© AdobeStock.com

Interstitielle Zystitis - Eine chronische Blasenentzündung

Kommentar schreiben Mittwoch, 21. November 2018

Schmerzen beim Wasserlassen, permanenter, zwingender Harndrang bis zu 60 Mal am Tag? Klingt nach einer einfachen Blasenentzündung (Zystitis). Doch wenn die Symptome auch nach der Einnahme von Antibiotika nicht verschwinden und über einen langen Zeitraum die Lebensqualität stark verschlechtern, kann eine chronische interstitielle Zystitis vorliegen.

Das Problem: Dieses Krankheitsbild ist noch weitgehend unbekannt und nicht gut erforscht. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Bis die richtige Diagnose gestellt wird, haben die Betroffenen viele Arztbesuche hinter sich. Eine enorme psychische Belastung.

Interstitielle Zystitis: Keine Bakterien beteiligt

Bei einer „einfachen“  Blasenentzündung gelangen meist Bakterien in die Harnwege und steigen bis in die Blase auf. Dort nisten sie sich ein und der Körper versucht sie mit einer Entzündungsreaktion wieder los zu werde. Die Folge sind Schmerzen beim Urinieren, ständiger Harndrang mit nur sehr geringen Flüssigkeitsmengen.

Bei einer interstitiellen Zystitis sind keine Bakterien beteiligt. Deshalb schlagen auch die oftmals zuerst verschriebenen Antibiotika nicht an. Die genaue Ursache für die Beschwerden ist noch nicht bekannt. Doch die Wissenschaftler haben mehrere Vermutungen: Durch eine Störung in der Blasenschleimhaut könnte Urin die oberste Schicht der Blase zerstören. Das führt zu einer Entzündung in tieferen Blasenschichten.

Allerdings wird auch eine Stoffwechselstörung als Ursache in Betracht gezogen. Durch ein Hormonungleichgewicht könnte sich die Stoffkonzentration in der Blase verändern, sodass die Symptome hervorgerufen werden. Auch ein Autoimmundefekt, bei dem sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, ist nicht auszuschließen. Es müssen weitere Studien erfolgen, um die Ursache dingfest zu machen.

Symptome erkennen

Die Erkrankung macht sich dann mit Symptomen wie

  • Schmerzen beim Urinieren
  • Zwang, auf die Toilette zu müssen (bis zu 60 Mal am Tag und in der Nacht)
  • Schmerzen im unteren Bauch
  • Schlafmangel durch die nächtlichen Toilettengänge
  • Schmerzen an einer anderen Körperstelle wie Kopfschmerzen oder rheumatoide Gelenksschmerzen

Bemerkbar. Die Symptome können mehrere Monate lang anhalten. Durch die körperliche Beeinträchtigung und nicht zuletzt die Schmerzen haben viele Patienten mit psychischen Problemen zu kämpfen. Durch die Erkrankung ist das alltägliche Leben sehr eingeschränkt. Viele Betroffene werden erwerbsunfähig. Depressionen können folgen.

Hier ist zu beachten, dass die interstitielle Zystitis keine psychosomatische Erkrankung ist. Die psychischen Probleme sind eine Folge der Beschwerden und nicht andersherum.

Kniffelige Diagnose bei interstitielle Zystitis

Bis die Diagnose gestellt wird vergehen mitunter Monate oder Jahre. Das liegt daran, dass viele andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Am Anfang der Diagnosestellung steht eine gründliche Anamnese. Dabei wird der Arzt die Beschwerden abfragen und auch den persönlichen Hintergrund und Vorerkrankungen einbeziehen.

Eine Urinprobe wird die interstitielle Zystitis von einer einfachen Blasenentzündung abgrenzen. Bei der interstitiellen Zystitis sind nicht vermehrt weiße Blutkörperchen im Urin zu finden. Unter Vollnarkose kann eine Blasenspiegelung die kleinen Entzündungsherde in den tieferen Schichten der Blasenschleimhaut aufzeigen. Sie sind als stecknadelkopfgroße Einblutungen zu erkennen. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) von Blasenmaterial kann das Vorliegen eines Tumors ausschließen.

Eine Untersuchung der Schilddrüse kann zeigen, ob eine Störung des Hormonhaushaltes als Ursache für die Erkrankung in Frage kommt. Gegebenenfalls bessern sich die Blasen-Symptome, wenn die Schilddrüse medikamentös richtig eingestellt ist. Ähnlich verhält es sich mit anderen Grunderkrankungen: Eine Durchblutungsstörung könnte die Beschwerden verursachen. Wird die Störung erkannt und der Blutdruck behandelt, könnten sich auch die Blasen-Beschwerden bessern.

Bei der interstitiellen Zystitis spielen viele Faktoren zusammen, sodass die Diagnose sehr kniffelig ist.

Behandlung der schmerzenden Blase

Da die Ursache für das Leiden noch nicht ganz klar ist, ist die Behandlung der interstitiellen Zystitis schwierig. Es gibt noch keine ärztlichen Leitlinien für das Vorgehen. In der Regel werden zunächst die Symptome therapiert. Gegen die Schmerzen in der Blasenregion werden Schmerzmittel verabreicht. Pflanzliche Mittel, die den Schlaf unterstützen, sollen die tägliche Müdigkeit der Patienten lindern.

Die Blase selbst kann mi verschiedenen Wirkstoffen gespült werden. Dabei wird der Wirkstoff durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die geschädigte Blasenwand kann sich durch die Medikamente regenerieren und die Beschwerden können zurückgehen. Einige Patienten profitieren von einer Dehnung der Blase durch eine Spülung mit Wasser. Dadurch kann die Blase wieder mehr Urin fassen und der ständige Harndrang geht etwas zurück.

Heparin - ein Medikament, das eigentlich die Gerinnung hemmt – konnte bei einigen Betroffenen als Spritze unter die Haut die Symptome der interstitiellen Zystitis verbessern. Warum Heparin bei manchen Menschen wirkt und bei anderen nicht ist nicht klar.

Operation als letzter Ausweg

Wenn alle Therapieversuche gescheitert sind, besteht die Möglichkeit einer Operation. Dabei wird die Blase durch den Einsatz von Darmteilen vergrößert. Sie hat dadurch ein größeres Fassungsvermögen und der unangenehme Harndrang kann sich bessern.

Die richtige Ernährung

Wer an einer interstitiellen Zystitis leidet kann versuchen mit einer Ernährungsumstellung die Symptome zu bessern. Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis gibt auf seiner Internetseite wertvolle Tipps für die Ernährung bei dieser Erkrankung.

Patienten sollten darauf achten ausreichend Omega-3 Fettsäuren zu sich zu nehmen. Diese beeinflussen viele Vorgänge des Stoffwechsels und verbessern die Durchblutung. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem in Fisch enthalten.

Frischer Tee aus der Süßholzwurzel kann die Entzündungen bei einer Zystitis mildern. Ebenso ist Tee aus Kamillenblüten und Scharfgabenkraut nützlich. Die Zutaten bekommen Sie in Ihrer Apotheke. Die natürlichen Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmenden und krampflösend. Das kann die schmerzende Blase entlasten.

Säure schädigt die Blase

Auf säurehaltige Lebensmittel sollten Sie bei einer interstitiellen Zystitis eher verzichten. Die Säure greift die Schleimhäute an und kann die Beschwerden daher verschlimmern. Dazu gehören vor allem industriell verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen.  Kaffee, Wein, Milchprodukte und Getreide sind daher nur in Maße zu empfehlen. Eine basische Ernährung ist bei einer solchen Blasenerkrankung besser bekömmlich.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.