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Nicht immer etwas schlechtes - warum Fieber gut ist

Kommentar schreiben Freitag, 22. Juli 2016

Fieber hat zahlreiche Ursachen und kann ein Begleitsymptom vieler Erkrankungen als Ausdruck der gesteigerten körperlichen Abwehrtätigkeit sein. Aus dem Grund kann Fieber sogar hilfreich sein. Wann sollte das Fieber – beispielsweise durch Medikamente – nicht unterdrückt werden? Ab wann hat man Fieber? Was passiert bei Fieber im Körper und warum beginnt man, zu frieren? Wissenswerte Informationen rund um das Thema „Fieber“ im folgenden Beitrag.

Was ist Fieber?

Fieber, auch als Pyrexie bezeichnet, ist der Zustand einer erhöhten Körpertemperatur über den Normwert von etwa 37 °C, häufig wird aber auch ein Grenzwert von 38 °C angegeben und die Zwischenwerte als erhöhte Körpertemperaturen , auch subfebrile Temperaturen genannt, betrachtet. Fieber ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom und die Reaktion des Körpers gegen die auslösende Ursache, beispielsweise aufgrund einer Infektionskrankheit. Der Körper reagiert auf äußere Eindringlinge, wie Bakterien und Viren, mit einer Aktivierung des Abwehrsystems und setzt Stoffe frei, die sogenannten Pyrogene, welche für die Entstehung des Fiebers verantwortlich sind. Die erhöhte Körpertemperatur ist hilfreich, da so Stoffwechselvorgänge beschleunigt werden und dadurch verhindert wird, dass sich Krankheitserreger weiter vermehren.

Fieber ist Ausdruck einer gesteigerten Krankheitsabwehr

Fieber ist Ausdruck einer gesteigerten Krankheitsabwehr und sollte nicht kritiklos gesenkt werden – der Stoffwechsel ist bei einem, häufig entzündlichen, Krankheitsgeschehen gesteigert. Demnach macht Fieber nicht nur auf einen Krankheitsprozess aufmerksam, sondern spiegelt auch die gesteigerten Abwehrvorgänge im Körper wider. Deshalb sollte man Fieber bis zu 39 °C nicht medikamentös unterdrücken.

Einteilung von Fieber

Von Fieber sprechen wir erst, wenn die hier gemessene Temperaturen über 38 °C liegen. Körpertemperaturen bis 37,5 °C sind normal, solche zwischen 37,6 und 38 °C werden als subfebrile Temperaturen bezeichnet. Von hohem Fieber (hyperpyretische Temperaturen) spricht man im Allgemeinen erst ab 40 °C. Spätestens dann sollte unbedingt, wenn das Fieber nicht gesenkt werden kann, ein Arzt hinzugezogen werden.

Warum friert man bei Fieber?

Wenn man Fieber hat, friert man nicht tatsächlich. Allerdings macht unser Körper uns was vor, sprich: dem fiebernden Menschen ist nicht wirklich kalt, sondern viel zu heiß, aber er empfindet es anders, da unser Gehirn sozusagen das falsche Signal gibt. Der Wärmehaushalt eines Menschen wird vor allem über die Haut reguliert, wird der Körper erhitzt, beispielsweise beim Sport, dann versucht der Körper den Wärmehaushalt zu regulieren, indem er die Hautporen öffnet. Logisch wäre demnach, dass ein fiebernder Mensch mit Schwitzen und Hitzewallungen reagiert, dies kann manchmal sogar so sein, allerdings kann das Gehirn genau das Gegenteil vermitteln, nämlich „vorgaukeln“, einem sei kalt. Die Folge: Der Körper glaubt das und reagiert mit Frieren, also leichten Muskelkontraktionen und Schüttelfrost – durch diese Bewegungen werden zudem dann auch noch die im Körper vorhandene Wärme erhöht.

Fieber und Fieberkrampf bei Kindern

Bei kleinen Kindern ist die Fiebermessung im After die sicherste und genaueste Methode Fieber zu messen, die Körpertemperatur kann im Kindesalter aber auch mit dem Fieberthermometer unter der Zunge gemessen werden. Vor einer rektalen Messung wird das Thermometer mit etwas Wasser oder Creme gleitfähig gemacht und vorsichtig eingeführt. Es bleibt so lange liegen, bis die Temperatursäule nicht mehr steigt oder ein Piepton bei elektronischen Modellen, die heutzutage in nahezu jedem Haushalt zu finden sind, zu hören ist. Jedes fiebernde Kind braucht viel Flüssigkeit, denn durch die erhöhte Atemfrequenz wird reichlich Wasser abgeatmet, welches ersetzt werden muss, damit der Kreislauf funktioniert. Am besten bietet man dem Kind Fruchttee oder Fruchtsäfte an, die es gern trinkt, diese sollten zwar kühl, aber nicht eiskalt sein. Eine weitere fiebersenkende Maßnahme nach der Flüssigkeitszufuhr sind kühlende Umschläge.

Bei einem plötzlichen Fieberanstieg können Kinder an ihrem ganzen Körper krampfartige Muskelzuckungen bekommen, die in der Regel nicht länger als 15 Minuten andauern. Man spricht von einem sogenannten Fieberkrampf. Ein solcher Fieberkrampf tritt bei Kindern praktisch nur bis zum vierten Lebensjahr auf, eventuell sogar auch mehrmals. Die Behandlung besteht in krampflösende Medikamente (zum Beispiel Diazepam) und Fiebersenkung. Eine Lebensgefahr während eines Fieberkrampfes besteht in der Regel nicht, trotz allem sollte unverzüglich ein Kinderarzt konsultiert werden, denn bei zusätzlichen Auffälligkeiten wie Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteife wird der Kinderarzt möglicherweise eine Liquoruntersuchung zum Ausschluss einer Hirnhautentzündung vornehmen.

Wichtig: Kinder, die schon einmal einen Fieberkrampf hatten oder ein Anfallsleiden haben, bilden bezüglich des nicht-Unterdrücken-von-Fieber eine Ausnahme: bei ihnen sollte man bereits ab 38,5 °C fiebersenkende Maßnahmen ergreifen.

Fieber bei Schwangeren

Leichtes Fieber in der Schwangerschaft ist in der Regel unproblematisch und kann zum Beispiel durch einen grippalen Infekt verursacht werden. Solange das Fieber nicht steigt und mit einer erkennbaren Ursache auftritt, muss sich die werdende Mutter keine Sorgen machen. Sofern das Fieber grundlos auftritt und mit Bauchschmerzen begleitet wird, dann ist ärztliche Hilfe nötig. In der Schwangerschaft sind Medikamente ein Tabu, um das ungeborene Kind nicht zu schädigen. Paracetamol als fiebersenkendes Arzneimittel ist allerdings auch in der Schwangerschaft erlaubt und kann eingenommen werden. Wichtig ist, sich die Einnahmeempfehlungen für Schwangere aus dem Beipackzettel durchzulesen. Ohnehin ist es aber auch ratsam sich bei jeder Medikamenteneinnahme als Schwangere vorher von einem Arzt beraten zu lassen. Möglicherweise eignen sich auch, fern von fiebersenkenden Arzneimittel Hausmittel wie Wadenwickel und Ruhe sowie viel Flüssigkeitszufuhr zur Fiebersenkung und Genesung.

Fiebersenkende Maßnahmen

Folgende fiebersenkende Maßnahmen können angewendet werden:

  • fiebersenkende Arzneimittel: die fiebersenkenden Arzneimittel wirken auf den zentralen Temperaturfühler des Körpers und senken seinen zu hoch eingestellten Sollwert. Dieser Temperaturfühler befindet sich im Temperaturzentrum des Zwischenhirns. Er wird durch bestimmte fiebererzeugende (pyrogene) Stoffe, die von Krankheitserregern stammen können, auf den höheren Wert gehoben.
  • Wadenwickel: Man taucht zwei nicht zu große Baumwolltücher (zum Beispiel Geschirrhandtücher) in zimmerwarmes Wasser, windet sie aus, bis sie nicht mehr tropfen und wickelt sie um die Unterschenkel. Ist der Wickel warm geworden, wirkt er nicht mehr und kann wiederholt werden. Nur bei warmen Beinen werden Wadenwickel gemacht! Werden Hände und Füße kalt, beginnt nämlich die sogenannte „Zentralisierung“ des Kreislaufs, die erste Stufe einer Kreislaufschwäche.
  • Kalter Brustumschlag
  • abkühlende Ganzpackung (der gesamte nackte Körper wird für etwa zehn Minuten in ein feuchtes Lacken gewickelt)

Bei jeder fieberhaften Erkrankung ist darüber hinaus eine Darmentleerung überaus wichtig. Der Körper wird im wahrsten Sinne des Wortes entschlackt. Kamillentee wirkt entzündungshemmend und ist in dem Fall gut geeignet.

Künstliches Fieber gegen Krebs

Fieberauslösende Pyrogene entstehen nicht nur bei Infektionskrankheiten, sondern können auch gegen bösartige Tumoren entstehen und kann bei der Bekämpfung von Krebs ausgelöst werden, da bestimmte Abwehrmechanismen in wärmerer Umgebung schneller ablaufen. Bei einer Krebserkrankung fehlt dem Körper allerdings die Fähigkeit, Fieber zu erzeugen. Aus diesem Grund wird die Fiebertherapie nun in den Blickpunkt neuer Forschungen gelenkt, zur Aktivierung des Immunsystems, denn der Körper verfügt über die Potenz der Selbstheilung, so die Worte des Spezialisten mit dem Schwerpunkt für komplementäre Onkologie, Dr. Wolf. Bisher ist die Hyperthermie – der Körper des Patienten wird auf fast 42 °C erwärmt – bei Tumoren von Brust, Eierstöcken, Lunge und Harnblase genutzt. Eine Methode, welche in einigen Fällen funktioniert hat. Trotz allem bedarf es, was die Waffe gegen Krebs betrifft, immer noch weiterhin an Forschungsbedarf. Trotz langjähriger wissenschaftlicher Arbeit ist nämlich die Hyperthermie bis heute kein Standardverfahren der Krebsbehandlung, da weiterhin viele Frage offen bleiben.

Fazit: Fieber – einerseits eine mögliche tödliche Bedrohung, wenn es unkontrolliert ansteigt, andererseits eine Möglichkeit zur neuer Gesundheit. Denn schon Hippokrates hatte dem Fieber eine heilende Wirkung zugeschrieben.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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