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Diagnose Lungenkrebs - Wenn das Reparatursystem versagt

Kommentar schreiben Freitag, 14. Juni 2019

Lungenkrebs, in der Fachsprache auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom bezeichnet, zählt zu den weltweit häufigsten Krebsneuerkrankungen und -todesursachen. Bei Männern ist Lungenkrebs die häufigste Krebstodesursache und bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache. Hauptrisikofaktor für die Entstehung ist und bleibt das Rauchen. Wie entsteht Lungenkrebs? Welche histologischen Subtypen gibt es? Welche Symptome äußern sich? Und welche Prognose gibt es? Wissenswertes zu dem Thema im folgenden Beitrag.

 

Epidemiologie - Wer ist häufiger betroffen, Mann oder Frau?

 

In Deutschland erkranken jährlich 55.700 Menschen neu an Lungenkrebs – das geht aus Schätzungen des Robert-Koch-Instituts Berlin hervor.1 Nach Darmkrebs bzw. Prostata- und Brustkrebs zählt Lungenkrebs somit zur häufigsten Krebsart. 2

 

Jedes Jahr erhalten ungefähr 33.700 Männer und 22.000 Frauen die Diagnose „Lungenkrebs“. 3 Seit 1975 habe sich die Mortalität der Frau infolge einer Lungenkrebserkrankung verdoppelt. 4

Die Erkrankungszahlen haben bei den Frauen zugenommen, während diese bei den Männern in den vergangenen Jahren leicht rückläufig sind, was als Folge des vermehrten Rauchens bei Frauen zu vermuten ist. 5

 

Im Mittel beträgt das Erkrankungsalter bei Männer 70 Jahre und das der Frauen 69 Jahre. 6

 

Welche Arten von Lungenkrebs gibt es?

 

Im Rahmen der feingeweblichen (histologischen) Einteilung werden kleinzellige von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen unterschieden. 7 Grundlage für diese Einteilung ist die Zerteilungsrate und die Größe der vorgefundenen Krebszellen. 8

Kleinzellige Lungenkarzinome haben im Vergleich zu den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen eine höhere Zerteilungs- sowie Wachstumsrate. 9

 

Histologisch ordnet man das kleinzellige Lungenkarzinom zu der Gruppe der neuroendokrinen Tumore zu während man dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom folgende histologische Subtypen zuordnet: das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom. 10

 

Die feingewebliche (histologische) Einteilung ist wichtig für die therapeutischen Konsequenzen und die sich daraus auswirkenden Prognose. 10

 

Darüber hinaus existieren auch Verlaufs- und Sonderformen wie der sogenannte Pancoast-Tumor, die Lymphangiosis carcinomatosa oder das Bronchoalveoläre Karzinom (veraltet: Alvelolarzellkarzinom), die in diesem Artikel nicht näher erläutert werden.

 

Im Folgenden ein grober Überblick über das kleinzellige- sowie nicht-kleinzellige Lungenkarzinom:

 

Kleinzelliges Lungenkarzinom        

(15%)

Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom

(85%)

Synonyme: Small cell lung cancer, SCLL

 

Histologie: Gruppe der neuroendokrinen Tumore

 

 

Lage: eher zentral

Zellteilungsrate:

  • hoch
  • schnelles Wachstum
  • frühe Metastasierung

Prognose: eher schlecht

 

Synonyme: Non small cell lung cancer, NSCLC, NSCC

Histologie:

Plattenepithelkarzinom (30-40%),

Adenokarzinom (25-30%),

großzelliges Karzinom (<10%)

Lage: eher peripher

Zellteilungsrate:

  • niedriger als das kleinzellige Lungenkarzinom

 

Prognose: besser als beim kleinzelligen Lungenkarzinom

11

 

Hauptrisikofaktor Rauchen - Wenn der Qualm die Lunge zertört!

 

Lungentumore betreffen zu 90 Prozent Raucher. 12 Damit ist und bleibt das Rauchen Hauptrisikofaktor für die Entstehung einer Lungenkrebserkrankung. Zu den weiteren exogenen Risikofaktoren zählen unter anderem:

 

  • berufliche Karzinogene: verschiedene Metalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
  • umweltbedingte Faktoren: Passivrauchen, Feinstaub, Asbest, Industriegase, Verkehrsgase, Radonexposition

 

Als endogene Risikofaktoren sind unter anderem die genetische Disposition sowie Vorerkrankungen der Lunge mit Narbenbildung bzw. chronisch entzündliche Prozesse (beispielsweise Lungentuberkulose) zu nennen, die insgesamt eine untergeordnete Rolle spielen. 13

 

Im Hinblick auf das Rauchen bestimmen die Dauer sowie die Menge des Konsums das Krebsrisiko – wie groß das Risiko ist, zu erkranken ist abhängig von den im Folgenden genannten Faktoren:14

 

Das Risiko nimmt zu

  • je mehr Zigaretten man pro Tag geraucht hat
  • je früher man mit dem Rauchen begonnen hat
  • je länger man geraucht hat (packyears)
  • je stärker man inhaliert hat
  • je stärker die Zigaretten sind
  • wenn man filterlose Zigaretten rauch

 

Das Risiko nimmt ab

  • wenn man mit dem Rauchen aufhört
  • je länger man nicht geraucht hat: Das Risiko sinkt bereits nach fünf Jahren um 60 Prozent und nach 15 bis 20 Jahren um bis zu 90 Prozent

 

Und trotz allem ist es manchmal doch beachtlich, dass es Menschen gibt, die jahrzehntelang geraucht habe und bei gesunder Gesundheit sind und andere Menschen, die beispielsweise noch nie geraucht haben, an Lungenkrebs erkranken.

 

In diesem Zusammenhang werden nur teilweise bekannte erbliche Faktoren dafür verantwortlich gemacht, weshalb es noch weiterer Forschung bedarf. 15

Auch ist bekannt, dass Jugendliche im Vergleich zu den Erwachsenen empfindlicher auf die in den Zigaretten krebserregenden Bestandteile reagieren und schlechter abbauen. 16

 

Außerdem reagieren Frauen empfindlicher auf das Rauchen als die Männer, was bedeutet, dass insbesondere viele junge heranwachsende rauchende Frauen gefährdet sind und umso bedenklicher wird es, je früher diese mit dem Rauchen anfangen. 17

 

Früherkennung - Wie sehen die Symptome aus? - Was passiert im Körper?

 

Lungenkrebs früh zu erkennen ist schwierig, denn meist treten Symptome erst in fortgeschrittenem Tumorstadium in Erscheinung. 18 Zu Beginn der Lungenkrebserkrankung äußern sich die körperlichen Beschwerden so allgemein und unspezifisch, dass man auch an andere Erkrankungen denken könnte. 19

 

Umso wichtiger ist es trotz allem zum Arzt zu gehen und die Symptome abklären zu lassen, denn je früher Lungenkrebs diagnostiziert wird, desto besser können die Heilungschancen sein.

 

Bei den folgenden Anzeichen ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren: 20

 

  • Husten, insbesondere ein lange bestehender Raucherhusten, welcher sich plötzlich ändert
  • Bronchitis oder rezidivierende Erkältungskrankheiten, die trotz Behandlung keine Besserung zeigen
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Bluthusten
  • Atemnot
  • reduzierter Allgemeinzustand
  • Gewichtsverlust

 

Diagnostik - Wie sehen die richtigen Maßnahmen bei Lungenkrebs aus?

 

Die diagnostischen Maßnahmen, die zur Erkennung einer Krankheit führen, sind im Hinblick auf Lungenkrebs zum Einen die körperliche Untersuchung, die insbesondere darauf fokussiert ist, eingetretene Komplikationen (maligner Pleuraerguss, Pneumonie, Kachexie) zu eruieren, und zum Anderen die Blutuntersuchung.

Bei der Blutuntersuchung können neben dem zu untersuchenden Blutbild sogenannte Tumormarker bestimmt werden:

 

  • NSE (Neuronenspezifische Enolase) = Tumormarker des kleinzelligen Lungenkarzinoms
  • LDH = allgemeiner Marker für Zerfall; beim schnellwachsenden kleinzelligen Lungenkarzinom kann das Enzym LDH erhöht sein
  • CYFRA 211 = Tumormarker für Lungenkarzinome unabhängig von der Histologie (aber insbesondere nicht-kleinzellige Lungenkarzinome) 21

 

Auch bildgebende Untersuchungen, wie eine Röntgenthorax-Untersuchung als Basisdiagnostik und weitere Bildgebung wie das die Computertomographie mit Kontrastmittel von Thorax und Oberbauch als 1. Wahl kommen in Frage. 22

 

Zu den Merkmalen karzinomverdächtiger Befunde sind unter anderem zu nennen:22

 

  • Unscharf begrenzter Herd
  • Ohne Verkalkung
  • Vorkommen von „Spiculae“: Tumorausläufer, die einstrahlend vom Rand aus in das Lungengewebe verlaufen
  • Größenzunahme im Vergleich zu einer Voraufnahme

 

Zur Sicherung der Diagnose bei bestehendem Verdacht auf eine Lungenkrebserkrankung ist eine Biopsie, die histologisch untersucht wird, notwendig und für die Therapieentscheidung essentiell. 24

 

Wie sieht die Therapie bei Lungenkrebs aus - Chancen auf Heilung?

 

Das Ziel einer jeden Behandlung ist es, einen Tumor vollständig zu entfernen, sodass eine dauerhafte Heilung möglich ist, man spricht in diesem Fall von einem kurativen Therapieansatz. 25

 

Sofern eine vollständige Resektion nicht möglich ist, wird versucht, den Tumor möglichst lange zu kontrollieren und mittels palliativer Therapie die Lebensqualität des Patienten so gut es geht zu erhalten. 26

 

Welche Therapie beim Lungenkarzinom in Frage kommt ist nicht zu verallgemeinern und richtet sich nach dem feingeweblichen Typ (Kleinzelliges Lungenkarzinom oder nichtkleinzelliges Lungenkarzinom und) und dessen Subtyp und der Tumorausbreitung/Tumorstadium. 27

 

Da umfangreiche Leitlinien existieren und die Behandlung vieler Patienten aus klinischen Studien komplex ist, ist es schwer, eine Übersicht im Hinblick auf die Therapie zu liefern.

 

Aus diesem Grund werden hier nur grundsätzliche Konzepte, die bei der Therapie mit einbezogen werden, genannt:27

 

  • Interdisziplinäre Tumorkonferenz
  • Studieneinschluss prüfen (geeignete Patienten können in laufende Studien eingeschlossen werden)
  • beim nichtkleinzelligen Lungenkarzinom: in frühen Stadien werden kurative Therapiekonzepte wie die Operation, gegebenenfalls adjuvante Chemotherapie und Strahlentherapie eingeleitet
  • beim kleinzelligen Lungenkarzinom: eine Operation ist nur in sehr begrenzten Stadien möglich, eine kombinierte Radiochemotherapie kann im Stadium der „Limited Disease“ erfolgen, in höheren Stadien Chemotherapie mit Zytostatika als palliative Therapie erfolgt. Aufgrund des schnellen Wachstumsverhalten und dem aggressiven Metastasierungsverhalten hat das kleinzellige Lungenkarzinom eine schlechte Prognose
  • Therapieaggressivität und Patientenzustand: Aggressive Therapieoptionen erfordern einen ausreichend guten Allgemeinzustand des Patienten
  • Frühe Anbindung an die Palliativmedizin 

 

Gibt es Vorbeugungsmaßnahmen gegen Lungenkrebs?

 

Das geringste Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, haben Menschen, die nie geraucht haben, weshalb Nichtrauchen wohl als erfolgsversprechende prophylaktische Maßnahme zu nennen ist. 28

 

Ein Überblick zur Prävention:29

 

  • Nichtrauchen bzw. Rauchstopp
  • Vermeiden von Passivrauchen
  • Berufliche Exposition gegenüber Risikofaktoren vermeiden
  • körperliche Aktivität und gesunder Lebensstil als allgemeine Krebsvorbeugung

 

Leider existiert nach wie vor keine Lungenkrebsfrüherkennung, wie es beispielsweise als Krebsvorsorgeuntersuchung bei Darmkrebs, Prostatakrebs oder Brustkrebs angeboten wird.30 Aus diesem Grund ist es wichtig, selbst auf die Gesundheit zu achten und auf Veränderungen des Körpers zu achten.31 Umso wichtiger ist es, sich vermeidbaren Risiken wirklich zu entziehen, indem man mit dem Rauchen aufhört und sich von Passivrauch fernhält.32

 

 

 

 

Quellenangaben (Stand 13.05.2019):

1-5 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf, 5 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z74757b52eed4a727cc2fe1631826cbf6

6-7  vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

7 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z74757b52eed4a727cc2fe1631826cbf6

8-13 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z74757b52eed4a727cc2fe1631826cbf6

14-19 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

20 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf, https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z1b086912be41a254955c3b06d686a646

21-24 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z1b086912be41a254955c3b06d686a646

25-27 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

27 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z1b086912be41a254955c3b06d686a646

28 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

29 vgl. https://www.amboss.com/de/library#xid=nh07ef&anker=Z1b086912be41a254955c3b06d686a646

30-32 vgl. https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Lungenkrebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

 

 

 

J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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