Wie können Krankheitskosten von der Steuer abgesetzt werden? Samstag, 21. Juli 2018

Wie können Krankheitskosten von der Steuer abgesetzt werden? | apomio Gesundheitsblog © rawpixel‌ on Unsplash

Wenn die Gesundheit nachlässt, entstehen Kosten und die Arbeitskraft schwindet. Das weiß auch das Finanzamt. Deshalb ermöglicht das Steuergesetz steuerliche Abzüge für angefallene Krankheitskosten im Rahmen der sogenannten außergewöhnlichen Belastungen. Die Steuererleichterungen für den Krankheitsfall sollte jeder Steuerpflichtige in Anspruch nehmen. Daher lohnt es sich, die Möglichkeiten zur steuerlichen Geltendmachung von Krankheitskosten genau zu betrachten.

Was sind Krankheitskosten im steuerlichen Sinne?

Krankheitskosten im Sinne der Steuergesetzgebung sind Aufwendungen, die dem Ziel dienen, eine Krankheit zu heilen oder zu lindern. Voraussetzung für eine Geltendmachung der Ausgaben in der Steuererklärung ist die Aufwendung der angegebenen Kosten durch den Steuerpflichtigen selbst.

Wann können Krankheitskosten nicht abgesetzt werden?

Aufwendungen für Krankheit dürfen nicht als steuermindernd angegeben werden, wenn sie durch die Krankenkasse bezahlt wurden oder noch in Zukunft erstattet werden. Auch das Versäumnis, eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse anzufordern, führt nicht dazu, dass die Ausgaben steuerlich abgesetzt werden können.

Welche Krankheitskosten können Sie von der Steuer absetzen?

Grundsätzlich gilt für die Absetzbarkeit von Krankheitskosten, dass die Aufwendungen im Rahmen der Behandlung einer bestehenden Krankheit angefallen sind. Ausgaben zur Vorbeugung von Krankheiten hingegen können nicht abgesetzt werden. Zu den steuerlich relevanten Krankheitskosten gehören neben weiteren Ihre Ausgaben für:

  • Ärztliche Behandlung
  • Alternative Medizin
  • Krankenhausaufenthalt
  • Kurbehandlungen
  • Fahrtkosten
  • Medikamente mit Rezeptpflicht
  • Medikamente ohne Rezeptpflicht
  • Rezeptgebühren
  • Hilfsmittel
  • Massagen und Bäder
  • Suchterkrankung
  • Impfungen

Doch nicht nur Krankheitskosten können steuerlich geltend gemacht werden. Auch bestimmte Schwangerschaftskosten können abgesetzt werden.

Ärztliche Behandlung

Sämtliche Ausgaben, die Sie für Behandlungen durch einen Arzt, Zahnarzt oder Psychotherapeuten aus eigener Tasche bezahlen müssen, gehören in die Summe der Krankheitskosten.

Alternative Medizin

Wer sich abseits der Schulmedizin in die Behandlung anerkannter alternativer Behandlungsmethoden begibt, der kann die Kosten hierfür steuerlich absetzen. Dazu zählen zum Beispiel Aufwendungen für den Heilpraktiker, für die Homöopathie oder die Physiotherapie.

Krankenhausaufenthalt

Fallen für einen Aufenthalt im Krankenhaus Kosten an, dann zählen diese zu den steuerlich relevanten Aufwendungen. Voraussetzung hierfür ist die medizinische Notwendigkeit für den Krankenhausaufenthalt. Medizinisch nicht notwendige Ausgaben während des Aufenthaltes, wie Telefonkosten oder Trinkgelder für das Pflegepersonal sind hingegen nicht absetzbar.

Kurbehandlungen

Die steuerliche Geltendmachung von Kurbehandlungen erfordert eine medizinische Notwendigkeit. Diese ist zum Beispiel gegeben, wenn ein Kuraufenthalt eine sich abzeichnende Krankheit verhindern kann oder Symptome erleichtert. Die ärztliche Bescheinigung für einen Kuraufenthalt muss den Kurort und die Dauer des Aufenthaltes angeben, um vom Finanzamt als Beleg für die medizinische Notwendigkeit anerkannt zu werden.

Fahrtkosten

Die Fahrten zu Behandlungen, die absetzbar sind, können ebenso in die Summe der außergewöhnlichen Belastungen einbezogen werden. Auch die Fahrt zur Apotheke, zum Optiker oder zur Krankengymnastik gehört zu den absetzbaren Kosten. Hierbei sind die Kosten für die Hin- und Rückfahrt zu bemessen. Unter bestimmten Umständen können Sie auch Fahrten zu einem pflegebedürftigen Angehörigen von der Steuer absetzen.

Medikamente mit Rezeptpflicht

Medikamente, die aus medizinischer Veranlassung erforderlich sind, fallen unter die absetzbaren Krankheitskosten. Rezeptpflichtige Medikamente sind ohne ärztliches Rezept nicht erhältlich. Sobald der Arzt ein Medikament durch die Ausstellung eines Rezepts verordnet, erfüllt es die Voraussetzungen für eine Absetzbarkeit. Als Ausnahme gehört die Antibabypille zu den Ausgaben der privaten Lebensführung. Wurde die Pille jedoch abweichend von einer Schwangerschaftsverhütung aus medizinischer Notwendigkeit verschrieben, zum Beispiel zur Regulierung des Zyklus oder des Hormonhaushalts, dann fallen die Kosten hierfür unter die steuerliche Begünstigung.

Medikamente ohne Rezeptpflicht

Arzneien ohne Rezeptpflicht müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten unabhängig von der ärztlichen Verschreibung ausschließlich für rezeptpflichtige Medikamente. Rezeptfreie Medikamente können nur abgesetzt werden, wenn der Arzt diese verordnet hat. Der Arzt stellt hierfür ein sogenanntes „grünes Rezept“ aus. Bei einer chronischen Erkrankung, die zu einem fortgesetzten Verbrauch bestimmter rezeptfreier Medikamente führt, ist eine einmalige ärztliche Verschreibung ausreichend, um die laufenden Kosten geltend zu machen.

Rezeptgebühren

Auf die ärztlich verordneten Rezepte erhebt die Krankenkasse eine so genannte Rezeptgebühr. Diese fällt je nach Art der Verschreibung unterschiedlich hoch aus. Auch diese ist absetzbar.

Hilfsmittel

Nicht nur Schwerkranke oder Behinderte brauchen medizinische Hilfsmittel. Das Vokabular des Steuerrechts unterscheidet zwischen Hilfsmitteln im engeren und im weiteren Sinn. Zu den Hilfsmitteln im engeren Sinn zählen zum Beispiel die üblichen Alltagshelfer wie Zahnersatz, Brillen, Hörgeräte, Gehhilfen oder Rollstühle. Die Aufwendungen hierfür können ohne Vorlage von ärztlichen Attesten steuerlich geltend gemacht werden.

Die Hilfsmittel im weiteren Sinn bezeichnen Gegenstände, die zur effektiven Vorsorge gegen eine sich abzeichnende Krankheit eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel spezielle Krankenbetten oder Massagegeräte. Ihre medizinische Notwendigkeit muss durch eine Untersuchung vom Amtsarzt oder durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung bestätigt werden, um ihre Geltendmachung zu begründen.

Massagen und Bäder

Verschreibt Ihnen der Arzt eine Massage-, Bäder-, Einlauf- oder Packungsbehandlung, dann fallen Ausgaben hierfür unter die steuerliche Absetzbarkeit. Diese ist nur gültig, wenn das Attest vor dem Beginn der Behandlung ausgestellt wurde.

Suchterkrankung

Aufwendungen für Behandlung und Medikamente im Rahmen von Suchtkrankheiten, wie Alkoholismus, Spielsucht oder Drogenabhängigkeit fallen unter die absetzbaren Ausgaben. Hierzu zählt auch das Nikotinpflaster für die Raucherentwöhnung. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist eine ärztliche Verordnung.

Impfungen

Viele Reisen ins Ausland erfordern eine Impfung. Die Kosten hierfür muss der Patient selbst tragen. Wenn der Arzt eine Impfung verordnet hat, dann können die Kosten bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.

Zu weiteren absetzbaren Krankheitskosten gehören unter anderem Aufwendungen im Rahmen der Pflege Angehöriger sowie Behandlungskosten im Ausland.

Wie behandelt die Steuer Krankheitskosten durch Berufskrankheit und Arbeitsunfall?

Aufwendungen in Folge eines Arbeitsunfalls oder eines Unfalls auf dem Weg zur Arbeit können Sie ebenso wie die Kosten im Rahmen einer Berufskrankheit als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Für die Absetzbarkeit der Aufwendungen in Form von Werbungskosten gelten keine Höchstgrenzen. Die Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist durch ein Attest vom Amtsarzt gegeben.

Strengere Auflagen – Für welche Krankheitskosten gelten diese?

Für Behandlungsmethoden, die keine wissenschaftliche Anerkennung genießen, für Bade- und Heilkuren, betreuende Begleitpersonen, Massagen, psychotherapeutische Behandlungen oder besondere Formen der Therapie gelten strengere Auflagen für die Anerkennung als steuerlich absetzbare Krankheitskosten.

Diese bestehen zum einen in einem Attest des Amtsarztes oder einer Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme bestätigen. Die zweite Bedingung für die steuerliche Geltendmachung ist die Ausstellung der ärztlichen Bescheinigung vor dem Beginn der Behandlung.

In welcher Höhe können Krankheitskosten abgesetzt werden?

Krankheitskosten können erst ab dem Übersteigen einer zumutbaren Eigenbelastung von der Steuer abgesetzt werden. Zur Ermittlung der Eigenbelastung wird das Einkommen, der Familienstand und die Anzahl der Kinder herangezogen. Die außergewöhnlichen Belastungen im Krankheitsfall werden um die errechnete zumutbare Eigenbelastung reduziert und die Differenz steuerlich abgesetzt.

Wie können die Krankheitskosten steuerlich geltend gemacht werden?

Die Summe Ihrer Aufwendungen, die der Definition als Krankheitskosten entsprechen, tragen Sie bei Ihrer Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastung in Ihren Mantelbogen ein. Dabei geben Sie sämtliche Ausgaben an, die Sie selbst aufgewendet haben. Sorgen Sie dafür, dass Sie sämtliche Belege von Apotheken, Sanitätshäusern, Optikern und medizinischen Behandlungen aufbewahren und notieren Sie die dazu gehörenden Fahrten.

„Das apomio-Team bedankt sich bei Billomat für die Gastartikel-Reihe im apomio Gesundheitsblog. Wie Sie Kosten für Medikamente und Pflege von der Steuer absetzen können erfahren sie im zweiten Teil der Textserie. Mehr zum Thema Steuertipps finden Sie bei billomat.de“

Autor: Paul-Alexander Thies

Paul-Alexander Thies ist Geschäftsführer von Billomat, einer webbasierten Buchhaltungssoftware für Selbstständige, Startups und KMU . Mit seiner Leidenschaft für strategische Unternehmens- und Produktentwicklung gründete Thies bereits während seines Studiums ein Unternehmen. Heute blickt der Vollblut-Onliner auf über zehn Jahre Erfahrungen als Führungskraft zurück und konnte viele Unternehmen wie Groupon, Payleven (Rocket Internet) und Travador mit aufbauen. Das Fintech-Unternehmen mit Sitz in Nürnberg arbeitet seit 2016 mit einem Team aus 24 Vollblut-Onlinern und Software-Experten an dem Buchhaltungstool.

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