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Fußfehlstellungen: Ein Überblick

Kommentar schreiben Dienstag, 02. Januar 2018

Sie tragen jeden Tag unser gesamtes Körpergewicht und bringen uns von A nach B: Unsere Füße. Durch Belastung, verkürzte Muskulatur oder Sehnen und Veränderungen der Fußknochen kann es zu einer Fußfehlstellung kommen. Das bedeutet vor allem Schmerzen beim Laufen und Probleme bei der Schuh-Auswahl. Doch egal ob Platt-, Spreiz-, Hohl- oder Klumpfuß: Mit der richtigen Behandlung kann der Fuß wieder in Stellung gebracht werden und seine täglichen Aufgaben ohne Probleme meistern.

Unter Fußdeformität versteht man die Verformung der Füße mit Fehlstellungen der Knochen und einer deutlichen Veränderung des Fußgewölbes. Leicht veränderte Fußstellungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet, bleiben meist allerdings ohne Beschwerden oder Schmerzen. Grundsätzlich unterscheidet man erworbene und angeborene Fußfehlstellungen. In der Folge einer Fehlstellung kann es zu X-Beinen, Schmerzen in Beinen, Becken und Rücken und Schwielen, Hornhaut oder Hühneraugen an reibenden Stellen am Fuß kommen.

Der Spreizfuß: Der Vorfuß verbreitert sich

Der Spreizfuß (Pes transverso planus) gehört zu den am häufigsten vorkommenden Fußfehlstellungen. Vor allem Übergewicht und falsches Schuhwerk (hohe und spitze Schuhe) führen dazu, dass der Vorfuß – der Bereich direkt an den Zehen – übermäßig belastet wird. Das gesamte Fußgewölbe senkt sich ab und das Körpergewicht lagert dadurch nicht mehr auf den äußeren Zehenballen, sondern auf den mittleren Mittelfußknochen - sie spreizen sich auseinander. Bei einem gesunden Fuß berühren diese Knochen den Boden kaum. Die Veranlagung zu einem Spreizfuß kann zwar vererbt werden, doch häufig führen erst äußere Einflüsse zu der manifesten Fehlstellung.

Ein Spreizfuß führt häufig zu einem Hallux Valgus und zu Hammerzehen. Die herausstehenden Zehenknochen an den großen und kleinen Zehen führen oft zu schmerzhaften Schwielen. Eine Therapie ist erst dann nötig, wenn die Beschwerden Schmerzen verursachen. Ein Orthopäde kann die Fehlstellung diagnostizieren und je nach Ausprägung der Fehlstellung Fußgymnastik, Spreizfußeinlagen und Schmerzmittel verschreiben. Starke Mittelfußverformungen können operativ korrigiert werden.

Knick-Senkfuß: Häufig bei Kindern

Der Knick-Senkfuß (Pes valgus) kommt vor allem bei Kindern vor. Hierbei handelt es sich um eine Verzögerung der Fußentwicklung. Diese verwächst sich meist ganz ohne Behandlung von selbst etwa bis zum sechsten Lebensjahr. Manche Patienten behalten aber den kindlichen Knick-Senkfuß, der im mittleren Lebensalter Probleme bereiten kann. Andere Patienten entwickeln diese Fehlstellung durch einen Schaden an der Sehne „tibia posterior“. Sie ist geschwächt und kann daher den Geh-Vorgang nicht mehr optimal unterstützen. Vor allem Frauen mittleren Alters bekommen den Knick-Senkfuß. Dabei liegt die Fußsohle auf dem Boden auf und der Innenknöchel ist deutlich sichtbar.

Die Ferse knickt nach innen weg. Die im Erwachsenenalter erworbene Form ist nicht mehr reversibel. Diese Fehlstellung führt zu einem veränderten Gangbild, Schmerzen und einer Bewegungseinschränkung. Der Innenknöchel schwillt an und die Schmerzen können bis in den Unterschenkel ziehen. Bei einem Knick-Senkfuß müssen die Muskeln im Fuß gestärkt werden. Dies geschieht durch Fußgymnastik und barfußlaufen. Auch orthopädische Einlagen mindern die Beschwerden. Ein chirurgischer Eingriff ist nur in den seltensten Fällen nötig.

Beim Plattfuß liegt die Sohle auf

Auch der Plattfuß (Pes planus) kann angeboren oder erworben sein. Hierbei liegt die Fußsohle komplett auf dem Boden auf. Das Fußgewölbe ist quasi nicht vorhanden. Eine angeborene Bindegewebsschwäche oder entzündliche Prozesse wie Arthritis im Bereich des Fußes können die Ursache für diese Deformation sein. Plattfüße werden von Übergewicht und dem andauernden Tragen von Schuhen begünstigt.

Ein Plattfuß muss nur behandelt werden, wenn er Schmerzen verursacht. Auch gegen Plattfüße verordnet der Orthopäde Krankengymnastik und Einlagen für die Schuhe, damit der Patient schmerzfrei gehen kann und sich die Fußfehlstellung nicht weiter auf seine Körperhaltung auswirkt.

Der Hohlfuß: Das Gewölbe ist zu überhöht

Bei einem Hohlfuß (Pes cavus) hat der Patient einen deutlich erhöhten Fußspann, denn das Fußgewölbe ist besonders ausgeprägt. Die Muskeln im Fuß sind verkürzt. Dadurch wirkt der ganze Fuß sehr kurz und gedrungen. Der Hohlfuß ist quasi das Gegenteil zum Plattfuß. Durch den hohen Fußrücken nehmen die Zehen oft eine krallenförmige Position an. Auf dem Fußrücken kommt es zu Druckstellen und Schmerzen durch zu kleine Schuhe.

Der Hohlfuß kann angeboren sein oder erworben werden. Eine angeborene Schwäche der kleinen Fußmuskeln kann die Fehlstellung verursachen. Tragen Frauen regelmäßig hohe Schuhe, verkürzen sich die Muskeln, Sehnen und Bänder im Fuß mit der Zeit und ein Hohlfuß kann entstehen. Auch eine neurologische Erkrankung kann zur Muskelverkürzung in den Füßen führen.

Bei einer leichten Form des Hohlfußes werden stufenartige Schuheinlagen verordnet. Krankengymnastische Übungen können die Flexibilität des Fußes erhalten und eine Verschlechterung der Fehlstellung verhindern. Bei einem ausgeprägten Hohlfuß kann ein operativer Eingriff zur Normalisierung der Knochenstellung in Frage kommen.

Sichelfuß bei Babys

Der Sichelfuß (Pes adductus) ist die häufigste Fußfehlstellung bei Babys. Durch erbliche Faktoren oder die Enge der Gebärmutter wölben sich Mittelfuß und Zehen deutlich nach innen. Auch eine häufige Bauchlage in den ersten Lebenstagen und -wochen führt zur Streckung und Verdrehung des Fußes, die sich manifestieren kann. Dadurch, dass das Gewebe und die Knochen eines Neugeborenen noch sehr weich und flexibel ist, bereitet der Sichelfuß in der Regel keine Schmerzen.

Verschwindet der Sichelfuß nicht von alleine, helfen einfache Maßnahmen wie Verbände aus um die Füße in die richtige Stellung zu bekommen. Auch das entlang Streichen an der äußeren Fußkante kann dazu beitragen den Fuß zu korrigieren. Nur in den seltensten Fällen ist eine Operation nötig.

Der Klumpfuß: Fußsohlen sind nach innen gedreht

Beim Klumpfuß (Pes equinovarus) zeigen die Fußsohlen nach innen. Der Betroffene kann nur auf dem Fußrand laufen. Außerdem kommt es zu knöchernen Fehlbildungen im Fußgelenk, einer Verkürzung der Muskeln, Sehnen und Bändern im Fuß und einer deutlichen Fehlstellung der Gelenke. Es können beide oder auch nur ein Fuß betroffen sein. Auch die Wade verformt sich bei einem Klumpfuß.

Der angeborene Klumpfuß kann durch eine verdrehte Lage des Kindes in der Gebärmutter entstehen. Auch wenn das Ungeborene über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend mit Fruchtwasser versorgt wird. Eine Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel kann ebenfalls als Ursache in Betracht gezogen werden. Kommt es bei Erwachsenen zu einem Klumpfuß kann eine neurologische Erkrankung die Ursache sein. In den 50er Jahren kam es durch Kinderlähmung häufig zum Entstehen eines Klumpfußes. Auch der angeborene Neuralrohrdefekt (ein offener Rücken) kann die Verformung der Füße bedingen. Alle weiteren Erkrankungen, die zu einer Unterversorgung der Wadenmuskulatur führen kommen als Ursache für den Klumpfuß in Frage.

Der angeborene Klumpfuß wird direkt nach der Diagnosestellung therapiert. Dazu wird er alle paar Tage eingegipst, damit die Babyfüße in eine normale Stellung gelangen. Das Knochengewebe eines Säuglings ist so weich, dass dadurch keine Schmerzen entstehen. Ein erworbener Klumpfuß muss meist operiert werden, da konservative Methoden nicht zum Erfolg führen.

Hammerzehen: Verkrümmung durch falsches Schuhwerk

Einige Fußfehlstellungen begünstigen die Entstehung eines Hammerzehs (Hallux malleus). Die meisten Hammerzehen entstehen im Verlauf des Lebens. Das Tragen von zu kleinen und engen Schuhen führt dazu, dass sich das Mittelglied der Zehe nach oben wölbt und die Zehenspitze wie ein Hammer auf dem Boden aufkommt. Auch Veränderungen der Gelenke bei rheumatoider Arthritis können zu Hammerzehen führen. Zunächst ist diese Fehlstellung flexibel – die Zehe kann mit der Hand wieder gestreckt werden. Im weiteren Verlauf kann sich das Gelenk in der falschen Position verfestigen. Ein Hammerzeh muss nicht gezwungener Maßen Beschwerden verursachen. Die Symptome variieren je nach Person: Manch einer hat eine starke Verkrümmung in mehreren Zehen und kaum Beschwerden, der andere leidet bereits bei einer minimalen Verformung unter Schmerzen. Durch den gekrümmten Zeh reiben die Schuhe. Schwielen und Hühneraugen bilden sich vermehrt, die Druckstelle schmerzt. Der erste Schritt der Behandlung ist es daher, auf bequeme und passende Schuhe umzusteigen. Treten dennoch Beschwerden auf können die Schuhe mit orthopädischen Einlagen angepasst werden. Sie vermindern den Druck auf die betroffene Stelle und beugen Schwielen vor. Ist das nicht ausreichend kann eine Operation Linderung verschaffen. Eine Verlagerung der Sehnen reduziert die Zugkraft auf die Knochen und die Zehe kann wieder gestreckt werden. Hat sich das Gelenk bereits verfestigt, kann ein Draht diese wieder in die richtige Position strecken und fixieren. Fest steht: Ein Hammerzeh heilt nicht von selbst, eine Therapie ist notwendig. Eine schnelle Diagnose erleichtert die Behandlung und verhindert irreparable Schäden am Knochenapparat.

Beste Vorbeugung: Muskulatur stärken

Die beste Art gegen eine Fußfehlstellung vorzubeugen ist das Beanspruchen der gesamten Fußmuskulatur. Die Zehen sollten regelmäßig angezogen und gestreckt werden. Vor allem bei Kindern ist das Barfußlaufen ein wichtiger Bestandteil in der Entwicklung der Füße. Hierbei werden die Muskeln beansprucht und der Gleichgewichtssinn geschult. Auch erwachsenen Füßen tut das Laufen ohne Schuhe gut. Wenn auf die Schuhe nicht verzichtet werden kann, sollten sie immer die richtige Größe haben und nicht am Fuß drücken.

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Lisa Vogel
Autor: Lisa Vogel

Von Juli 2014 bis März 2018 arbeitete Lisa Vogel als Werkstudentin in der Redaktion bei apomio.de und unterstützt das Team nun als freie Autorin. Sie hat ein Studium im Fach Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin an der Hochschule Ansbach mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. Hier erlangte sie sowohl journalistische als auch medizinische Kenntnisse. Derzeit vertieft sie ihre medialen Kenntnisse im Master Studium Multimediale Information und Kommunikation.

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