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Angst vor der Wertlosigkeit – Wenn mit dem Renteneintritt die Depression kommt

Kommentar schreiben Freitag, 06. Februar 2015

Es gibt Menschen, die sehnen sich danach endlich das Rentenalter zu erreichen. Lange ausschlafen? Keine Überstunden machen? Sich jeden Tag den eigenen Hobbys widmen? Eine schöne Vorstellung! Doch leider kann der Eintritt des Rentenalters dazu führen, dass ein Großteil in ein tiefes Loch fällt. Mehr über Häufigkeit, Behandlungsmethoden und Psychotherapie:

Mit der Rente auf dem Abstellgleis?

Das ganze Leben war der Alltag bestimmt durch die Arbeit und durch Aufgaben, die schon der Routine angehörten. Der Weg zur Arbeit, das Lob des Vorgesetzten, der Austausch mit Arbeitskollegen – kleine Dinge, die den Tagesablauf vorgegeben haben. Und obwohl man sich vielleicht immer sehr auf die Rente gefreut hat, kann es dazu führen, dass jeder Tag dem anderen gleicht und man sich wertlos vorkommt. Man sitzt zu Hause, fühlt sich alt und sieht keinen Grund mehr, morgens aufzustehen. Ein Stimmungstief? Oder der Beginn einer Depression?

Anfangs scheint man noch Möglichkeiten zu haben, sich gut zu beschäftigen, aber im Laufe der Zeit wirkt der Tag zunehmend strukturlos. Auch kann die Ehe von frisch berenteten Personen dadurch sehr belastet werden, besonders wenn Einer der Eheleute noch berufstätig ist und der Andere Trübsal bläst.

Definition Depression

Eine Depression ist eine am häufigsten auftretende psychische Erkrankung, bei der Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit häufig sind. Statistisch gesehen erkranken Frauen doppelt so oft als Männer an Depressionen. Zu den Kernsymptomen gehören eine gedrückte Verfassung, der Verlust der Lebensfreude sowie der Interessenverlust. Eine Depression ist nicht mit dem Zustand der Traurigkeit zu verwechseln: Bei einer Depression ist die Empfindung aller Gefühle reduziert, depressive Menschen sprechen von „dem Gefühl der Gefühllosigkeit“. Die Ursachen, die zu einer Depression führen, sind unterschiedlich und noch nicht vollständig aufgeklärt. Hierbei handelt es sich demnach um eine multikausale Erkrankung, denn zum Einen geht man von einer genetischen Disposition aus, eine Depression zu erleiden, zum Anderen können auch bestimmte Lebenssituationen eine Depression begünstigen. Der Eintritt in das Rentenalter in Verbindung mit der Entwicklung einer Depression scheint als Ursache ebenfalls eine Rolle zu spielen.

Michael Krüger, psychologischer Psychotherapeut der Schön Klinik Bad Bramstedt, berichtet über das Krankheitsbild und wie schwer es ist, dieses frühzeitig zu diagnostizieren: „Die Symptome einer Depression sind unserem Alltagserleben sehr ähnlich. Zur Erkrankung werden sie erst, wenn die Symptome besonders intensiv, besonders langwierig oder schwerwiegend sind. Spätestens wenn Suizidgedanken dazukommen, sollten die Alarmglocken bei Partner, Freunden und Bekannten läuten. Dann muss unbedingt behandelt werden. Dann ist ganz klar, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Phase handelt.“

Mit dem Rentenalter umgehen

Es ist wichtig, die neue Rolle des Rentners anzunehmen und zu lernen, mit dieser umzugehen. Im Vergleich zu früher gilt der 60jährige in der heutigen Gesellschaft als besonders vital. Trotz allem kann diese Vitalität das Altern nicht aufhalten und nicht verhindern, dass der Körper zunehmend abbaut. Aber anstatt Trübsal zu blasen und jeden Tag aufs Neue die eigene Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, dass das Leben keinen ernstzunehmenden Wert mehr habe, sollten im Rentnerdasein neue Rollen erlernt werden. Die dritte Lebensphase zählt als eine Phase, in welche man unvorbereitet eintritt. Die Kindheit und Jugend sind geformt und Entscheidungen können noch abgenommen werden; der Eintritt ins Erwachsenenalter wird als eine intensive Phase wahrgenommen, in welcher es um Berufsfindung sowie Familiengründung geht. Gerade in diesem Lebensabschnitt scheint die Schnelllebigkeit und Hektik und das Gefühl, man habe kaum Zeit, dazu zu führen, dass man sich gar keine Gedanken über das Rentendasein macht. Und ganz überraschend und unvorbereitet steht man davor: Die Autobahn des Lebens endet hier?!

Hilfestellung in der Partnerschaft und im Familien- und Freundeskreis

Das Leben als Rentner kann sehr viel Lebensfreude sowie Lebensqualität mit sich bringen, auch wenn zahlreiche Verpflichtungen nicht mehr zu erfüllen sind. Die Rolle der Familie und der Freunde sowie des Ehepartners gewinnt im Rentnerdasein an enormer Wichtigkeit, denn Angehörige und Vertraute können dem depressiv gestimmten frisch Berenteten zur Seite stehen und ihm deutlich machen, dass er auch ohne Arbeit nicht wertlos ist. Als Rentner ist es völlig normal, sich zu Beginn an einen neuen Tagesrhythmus zu gewöhnen und eine neue Struktur zu schaffen. Als vertraute Person können Sie den Tagesablauf für diesen zwar nicht bestimmen oder vorleben, denn Sie sind keineswegs dafür verantwortlich, sein Leben mit Programm zu füllen. Doch es kann ratsam sein, dass Vorschläge an den Tag gelegt werden, wie denn eventuell in Zukunft seine Zeit sinnvoll genutzt werden kann. Dazu gehören zum Beispiel das intensive Nachgehen eines Hobbies durch einen Beitritt in einem Verein, für das früher die Zeit immer gefehlt hat oder das Ausführen einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um sich wertgeschätzt zu fühlen und das Empfinden zu haben, man tut etwas Gutes und erledigt eine Hilfe bringende Maßnahme. Manche Menschen kaufen sich in der Rente einen Hund oder legen sich ein Aquarium mit Fischen an, um eine Beschäftigung zu finden und sich möglicherweise neu zu orientieren. Auch ist es keine Ausnahme, sich im Rentenalter noch in einer Universität einzuschreiben und zwischen jungen Studenten selbst noch einmal zu studieren. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, die dritte Lebensphase zu erleben. Es ist wichtig, dass versucht wird, die Freiheit schmackhaft zu machen, anstatt nur das Negative vor Augen zu haben und im Glauben zu sein, man sei nicht mehr bedeutend.

Psychotherapie als Behandlungsmethode

Zur Behandlung einer Depression kommen psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz: psychologische Psychotherapeuten wenden hierbei die kognitive Verhaltenstherapie, dessen Vorreiter die Psychologen und Psychotherapeuten Albert Ellis und Aaron T. Beck waren, an. Ziel ist es, die depressionsauslösenden Verhaltensmuster zu erkennen, um diese in Etappen zu verändern.

Auch kam es zu der Überlegung, Gruppen zu gründen, die Betroffene mit einem Alter von jenseits der 60 Jahre fasst, die auf Menschen in der sogenannten „dritten Lebensphase“ zugeschnitten sind. Der psychologische Psychotherapeut Krüger ist der Meinung, dass eine Therapie in Gruppensitzungen erfolgsbringender und erfüllbarer sein kann, als alleinige Sitzungen durchzuführen: „Unseren Patienten muss wieder bewusst werden, dass gerade in ihrer Lebenserfahrung die Schlüssel für viele scheinbar auswegslose Situationen versteckt liegen.“

Das Rentenalter kann eine schöne Zeit sein, die mit Engagement genutzt werden kann, wenn man sich dazu motiviert, sich neu orientieren zu wollen. Dann endet der lang ersehnte Ruhestand gewiss nicht in einer Depression.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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