Nägelkauen: So schaffen auch Sie es aufzuhören! Mittwoch, 12. Juli 2017

Nägelkauen | apomio Gesundheitbslog © blackday – Fotolia.com

Nägelkauen. In unterschiedlichen Situationen, wie ferngesteuert, wandert die Hand zum Mund und man kaut auf den Fingernägeln herum. Was versteht man unter Nägelkauen? Warum kauen einige Menschen Nägel? Gibt es Methoden gegen das leidige Laster? Wie kann man vom alten Verhaltensmuster abweichen? Kann ständiges Nagelkauen gesundheitliche Folgen haben? Mehr dazu im folgenden Beitrag.

Was versteht man unter Nägelkauen?

Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff „Onchyophagie“ Fingernägel kauen oder Nägel beißen. Hierbei handelt es sich weder um eine Krankheit noch um ein Symptom. Vielmehr kann man von einer schlechten Angewohnheit sprechen, die sich allerdings in ein zwanghaftes Verhalten manifestieren kann, bei welcher man sich die Fingernägel bis zur Nagelsohle abbeißen kann. Manchmal, wenn kaum noch Fingernägel vorhanden sind, wird an der Haut der Fingerkuppen sogar weiter gekaut. Zu den Betroffenen zählen inbesondere Kinder und Jugendliche; bei den Jugendlichen soll es jeder Zweite sein, aber auch bei Erwachsenen könne man das Knabbern und Knibbeln an den Fingernägeln beobachten.

Wie verbreitet das Nägelkauen letztendlich ist, wird nicht systematisch erfasst, weswegen keine genauen oder gesicherten Zahlen existieren. Häufig werden Fingernägelkauer stigmatisiert – es wird meist als Charakterschwäche ausgelegt oder als Form einer schlechten Erziehung bei Kindern angesehen. Dabei wird folgendes unterschätzt: nicht immer haben Fingernägelkauer die Kontrolle über das Nägelkauen, oft ist es ein auch ein unterbewusstes Nägelkauen.

Nägelkauen ist nicht gleich Nägelkauen. Um den Unterschied besser nachvollziehen zu können, kann folgende Typbeschreibung zum Verständnis beitragen: Man kann zwischen drei Typen des Nägelkauens unterscheiden: Es gibt Gelegenheitskauer, regelmäßige Kauer sowie Menschen, die sich exzessiv bis zum Nagelbett den Nagel wund wegknabbern.

Typ A: Der Gelegenheitskauer

  • ein Gelegenheitskauer knabbert – wie der Name schon sagt – nur gelegentlich und bewusst an den Fingernägeln, zum Beispiel um störende Ecken an den Fingernägeln zu entfernen

Typ B: Der regelmäßige Kauer

  • stetiges Nägelkauen ist zu beobachten
  • meist erfolgt das Nägelkauen aufgrund von Stress und Verhaltensstörungen

Typ C: Der exzessive Kauer

  • krankhaftes Nägelkauen, unbewusst oder bewusst, in Form einer Selbstverletzung ist zu beobachten

Ursachen für das Fingernägelkauen

Ein ausschlaggebender Grund, warum einige Menschen an ihren Fingernägeln kauen, gibt es nicht, sprich das bedeutet: Es gibt nicht die eine Ursache. Vielmehr sind es verschiedene Auslöser, unterschiedliche Situationen, in denen sich Betroffene befinden, weswegen man dazu geneigt ist, dann an den Nägeln zu kauen. Bei einigen kann es ein Zeichen von Anspannung und Nervosität sein. Manchmal kann es auch einfach nur aus Bequemlichkeit erfolgen, wie zum Beispiel: Brüchige Nägel abkauen, anstatt abzufeilen. Zu den vier häufigsten Ursachen für das Nägelkauen zählen:

  • Nervosität
  • Langeweile
  • Gewohnheit
  • Angst

In einigen Fällen kann sich das Nägelkauen allerdings auch verselbstständigen und gekoppelt mit anderen psychischen Störungen oder Krankheiten sein. Fingernägel selbst ist hierbei keine Krankheit, sondern eine Verhaltensauffälligkeit, diese kann, muss aber nicht auf eine weitere Störung hinweisen.

Gesundheitliche Folgen

Ständiges Nägelkauen kann Folgen haben. Diese können unter anderem sein:

  • Verkürzung der Nagelplatte des jeweiligen Nagels
  • Blutungen
  • bakterielle oder virale Entzündungen
  • Fehlbildungen des Nagels

Was ist Skin-Picking?

Nicht nur Nägelkauen kann zwanghaft werden. Auch das ständige Zupfen an der Haut kann auf Verhaltensauffälligkeiten hindeuten. Wenn der Drang einen überkommt, an der Haut zu kratzen und zu zupfen, man tief versunken ist, ständig Ausschau hält nach einer Unebenheit auf der Haut, ein Pickelchen, ein Hautfetzen, bis die Unebenheit glatt gemacht wird, spricht man von Skin Picking. Knibbeln, quetschen, kratzen, drücken. Bis es blutet. Und hinterher sieht es schlimmer aus als vorher. Betroffene können nicht aufhören und nutzen diese Verhaltensweise als eine Art Ventil: beim Skin Picking baut man Stress ab. Auch bei Anspannung, Überforderung, heftigen Emotionen, Wut oder Trauer kann Skin Picking beobachtet werden, aber auch aus Langeweile.

Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, spricht von einem Alarmsignal, wenn Skin Picking anhaltend besteht – über mehrere Wochen oder Monate – und Hautschäden sichtbar werden. Um das Problem angehen zu können, ist zunächst nach dem Auslöser für das Knibbeln zu suchen. Erst dann könne man einen Therapieansatz aufstellen und das gewohnt Verhalten mit weniger schädlichen Strategien ersetzen.

Tipps gegen das Nägelkauen

Das Abgewöhnen ist nicht immer einfach. Zu groß ist der Drang zum Knabbern und Kauen, sodass es schwer fällt, mit dem Nägelkauen aufzuhören. Einige Hilfsmittel können angewendet werden, um damit das leidige Laster endlich ein Ende hat. Diese können unter anderem sein:

  • Kaustopp-Flüssigkeiten wie Bittertinkturen verwenden: der bittere Geschmack soll vom Fingernägelkauen abhalten
  • nur noch an einem Fingernagel kauen, kann der erste Schritt zum Abgewöhnen werden
  • Fingernägel durch Gel verstärken lassen, damit die Basis zum Kauen fehlt
  • manchmal kann es auch hilfreich sein, künstliche Fingernägel aufzukleben, welche man nicht abbeißen kann
  • an bissfestes Gemüse wie Möhren knabbern, anstatt abends vor dem Fernseher auf der Couch an den Fingernägeln zu kauen

Voraussetzung für das Abgewöhnen des Nägelkauens ist allerdings, dass man es selbst möchte und sich keinen Druck macht.

 

Autor: Judith Schega

Judith Schega ist als gelernte Operationstechnische und Chirurgischtechnische Assistentin in einem Krankenhaus beschäftigt. Das Schreiben hat sich immer mehr als Gegengewicht zu ihrem Vollzeitberuf im Gesundheitswesen entwickelt. Vor allem auch als Ausdruck ihres medizinischen Interesses, mit dem Wunsch, dieses auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Frau Schega schreibt unter anderem für den Thieme Verlag und ist seit November 2014 auch als Autorin für apomio.de tätig.

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