Eine Folge von Diabetes mellitus: Das diabetische Fußsyndrom Donnerstag, 12. April 2018

Diabetisches Fußsyndrom | apomio Gesundheitsblog © Jennewein Photo – Fotolia.com

Dem Diabetes mellitus liegt eine Störung des Energiestoffwechsels zugrunde. Eine häufige Folgeerkrankung bei Diabetes mellitus ist das diabetische Fußsyndrom, umgangssprachlich auch „diabetischer Fuß“ genannt. Für die Entstehung spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Warum sind insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 betroffen? Welche Folgen sind zu befürchten? Mehr zum diabetischen Fußsyndrom im folgenden Beitrag.

Diabetes mellitus Typ 2

Dem Diabetes mellitus liegt eine Störung des Energiestoffwechsels zugrunde. Unterschieden wird der Diabetes mellitus Typ 1 infolge eines Insulinmangels vom Diabetes mellitus Typ 2 infolge einer verminderten Insulinwirkung. Insulin ist ein Hormon der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Es senkt den Blutzuckerspiegel und wirkt direkt oder indirekt auf alle Stoffwechselreaktionen. Während der „Typ-1-Diabetes“ meist im Kindes- und Jugendalter auftritt, entsteht der „Typ-2-Diabetes“ meist im Erwachsenenalter. Der Diabetes mellitus Typ 2 ist gekennzeichnet durch eine Störung der Insulinsekretion sowie eine periphere Insulinresistenz, bedingt durch Überernährung und Bewegungsmangel. Das bedeutet, dass bei diesem Diabetes-Typ die primäre Stoffwechselstörung nicht in einem Mangel an Insulin besteht, sondern vielmehr in einer reduzierten Wirkung dieses Hormons an seinen wichtigsten Zielorten, nämlich der Leber und der Skelettmuskulatur. Dieser Vorgang wird als Insulinresistenz bezeichnet und führt zu einer gesteigerten Insulinproduktion und damit zu einem chronischen Überschuss an Insulin, wodurch zunächst ein normaler Blutzuckerspiegel aufrechterhalten wird. Erst bei einer zusätzlichen Störung der Insulinproduktion, beispielsweise infolge Erschöpfung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, den Inselzellen, kommt es im weiteren Krankheitsverlauf zur Manifestation des Diabetes mellitus Typ 2. Zum Phänomen der Insulinresistenz kommt es bei Übergewicht. Zu den Folgen der Insulinüberproduktion zählen unter anderem Fettstoffwechselstörungen, zu hoher Blutdruck und Gefäßwandverkalkungen.

Das diabetische Fußsyndrom

Das diabetische Fußsyndrom (DFS), umgangssprachlich auch „diabetischer Fuß“ genannt entwickelt sich bei etwa 15 Prozent der Diabetiker im Laufe des Lebens infolge ihrer Diabetes-Erkrankung. Es handelt sich um ein vielfältiges Krankheitsbild, der von einer einfachen Fußpilz-Infektion bis zu massiven Geschwüren reicht. Chronisch schlecht heilende Wunden an den Füßen, die zudem auch als schmerzlos empfunden werden, sind bei Diabetikern eine Komplikation. In Deutschland leiden Schätzungen zufolge derzeit 250.000 Diabetiker eine Fußwunde.

Was sind die Ursachen des diabetischen Fußsyndroms?

Das diabetische Fußsyndrom tritt vor allem bei einem langjährigen sowie schlecht eingestellten Diabetes mellitus in Erscheinung. Nerven und Blutgefäße werden in den Füßen geschädigt, die Durchblutungs- und Empfindlichkeitsstörungen zufolge haben können. Für die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Im Vordergrund stehen insbesondere die diabetische Angiopathie sowie die diabetische Polyneuropathie, welche im Folgenden näher erläutert werden:

Diabetische Angiopathie

Ein unzureichend kontrollierter Diabetes mellitus führt aufgrund des dauerhaft bzw. wiederkehrenden Zuckerspiegels zu Zuckerablagerungen, welche zu chronischen Schäden vieler Organsysteme und zur Schädigung großer und kleiner Gefäße führt. Bedingt durch die Regulation des Gefäßtonus kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Extremitäten, die sich folgendermaßen äußern können:

  • kalte Füße
  • verdickte Nägel
  • bläulich, blasse Haut insbesondere am Vorfuß
  • pergamentartige, dünne Haut
  • Druckstellen in Form von rötlichen Hautflecken, die man nicht wegstreichen kann
  • Schmerzen in den Waden oder Wadenkrämpfe beim Gehen

Diabetische Neuropathie

30 bis 40 Prozent der Betroffenen mit einem diabetischen Fußsyndrom haben eine Polyneuropathie. Im Rahmen einer diabetesbedingten Nervenschädigung ist die Schmerzempfindung eines Diabetikers stark reduziert oder gar nicht mehr vorhanden, sodass auch große und tiefe Wunden nicht mehr als schmerzhaft empfunden werden. Dadurch besteht die Gefahr, dass Wunden von betroffenen Diabetikern zunächst durch banale Unfälle, beispielsweise nach einem Steinchen im Schuh und bei zu starker Belastung oder nach einer nicht sachgemäßen Fußpflege, entstehen und dann gar nicht erst wahrgenommen werden und lange Zeit übersehen und unbehandelt bleiben. Die Folgen können auch eine verstärkte Hornhautbildung mit Entstehung von Schwielen sein, welche aufbrechen können, sodass kleine Wunden entstehen und mit Bakterien infizieren können. Eine bedingte Nervenschädigung kann auch die Schweißproduktion, die Haut wird trocken und rissig, was ebenfalls ein Nährboden für offene Wunden darstellt. Der „diabetische Fuß“ kann folgendes charakteristisches Aussehen annehmen:

  • eine warme und trockene, rosige Haut
  • Taubheitsgefühl in den Zehen und Füßen, sowie Kribbeln und Brennen
  • das Gefühl „auf Watte“ zu laufen
  • das Gefühl, kalte Füße zu haben, obwohl diese warm sind
  • Neigung zu Verhornung und Nagelpilz
  • Verminderung/ Verlust von Temperatur und Schmerzempfinden

Eine weitere Ursache für die Manifestation des diabetischen Fußsyndroms ist das geschwächte Immunsystem, sodass es leicht zu Infektionen kommt. Wird ein „diabetischer Fuß“ zu spät erkannt und behandelt, ist es nötig, den betroffenen Teil des Fußes ganz oder teilweise zu amputieren. Oberstes Gebot für Menschen mit Diabetes mellitus sind daher regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sowie eine sorgfältige Fußpflege, empfohlen durch einen Podologen, und das Vermeiden von Verletzungen und Druckstellen.

Chargot-Fuß

Auch Verformungen des Fußes und des Fußskellets können durch Nervenschädigungen entstehen. Eine Sonderform des diabetischen Fußsyndroms bedingt durch die diabetische Neuropathie stellt der sogenannte „Chargot-Fuß“ dar. Es handelt sich um eine Erkrankung schmerzunempfindlicher Füße, bei welcher Knochen unbemerkt frakturieren, ohne dass Frakturschmerzen überhaupt wahrgenommen werden. 95 Prozent aller Patienten mit einem Chargot-Fuß sind Diabetiker. Beim Chargot-Fuß kommt es zu einer Reihe akuter und chronischer Veränderungen der Fußgelenke aufgrund von Knochenauflösung, Umbauprozesse und Gelenkversteifungen. Ein akuter Chargot-Fuß stellt einen dringlichen Notfall dar und bedarf einer sofortigen Behandlung; eine komplette Druckentlastung und Behandlung in einer spezialisierten Einrichtung sind notwendig.

Allgemeine Maßnahme bei Diabetes mellitus und Vorhersage

Der Diabetiker soll auf eine gesunde und regelmäßige Lebensführung bedacht sein. Das betrifft vor allem eine besonders sorgfältige Hygiene und Fußpflege durch einen Podologen, regelmäßige, aber nicht überfordernde körperliche Betätigung und ausreichenden Schlaf. Die Insulinresistenz und ihre Folgen können in allererster Linie durch Kalorien- und Gewichtsreduktion sowie körperliches Training überwunden werden. Der Nikotinkonsum soll schon im Hinblick auf die beim Diabetiker häufigeren Blutgefäßerkrankungen ganz aufgegeben und der Alkoholgenuss – natürlich auch nur der, welcher nur im Rahmen des Kostplanes erlaubt ist – sollte stark eingeschränkt werden. Auf das Erreichen eines normalen Körpergewichtes ist unbedingt zu achten. Bei regelmäßiger ärztlicher Überwachung, strenger Einhaltung der ärztlichen Anordnungen wie auch der soeben genannten vernünftigen Lebensweise hat ein Diabetiker nahezu die gleiche Lebenserwartung wie ein gesunder Mensch.

Autor: J. Ehresmann

Judith Ehresmann ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Ehresmann schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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