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Herzinfarkt – Was Frauen wissen müssen

Kommentar schreiben Dienstag, 22. Oktober 2019

Herzinfarkte sind längst keine Männersache mehr. Seit 2002 stehen auch bei Frauen Herzinfarkte und Schlaganfälle an erster Stelle der Todesursachen. Und bei Frauen verlaufen Herzinfarkte fast doppelt so oft tödlich als beim Mann. Ein Grund ist sicher der spätere Anruf bei der Rettungsdienststelle. Sind es beim Mann 80 Minuten, so geht der Notruf bei Frauen im Durchschnitt erst nach 108 Minuten ein. Wichtige Zeit, die vergeht, oft auch weil die Herzinfarkt-Symptome bei der Frau untypisch sein können. Da jede Minute zählt, sollte frau und ihr Umfeld die Symptome kennen und bei Verdacht sofort die 112 anrufen. Lesen Sie hier, was ein Herzinfarkt ist, welche Risikofaktoren, Vorboten und Symptome er hat, wie vorgebeugt werden kann, und was bei der Frau anders ist als beim Mann.

 

Was ist ein Herzinfarkt? 

 

Bei einem Herzinfarkt wird plötzlich und vollständig eines der drei Herzkranzgefäße verschlossen. Diese Gefäße versorgen den Herzmuskel mit Blut. Folglich wird ein Teil des Herzens nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Wird das Gefäß nicht schnell wieder eröffnet, stirbt ein Teil des Herzmuskelgewebes ab, das Infarkt genannt wird.1

 

Wie kommt es zu dem Gefäßverschluss?

 

Durch eine chronische Entzündung der Innenhaut der Gefäße, eine bindegewebige Vernarbung und die Ablagerung von Fett und Kalk entsteht Arteriosklerose: Die Gefäße verlieren durch die Ablagerungen (Plaques) an Elastizität und verengen sich. Bei einer Ruptur (Riss) oder Erosion (Abtragung) dieser Plaques reagiert der Körper mit der Bildung eines Thrombus, um die Schädigung zu kitten und abzudecken. Dieses Blutgerinnsel kann so groß werden, dass es ein Herzkranzgefäß vollständig verschließt.2

 

Welche Risikofaktoren fördern einen Herzinfarkt?

 

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren, die für Mann und Frau gelten, gehören Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel und energie- und fettreiche Ernährung. Nicht beeinflussbare Faktoren sind das Alter, Geschlecht und Herzinfarkte, Schlaganfälle und Bypass-OPs bei Verwandten ersten Grades. Besonders gefährdet sind Menschen, wenn ein Risikofaktor stark ausgeprägt ist oder es zu einer Kombination mehrerer Risikofaktoren kommt. Auch bei einer Arteriosklerose der großen Gefäße, einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) oder nach einem gerade durchgemachten Herzinfarkt ist das Risiko sehr erhöht.2

 

Welche Risikofaktoren kommen zusätzlich bei der Frau dazu? 

 

Neben den allgemeinen Risikofaktoren können psychosoziale Bedingungen wie die Doppelbelastung durch Familie und Beruf eine weitere Gefährdung für die Frau bedeuten. Auch die Kombination von Rauchen, das schon allein das Herzinfarktrisiko um das Sechsfache erhöht, mit der Einnahme der Pille, die ihrerseits die Gefahr für einen Herzinfarkt verstärkt, stellt ein hoher zusätzlicher Risikofaktor dar. In Bezug zum Übergewicht: Das Herzinfarktrisiko bei der Frau erhöht sich ab einem Taillenumfang von 88 cm. Diabetikerinnen haben mit einem sechsfach erhöhtem Risiko zu rechnen. Im Vergleich zum Mann wirkt sich Rauchen bei Frauen schwerwiegender auf die Herzgesundheit aus. Die Gefahr für einen Herzinfarkt liegt bei Raucherinnen um 25 % höher als bei Männern.3

 

Warum erhöht sich die Gefahr für einen Herzinfarkt in den Wechseljahren? 

 

In den Wechseljahren nimmt die Östrogen-Produktion immer mehr ab. Östrogen ist ein Schutzfaktor für Herz und Gefäße, der die Frau im gebärfähigen Alter in ihrer Gesundheit unterstützen soll. Östrogen trägt zur Elastizität der Blutgefäße bei. Es kann die Ausschüttung von Immunfaktoren durch die weißen Blutkörperchen und damit die Gerinnung des Bluts und die Klebrigkeit der Blutkörperchen verringern. Östrogen kann der Thrombenbildung und dem Verschluss der Herzkrankgefäße vorbeugen.4  

 

Auf welche Vorboten für einen Herzinfarkt muss die Frau achten?

 

Ein Herzinfarkt kann sich bei der Frau schon Tage oder Wochen vorher ankündigen. Vorboten können anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit und  Schlafstörungen sein. Auch Taubheitsgefühle in den Armen sowie Rückenschmerzen und Schmerzen in den Beinen können Vorboten eines Herzinfarktes sein.5 Verdauungsstörungen mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen und Leistungsabfall sind weitere mögliche Symptome im Vorfeld eines Herzinfarkts bei Frauen.6

 

Was sind die typischen Symptome beim Herzinfarkt? 

 

Leitsymptom ist ein plötzlicher, unerträglicher Brustschmerz, bevorzugt hinter dem Brustbein. Er strahlt oft in den linken Arm, die Schulter, den Unterkiefer oder den Oberbauch aus. Der Schmerz hält länger als 15 bis 20 Minuten an und unterscheidet sich so von einem Angina-pectoris-Anfall. Dazu kommen Atemnot, ein Engegefühl in der Brust, starke Unruhe, Todesangst, häufig begleitet von kaltem Schweiß, Übelkeit und Erbrechen.7

 

Welche Symptome unterscheiden sich bei der Frau?  

 

Bei Frauen stehen oft weniger die starken, ausstrahlenden Schmerzen im Vordergrund. Stattdessen spüren sie mehr ein Druck- und Engegefühl in der Brust. Typische Alarmzeichen sind auch Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch.7 Mögliche Symptome sind zudem Schmerzen in der Wirbelsäule, Rücken- und Beinschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden und Taubheitsgefühlen in den Armen.9 Auch wenn die Symptome eher unspezifisch sind, sollte man vorsichtshalber vor allem, wenn sie heftiger als gewohnt auftreten, den Rettungswagen rufen. Ein Herzinfarkt ist akut lebensbedrohlich und kann jeden Moment einen Herzstillstand hervorrufen. Im Unterschied zu Männern kann es bei Frauen zu einem Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit kommen.9 Das Gefährliche bei Frauen und der Grund, warum Herzinfarkte häufiger tödlich enden als bei Männern, sind diese unspezifischen Symptome, aufgrund derer frau nicht oder zu spät die Verdachtsdiagnose Herzinfarkt bei sich stellt.8

 

Wie kann einem Herzinfarkt vorgebeugt werden?

 

Frauen wie Männer sollten die Risikofaktoren minimieren oder bei Bedarf behandeln. Ab 50 sollten mindestens jährlich die Blutzucker- und Cholesterinwerte sowie der Blutdruck überprüft werden. Übergewicht muss reduziert werden. Als Ernährung wird mediterrane Kost mit Gemüse, frischem Obst, Olivenöl, Knoblauch, Nüssen, Fisch, wenig Fleisch (Geflügel), schwarze Schokolade und kleine Mengen Rotwein empfohlen Die Kost sollte durch Öle mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren, wie Lein-, Raps- und Hanföl ergänzt werden. Rauchen reduzieren oder am besten ganz aufgeben! Stress sollte mit Entspannungsmethoden, z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Tai Chi oder Meditation bewältigt werden. Mindestens dreimal wöchentlich sollte 45 Minuten lang Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen, Walken und Wandern betrieben werden. Auch wenn der Rückgang der körpereigenen Östrogenproduktion ein Risikofaktor für die Frau darstellt, wird nicht zu einer Hormonersatztherapie geraten, da sie die Gefahr für Herz-Kreislauf-Komplikationen eher erhöht3 und zudem das Brustkrebsrisiko steigern kann. Für die natürliche Stärkung des Herzens ist Weißdorn die Nr. 1 unter den Heilpflanzen. Zum Schutz vor Arteriosklerose und zur besseren Durchblutung stehen Heilpflanzen wie Knoblauch, Ginkgo, Rosmarin und die chinesische Schwarznessel (Perillaöl) zur Verfügung.

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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