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Bakterielle Infektion: Scharlach

Kommentar schreiben Samstag, 19. November 2016

Scharlach ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die durch Bakterien, den sogenannten A-Streptokokken, verursacht wird. Sie zählt als klassische Kinderkrankheit und gehört zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten in dieser Altersgruppe. Ist Scharlach gefährlich? Wie äußert sich diese Krankheit? Und was sollte bei diesem Krankheitsbild beachtet werden? Wissenswertes zum Thema „Scharlach“ im folgenden Beitrag.

Was ist Scharlach?

Scharlach ist die klassische Kinderkrankheit und ist hoch ansteckend, weshalb die Erkrankung in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Grundschulen auftritt immer wieder gehäuft auftirtt. Eine Halsentzündung mit Fieber und einem Hautauschlag sollte immer ärztlich abgeklärt werden.

Was sind die Ursachen für Scharlach?

Scharlach wird durch Scharlach-Toxin-tragende Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, vor allem Streptococcus pyogenes, hervorgerufen, welche Giftstoffe, sogenannte Toxine (A, B oder C) bilden. Da die Produktion verschiedener Toxine möglich ist, kann auch ein erneutes Erkranken an Scharlach nach überstandener Krankheit zustande kommen, da der Körper nur gegenüber dem einzelnen Toxin eine Immunität aufgebaut hat. Die Inkubationszeit, das heißt der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Krankheitserregers in den Körper und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwei bis sieben Tage.

Wie wird Scharlach übertragen?

An Scharlach kann jeder erkranken. Der Infektionsweg erfolgt von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion und befällt meist primär die Gaumenmandeln. Beim Sprechen, Husten, Niesen können die Erreger aus dem Rachenraum in die Luft befördert werden und sich beim Einatmen des Gegenübers an den Schleimhäuten festsetzen. Extrem selten ist von einer Ansteckung auszugehen, wenn es sich um gemeinsam benutze Gegenstände handelt. Bei Erwachsenen ist Scharlach seltener als bei Kindern, aber immer noch durchaus möglich. Der Grund: Die meisten Erwachsenen erkranken schon in der Kindheit an Scharlach und haben daraufhin einen gewissen Schutz gegenüber dem betreffenden Erregerstamm erworben. Kommt es im Laufe des Lebens wieder zu einer Infektion mit dem gleichen Erregerstamm, können die Immunzellen des Körpers diesen schnell vernichten und die Krankheit nicht ausbrechen lassen. Handelt es sich allerdings um einen anderen Erregerstamm von Scharlach (Gruppe A, B oder C) und somit um den ersten Kontakt, werden auch Erwachsene krank. Im Hinblick darauf sind auch wiederholte Scharlach-Krankheitsfälle in der Kindheit und auch bei Erwachsenen zu erklären.

Was sind die Symptome für Scharlach?

Scharlach tritt in der Regel mit einer Entzündung des Rachens in Erscheinung (Tonsillopharingitis) und dem abrupten Beginn von hohem Fieber. Anfänglich ist die Erkrankung einem grippalen Infekt ähnlich: Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Schüttelfrost und ein allgemeines Unwohlsein werden beobachtet. Auch können Bauchschmerzen und Erbrechen auftreten. Krankheitszeichen, die alle noch nicht so wirklich einen Verdacht auf Scharlach hegen können. Nach etwa ein bis zwei Tagen treten die charakteristischen Eigenschaften in Erscheinung.

Charakteristisch für die Erkrankung ist:

  • eine Rötung der Wangen
  • eine periorale (um den Mund herum) Blässe
  • ein hochrotes Enanthem (Ausschlag im Bereich der Schleimhäute) des Rachens mit sogenannter „Erdbeerzunge“ oder „Himbeerzunge“ (gerötete Zunge mit sogenannter Papillenhyperplasie, hervorstehenden Geschmacksknospen)
  • feinfleckiges Enanthem, in der Leiste am stärksten ausgeprägt
  • Abblassen des Enanthems nach etwa einer Woche und anschließender kleieförmiger Schuppung der Haut in der zweiten bis vierten Erkrankungswoche (insbesondere die Hand- und Fußinnenflächen sind betroffen)

Bleibt Scharlach unbehandelt oder wird eine Antibiotika-Therapie frühzeitig abgesetzt (der klassische Fehler: man fühlt sich wieder besser und gesund und setzt die Medikation nicht mehr fort) können häufig Komplikationen beobachtet werden.

Zu diesen Komplikationen gehören:

  • Entzündungen des Mittelohres
  • Entzündungen der Nebenhöhlen
  • Entzündungen der Lunge
  • akutes rheumatisches Fieber (eher selten, aber eine gefürchtete Spätfolge)
  • Entzündungen der Gelenke
  • Entzündungen des Herzmuskels und Herzbeutels oder der Herzklappen
  • Entzündungen der Niere mit Blut im Urin
  • Hirnhautentzündung

Wie wird Scharlach behandelt?

Eine konsequente antibiotische Therapie ist bei Scharlach von großer Wichtigkeit, da die Infektion mit Streptokokken der Gruppe A zu schweren Verläufen führen und wie bereits erwähnt, auch das rheumatische Fieber auslösen kann. Aus diesem Grund sollte jeder Scharlach antibiotisch behandelt werden, um Folgeerkrankungen und toxische Komplikationen zu verhindern und darüber hinaus die Ansteckungsgefahr zu verkürzen. Das Antibiotikum der ersten Wahl ist Penicillin. Sofern eine Penicillin-Allergie besteht, kann auch das Antibiotikum Erythromycin verabreicht werden. Schon nach 24-stündiger Antibiotikatherapie ist von keiner Infektiosität mehr auszugehen. Ohne Antibiose können Betroffene bis zu drei Wochen nach Eintritt der ersten Beschwerden ansteckend sein. Bei einer Antibiotikatherapie in einem frühen Krankheitsstadium können die Symptome von Scharlach bereits abklingen und der gesundheitliche Allgemeinzustand verbessert sich. Nach sechs bis neun Tagen bildet sich auch der Hautausschlag zurück, später löst sich auch die Haut, insbesondere an Hand- und Fußinnenflächen ab. Sobald die Antibiotikatherapie abgeschlossen ist, fühlt man sich in den allermeisten Fällen wieder vollständig gesund.

Wie kann man sich schützen?

Eine Impfung gegen Scharlach ist leider nicht verfügbar, weshalb man sich nur prophylaktisch schützen kann, indem man den Kontakt zu Erkrankten, bei welchen noch Ansteckungsgefahr besteht, meidet und auf eine regelmäßige Händehygiene mit Wasser und Seife achtet. Eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotikum ist prinzipiell nicht notwendig und im Hinblick auf die Antibiotikaresistenzen, sollte die Einnahme von Antibiotikum ohnehin mit Bedacht erfolgen. Eine Ausnahme gilt für besonders gefährdete Menschen: bei schweren Grunderkrankungen oder einer Abwehrschwäche kann die Einnahme von Antibiotikum zur Prophylaxe vor Scharlach empfohlen werden.

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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