern und die Verschiebung des Elektrolyten-Haushalts auszugleichen, ist es wichtig, ausreichend zu trinken, damit der Betroffene nicht dehydriert. Wie der Stuhl am Ende bzw. vor einer Darmspiegelung auszusehen hat: „hell, klar und flüssig, wie Kamillentee“ sind oft die Worte des medizinischen Personals. Erst dann steht einer Darmspiegelung (im wahrsten Sinne des Wortes) nichts mehr im Wege und diese kann ohne Probleme durchgeführt werden.

Innere Reinigung in der Alternativmedizin und im Wellness-Bereich

Fastenkuren und Entschlacken werden in der Alternativmedizin und im Wellness-Bereich durchgeführt. Eine Darmspülung wird der Effekt einer inneren Reinigung zugeschrieben mit gesundheitsfördernden Auswirkungen, die als Vorbereitung auf eine Fastenkur erfolgt. Der klassische Einlauf mit Klistier wird folgendermaßen durchgeführt:

Ein kleiner, flüssigkeitsgefüllter Plastikbeutel (Klistier), der eine Einführvorrichtung besitzt wird verwendet, um rektal höchstens 5 bis 200 Milliliter Flüssigkeit in den Darm zu „spritzen“. Im Anschluss daran ist es nötig, dass der Betroffene für kurze Zeit aktiv die Flüssigkeit im Darm hält (der Stuhldrang setzt nämlich schnell ein und je länger, die Flüssigkeit eingehalten werden kann, desto besser der gewünschte Effekt), bevor diese wieder samt Darminhalten abläuft. In der Alternativmedizin nimmt man an, dass sich Krankheitsbilder durch die oben genannte durchgeführte Darmspülung bessern können. Zu diesen Krankheitsbildern zählen unter anderem:

Zudem soll das Immunsystem gestärkt und das Wohlbefinden positiv beeinflusst werden. Auch wenn es Betroffene gibt, die diese Meinung teilen und mitteilen, dass sie sich nach einer Darmspülung durchaus besser fühlen, gibt es bislang keine wissenschaftlichen Beweise für diese positiven Wirkungen. Aus diesem Grund ist aus medizinischer Sicht, dass „Entschlacken“, das sogenannte Freimachen von Giftstoffen, die sich angeblich im Darm ansammeln und auf Dauer gesundheitsschädlich sein sollen, unnötig und keinesfalls sinnvoll. Eine normale Darmtätigkeit ist durchaus in der Lage, sich Stoffen zu entledigen, die der Körper nicht braucht. Wissenschaftlich betrachtet, gibt es also keine Indikationen für eine Darmspülung/Darmreinigung, mit Ausnahme der Durchführung vor einer Koloskopie oder einem chirurgischen Eingriff im Bereich des Darms.

Darmwandverletzungen können entstehen

Nicht nur die bereits erwähnten körperlichen Nebenwirkungen, wie unter anderem Bauchschmerzen, die im Rahmen einer Darmreinigung auftreten können, sind zu erwähnen, sondern auch die Folgen, wenn eine unsachgemäße Durchführung erfolgt. Die Einführvorrichtung des Klistiers, welche rektal eingeführt wird, damit darüber die Flüssigkeit in den Darm gelangen kann, kann unter Umständen, wenn dies unsachgemäß durchgeführt wird, die Darmwand von innen beschädigen/ verletzen. Im schlimmsten Fall ist eine Darmperforation möglich, die nur durch einen operativen Eingriff behandelt werden kann. Außerdem können Infektionen entstehen, ein starker Flüssigkeitsverlust und Verschiebungen im Elektrolyt-Gleichgewicht möglich sein, weshalb darauf zu achten ist, ausreichend Wasser zu trinken.

Sofern eine Darmreinigung nicht medizinisch notwendig ist und bei Betroffenen Vorerkrankungen bestehen, ist ohnehin von dieser abzuraten bzw. unbedingt mit dem Hausarzt abzusprechen, denn in diesem Fall können lebensbedrohliche Nebenwirkungen entstehen. Zu solchen Vorerkrankungen zählen unter anderem Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen, Hämorrhoiden sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie beispielsweise Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Ebenfalls von einer Darmreinigung aus Wellness-Gründen ist abzuraten, wenn man sich kürzlich erst am Darm hat operieren lassen.

Darmspülung zum Abnehmen?!

Viele Menschen sind auch der Annahme, dass Darmspülungen beim Abnehmen helfen können. Der Trend in Amerika ist groß und schwappt rüber – in Amerika existieren absurderweise bereits Diät-Studios, die mit der sogenannten Colon-Hydrotherapie, Darmspülungen im Rahmen einer Detox-Kur anbieten: Der Darm wird mit warmen Wasser „durchgespült“, damit der Darminhalt sogleich abfließen kann und mit ihm die zahlreichen Schadstoffe und Schlacken. Ein absurder Trend, der angeblich nicht nur einen strahlenden Teint zaubern soll, sondern auch verhelfen soll, das ein oder andere Kilo zu viel loszuwerden und für einen flachen Bauch zu sorgen. Alles auf eigene Verantwortung und natürlich eigene Gefahr: denn nicht nur Detox-Verfechter finden diese Methode umstritten, im schlimmsten Fall kann hier der Darm perforieren, wenn ungeschultes nicht medizinisches Personal das „ausleitende Verfahren“ durchführt. Experten raten hiervon ab. Es gibt keine medizinischen Indikationen für eine Darmspülung, wenn es um „gesund, schön, fit und schlank“ geht. In diesem Fall wird vielmehr dazu geraten, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten, an der frischen Luft zu sein und regelmäßig Sport zu treiben. Dann kann man sich auch die Einläufe sparen und diesem Trend bloß keiner Beachtung schenken.

Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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