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Hilfe, mein Kind hat einen Sprachfehler – ab wann muss ich zum Logopäden?

Kommentar schreiben Mittwoch, 17. Februar 2021

Scheint das eigene Kind seines Altersgenossen sprachlich hinterherzuhinken, bereitet das vielen Eltern Sorge. Kein Wunder, gehören Sprachentwicklungsstörungen doch zu den häufigsten Entwicklungsstörungen überhaupt. Das frühzeitige Erkennen und entsprechende Förderung und Therapie wirken sich günstig auf die Prognose aus. In vielen Fällen kann die Sprachstörung so auf ein gutes Niveau gehoben oder sogar vollständig therapiert werden.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Sprachfehler?

Welche Sprachstörungsbilder gibt es bei Kindern?

Sprachfehler beim Sprechenlernen: bis zu einem gewissen Grad normal

Wie erkennen Eltern eine Sprachstörung bei ihrem Kind?

Sprachstörung beim Kind: Symptome im Überblick

Was sind mögliche Gründe für eine Sprachentwicklungsstörung beim Kind?

Sprachstörung beim Kind: Gründe im Überblick

Ab wann muss ich mir Sorgen um die sprachliche Entwicklung meines Kindes machen?

Sprachstörung beim Kind frühzeitig erkennen und behandeln

Sprachfehler beim Kind: Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Sprachstörung: Wann ist eine Therapie nötig?

Wie verläuft eine Logopädie?

Wie lange dauert die Therapie?

Was können Eltern selbst tun, um ihr Kind zu unterstützen?

Welche Folgen kann eine Sprachstörung haben?

Kann man eine Sprachstörung verhindern oder vorbeugen?

Lässt sich eine Sprachstörung gänzlich beheben?

Sprachstörung: Verlauf und Prognose

 

Was ist ein Sprachfehler?

Hat das Kind Schwierigkeiten beim Sprechen und/oder mit Sprache, ist oftmals generell von einem Sprachfehler die Rede. Wichtig ist es aber, hier zwischen Sprachstörung/Sprachfehler und Sprechstörung zu unterscheiden. Bei einer Sprechstörung klappt die motorische Erzeugung von Lauten nur unzureichend, während bei einer Sprachstörung oder einem Sprachfehler Sprachvermögen und/oder Aufbau von Sprache beeinträchtigt sind. Die Störungen treten sowohl getrennt voneinander als auch kombiniert auf.1

 

Die Sprachstörung – um welche sich der folgende Beitrag vorrangig dreht – meint also eine gestörte gedankliche Erzeugung von Sprache. Im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen solche Störungen beispielsweise durch Ereignisse wie Schlaganfall oder Demenz ausgelöst werden, ist bei Kindern in der Regel die Sprachentwicklung selbst beeinträchtigt. In diesem Zusammenhang spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung (SES). Bei Sprechstörungen hingegen zeigen sich klassische Leitsymptome wie Stottern, Poltern, Stammeln oder Lispeln. Bis zu einem gewissen Alter sind diese übrigens völlig normal.2

 

Man muss sich den kindlichen Spracherwerb als komplexen Vorgang vorstellen, der durch verschiedene Meilensteine gekennzeichnet ist. Dabei laufen Sprechenlernen sowie Umgang mit Sprache sehr individuell ab und sind von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Mit dem Eintritt ins Schulalter ist der Spracherwerb in seiner Basis meist abgeschlossen. In der Regel können sich Kinder dann mit einem altersgemäßen Wortschatz gut verständigen. Mögen grammatikalische Strukturen auch noch recht einfach sein, sind sie ab dem späten Vorschulalter gemeinhin korrekt.3

 

Treten im frühen Stadium des Spracherwerbs Auffälligkeiten auf, muss das nicht zwingend beunruhigen. In jedem Fall ist es aber sinnvoll, genauer hinzuschauen. Immerhin zählen Sprachentwicklungsstörungen zu den häufigsten Entwicklungsstörungen überhaupt. Aktuell geht man davon aus, dass etwa sechs bis zwölf Prozent aller Kinder betroffen sind, wobei Jungen etwa doppelt so häufig mit Sprachfehlern zu kämpfen haben wie Mädchen. Viele vermeintliche Defizite geben sich mit entsprechender Förderung und Anregung allerdings rasch wieder. Gutes Beispiel hierfür sind sogenannte „Late Talker“, die ihre Altersgenossen häufig bis zum dritten Geburtstag wieder eingeholt haben. Man kann hier also eher von einer Sprachentwicklungsverzögerung als von einer -störung ausgehen.4

 

Der Behandlung einer Sprachstörung wird übrigens Vorrang vor jener einer Sprechstörung gegeben. Das erklärt sich durch den Umstand, dass eine Sprachentwicklungsstörung häufig multifaktoriell eingebettet ist und nicht selten mit anderen Entwicklungsstörungen einhergeht. Eine rasche Therapie ist also angezeigt, um Folgeprobleme möglichst gering zu halten. Demgegenüber lassen sich Schwierigkeiten beim Artikulieren von Sprechlauten (Sprechstörung) auch später noch recht effektiv korrigieren.5

 

Welche Sprachstörungsbilder gibt es bei Kindern?

Grundsätzlich unterscheidet man bei der kindlichen Sprachentwicklungsstörung zwei Ebenen, auf denen verschiedenste Störungsbilder lokalisiert sind. Wie sich die Sprachstörung genau darstellt, ist individuell verschieden. Vermischungen zwischen den beiden Ebenen sind eher Regel denn Ausnahme.

 

Die zwei Ebenen der Sprachentwicklungsstörung:

 

  • Expressive Sprachstörung: Hier liegt eine Problematik beim Ausdruck von Sprache vor. Gekennzeichnet ist diese Ebene etwa durch einen deutlich späteren Sprechbeginn sowie einen vergleichsweise geringen und langsam anwachsenden Wortschatz. Zudem kommt es vermehrt vor, dass Worte falsch gebraucht oder ganz weggelassen werden. Inhaltlicher Ausdruck (Erzählen, Wünsche äußern,…) ist generell mit Anstrengung verbunden, es kann auch zu Problemen mit der Lautbildung kommen. Nicht zuletzt ist die grammatikalische Struktur von Sätzen häufig fehlerhaft. So werden etwa Satzglieder vertauscht, oder Grammatik wird falsch angewendet.
  • Rezeptive Sprachstörung: Hier zeigen sich Probleme im Verständnis von Sprache. Dadurch, dass das Sprachverständnis fehlt, können etwa Erklärungen oder Aufforderungen nicht richtig aufgenommen beziehungsweise umgesetzt werden. Nicht selten sind unpassende, unangemessene oder generell auffällige Verhaltensweisen die Folge.6

 

Die Sprachentwicklungsstörung zeigt sich also darin, dass es nicht nur im Verstehen, sondern auch im Umgang mit Sprache Probleme gibt. Diese sind als Schwierigkeiten auf gedanklicher Ebene zu verstehen. Im Endeffekt lässt sich im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern eine verzögerte oder deutlich gestörte Sprachentwicklung feststellen, wobei bedacht werden muss, dass Entwicklung nicht linear stattfindet. Ein gewisser Spielraum ist also vorhanden. Grundsätzlich ist eine sensible und aufmerksame Betrachtungsweise vor allem im Kleinkind- und Vorschulalter wichtig. Tatsächlich sind Sprachentwicklungsstörungen nämlich nicht immer sofort augenscheinlich, weil Kinder durchaus Möglichkeiten finden, Defizite geschickt zu verstecken (z.B.: kurze, grammatikalisch einfache Sätze wählen). Eine Sprechstörung lässt sich hingegen weniger gut verbergen.7

 

Sprachfehler beim Sprechenlernen: bis zu einem gewissen Grad normal

Natürlich geht Sprechenlernen nicht gänzlich fehlerfrei vonstatten. Deshalb sind Probleme bei der Aussprache sowie im Sprachaufbau vor allem bei sehr jungen Kindern oftmals noch gut in der Norm. Gerade Kleinkinder sprechen manche Laute falsch aus, ersetzen sie durch andere, lassen sie ganz aus, drehen Buchstaben um oder ziehen Worte zusammen. Dann wird aus „Luftballon“ schon einmal „Lubabon“, oder „Banane“ wird zur „Nane“. Sprechen braucht eben Übung! Stottert das Kind von Zeit zu Zeit, mag das manche Eltern verunsichern. Doch auch hier kann beruhigt werden: Zeitweiliges Stottern kommt in der frühen Sprachentwicklung bei der Mehrzahl aller Kinder vor. So kann man davon ausgehen, dass zwischen zwei und vier Jahren etwa 80 Prozent ab und zu stottern.8

 

Eltern haben meist ein ganz gutes Gefühl dafür, ob die Sprachentwicklung des Kindes entsprechend voranschreitet. Auch erfahrene Pädagogen schätzen den Entwicklungsstand in der Regel gut ein. Darüber hinaus steht die Sprachentwicklung des Kindes bei den kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen im Fokus. Treten Unsicherheiten in Bezug auf den Spracherwerb auf, sollten sich Eltern aber nicht davor scheuen, zeitnah das Gespräch zu suchen. Auffälligkeiten gilt es zudem unbedingt zurückzumelden.

 

Wie erkennen Eltern eine Sprachstörung bei ihrem Kind?

Um betroffene Kinder entsprechend zu fördern und eventuell notwendige Therapien in die Wege zu leiten, muss die Sprachstörung zunächst einmal erkannt werden. Es macht also Sinn, sich mit möglichen Anzeichen, Merkmalen und Leitsymptomen einer Sprachentwicklungsstörung auseinanderzusetzen.

 

Die Sprachentwicklung muss durchaus als sehr individuell betrachtet werden. Zudem können verschiedene Faktoren zur Entstehung einer Sprachstörung beitragen (dazu später mehr). Kein Wunder, dass sich Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung in unterschiedlichem Gewand zeigen. Diverse Bereiche können hier betroffen sein – von Sprachverständnis über Wortschatz und Kommunikation bis hin zu Laut-, Wort- oder Satzbildung.9

 

Hinweise auf eine Sprachentwicklungsstörung liegen beispielsweise vor, wenn das Kind deutlich später zu sprechen beginnt als der Altersschnitt, einen geringen Wortschatz aufweist und diesen auch nur sehr zögerlich erweitert. Ebenso sind häufig Auffälligkeiten im Umgang mit Grammatik zu beobachten. So können zum Beispiel einfache grammatikalische Regeln nicht richtig angewendet werden, oder das Kind vertauscht Satzglieder, sodass es zu verdrehten Sätzen kommt. Oftmals findet auch nur ein sehr einfacher Satzbau statt. In weiterer Folge ist durchaus erkennbar, dass es den Kindern schwerfällt, sich mitzuteilen, etwas zu erzählen oder ein längeres Gespräch zu führen. Bei unbehandelten Sprachentwicklungsstörungen stellen sich später häufig auch Schwierigkeiten in Bezug auf Lesen und Schreiben ein.10

 

Aufmerksam sollten Eltern und Pädagogen spätestens dann werden, wenn das Kind über das Kleinkindalter hinaus sehr unverständlich spricht – wenn es etwa fortwährend ganze Satzteile weglässt, oder Wörter und Buchstaben vertauscht beziehungsweise ersetzt. Auch wenn Kinder wenig in Austausch und Kommunikation gehen können und/oder den Gesprächspartner nicht richtig zu verstehen scheinen, lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen.11

 

Auffälligkeiten können sich auch schon im frühen Umgang mit Sprache zeigen. So fällt bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen das wohlbekannte „Plappern“ im späten Säuglingsalter mitunter spärlich aus. Zudem besteht an melodischem Sprechen oder den klassischen Hand-Finger-Spielen nur wenig Interesse. Das kann sich auch ins Kleinkindalter ziehen, wenn dann etwa gemeinsames Vorlesen oder Singen eher abgelehnt wird. Nicht zuletzt zeigen Kinder wenig Initiative, von sich aus Gespräche anzuregen.12

 

Sprachstörung beim Kind: Symptome im Überblick

  • Deutlich späterer Sprechbeginn als der Altersschnitt
  • Geringer, nur langsam anwachsender Wortschatz
  • Auffälligkeiten in der Anwendung von Grammatik (Satzbau → „verdrehte Sätze“; Anwendung einfacher grammatikalischer Regeln gelingt nicht;…)
  • Einfacher Satzbau, kurze Sätze
  • Unverständliches Sprechen über Kleinkindalter hinaus (Weglassen/Verdrehen/Vertauschen von Buchstaben, Wörtern und Satzteilen; fehlerhafte Lautbildung)
  • Schwierigkeiten, sich mitzuteilen, etwas zu erzählen oder ein Gespräch zu führen
  • Kommunikation und verbaler Austausch werden wenig vom Kind selbst angeregt
  • Gesprächspartner scheint nicht richtig verstanden zu werden (inhaltlich → Aufforderungen, Erklärungen,…)
  • Im Säuglings-/Kleinkindalter: kein/wenig „Plappern“, wenig Interesse an Singspielen, Hand-Finger-Spielen, Vorlesen,…
  • Erschwerter Schriftspracherwerb im Grundschulalter

 

Was sind mögliche Gründe für eine Sprachentwicklungsstörung beim Kind?

Sprachentwicklungsstörungen beziehungsweise -verzögerungen dürfen durchaus als multifaktoriell betrachtet werden. So können einerseits verschiedene Faktoren einen Sprachfehler bedingen, andererseits kann eine Sprachstörung wiederum weitere Problematiken oder Auffälligkeiten auf den Plan rufen.

 

Zwar gibt es kindliche Sprachstörungsbilder, die sich auf keine augenscheinliche Ursache zurückführen lassen (spezifische SES), häufig sind aber organische, genetische, psychische oder soziale Faktoren auszumachen. So sind etwa häufig Schwierigkeiten im Bereich des Hörens ursächlich (Hörstörungen, wiederkehrende Mittelohrentzündungen, Polypen,…) oder auch spezifische Krankheitsbilder wie etwa Trisomie 21 oder (frühkindlicher) Autismus. Ebenso können neurologische Problematiken (etwa Epilepsie) Sprachentwicklungsstörungen begünstigen.13

 

Darüber hinaus sind häufig genetische Faktoren ausschlaggebend. So treten in Bezug auf Sprachentwicklungsstörungen durchaus familiäre Häufungen auf. Auch geistige, körperliche oder Mehrfachbehinderungen gehen oftmals mit Sprachstörungen einher.14 Hier kommen mitunter auch Fehlbildungen im Mundraum (zum Beispiel Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte) zum Tragen. Seltener lassen sich kindliche Sprachstörungen auf spezifische Traumata (etwa Schädel-Hirn-Trauma) oder Gehirnhautentzündungen zurückführen.15 Demgegenüber werden Sprachentwicklungsstörungen häufig durch leicht korrigierbare Faktoren wie Zahnfehlstellungen oder anatomische Schwierigkeiten mit dem Zungenbändchen – wenn dieses etwa zu kurz ausfällt oder angewachsen ist – begünstigt.16

 

Nicht zuletzt können ebenfalls Vernachlässigung oder diverse seelische Traumata (Unfälle, Todesfälle, Trennung der Eltern,...) zu Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung führen. In diesem Zusammenhang tritt auch Mutismus in Erscheinung. Hierbei ist die sprachliche Kommunikation stark eingeschränkt oder nicht vorhanden. Organische Ursachen oder eine Sprachstörung im engeren Sinne liegen nicht vor, vielmehr sind seelische Gründe ausschlaggebend.

 

Sprachentwicklungsstörungen gehen nicht selten mit anderen Entwicklungsstörungen – etwa Wahrnehmungsstörungen – einher. Dabei können diese den Sprachfehler begünstigen oder aber selbst von ihm begünstigt werden.17

 

Sprachstörung beim Kind: Gründe im Überblick

  • Organische Ursachen (häufig im Bereich des Hörens, aber auch diverse andere Erkrankungen oder Störungen)
  • Genetische Faktoren (familiäre Häufungen, Erbkrankheiten)
  • Behinderungen und Beeinträchtigungen (geistig, körperlich, psychisch)
  • Fehlbildungen/Fehlstellungen/anatomische Besonderheiten im Mundraum
  • Vernachlässigung/Deprivation
  • Seelische/Psychische Faktoren (seelische Traumata)
  • Körperliche Traumata (zB Schädel-Hirn-Trauma) oder Entzündungen im Bereich des Gehirns
  • Andere Entwicklungsstörungen (z.B.: Wahrnehmungsstörungen)

 

Ab wann muss ich mir Sorgen um die sprachliche Entwicklung meines Kindes machen?

Natürlich ist nicht jede sprachliche Auffälligkeit gleich eine Sprachentwicklungsstörung, zumal sich Kinder sehr unterschiedlich entwickeln. Beim Sprechenlernen dürfen Fehler passieren und bis zu einem gewissen Alter sind diese auch völlig normal – zum  Beispiel Stottern im Kleinkindalter.

 

Eltern haben meist eine ganz gute Intuition, was die Entwicklung ihrer Kinder betrifft. Gerade bei Sprachentwicklungsstörungen ist ein möglichst frühzeitiges Erkennen im Hinblick auf Therapie und Prognose besonders wichtig. Daher gilt es, bei oben genannten Anzeichen einer Sprachstörung in jedem Fall hellhörig zu werden und etwas genauer hinzusehen. Auch vor dem Hintergrund möglicher Ursachen ist das sinnvoll, denn manchmal stecken hinter einer verzögerten Sprachentwicklung unerkannte Problematiken, die ihrerseits behandelt werden müssen. 

 

Ist man also bezüglich der sprachlichen Entwicklung seines Kindes unsicher oder gar besorgt, lohnt es sich, Beobachtungen mit dem Kinderarzt zu teilen.

 

Sprachstörung beim Kind frühzeitig erkennen und behandeln

Wie schon erwähnt, ist das frühzeitige Erkennen von Problemen in der Sprachentwicklung gerade im Hinblick auf Therapie und Prognose wichtig. Das heißt nicht zwingend, dass sofort eine Sprachheiltherapie eingeleitet werden muss. Die Lage zu sondieren, aufmerksam zu bleiben und Maßnahmen zur Förderung im privaten Bereich zu setzen, kann schon viel bewirken. Gerade bei Sprachentwicklungsverzögerungen sind das gute Ansätze.

 

Steht tatsächlich eine Sprachentwicklungsstörung im Raum, führt das frühzeitige Einleiten einer geeigneten Therapie zu einer guten Prognose. Jüngere Kinder lassen sich in der Regel wunderbar auf spielerische Logopädie ein, was die Erfolgsaussichten erhöht. So gelingt es oftmals, die Sprachentwicklung noch vor dem Schuleintritt auf ein gutes Niveau zu heben. Vor allem im Hinblick auf Kommunikation mit Gleichaltrigen (Stichwort Peers) sowie das Erlernen der Kulturtechniken ist das von großem Vorteil.

 

 

Sprachfehler beim Kind: Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Tauchen Unsicherheiten bezüglich der Sprachentwicklung auf, ist der Kinderarzt der erste Ansprechpartner. Vor einer möglichen Therapie sind einige Untersuchungen notwendig, um verschiedene Ursachen für die Sprachprobleme sicher ausschließen zu können. Neben Anamnese und genauer körperlicher Untersuchung durch den Kinderarzt, machen daher verschiedene fachärztliche Untersuchungen Sinn. Solche sind unter anderem:

 

  • Untersuchung beim HNO-Arzt (inkl. Hörtest/audiologischem Befund)
  • Zahnärztliche Untersuchung
  • Allgemeine Entwicklungsdiagnostik (etwa motorische Entwicklung, Wahrnehmung,…)
  • Psychologische Diagnostik (Verhaltensauffälligkeiten, emotionale Probleme,...)
  • Logopädische Untersuchung18

 

Sprachstörung: Wann ist eine Therapie nötig?

Grundsätzlich lässt sich zwischen allgemeiner Sprachförderung (durch das Umfeld) und konkreter logopädischer Therapie unterscheiden. Sind noch andere Baustellen vorhanden, kann auch eine interdisziplinäre Vorgehensweise notwendig werden, um eine möglichst gute Prognose zu erreichen. Die entsprechende Zusammenarbeit mit Kinderärzten, Neurologen, Ergo- und Physiotherapeuten, Orthopäden, Heilpädagogen oder Zahnärzten ist dann sinnvoll.19

 

Ob und in welchem Ausmaß die logopädische Behandlung einsetzt, ist nicht nur von konkreten Auffälligkeiten abhängig, sondern auch vom Alter des Kindes. So konzentriert man sich im Kleinkindalter eher darauf, das Kind durch gezielte Beratung und Anleitung der Eltern zu fördern. Tatsächliche Logopädie beziehungsweise Sprachheiltherapie in Form von Einzelsitzungen ist ab dem dritten bis vierten Lebensjahr in der Regel gut möglich. Vor allem bei jüngeren Kindern ist der spielerische Zugang besonders wichtig.20

 

Die logopädische Behandlung ist stets prozessorientiert und muss flexibel an das Kind angepasst werden. Es lässt sich zwischen indirekter und direkter Methodik unterscheiden, wobei erstere oftmals in zweitere übergeht. Indirekte Methoden der Logopädie stimulieren das Kind spielerisch, ohne dass sich dieses über die Sprachentwicklungsstörung bewusst ist. Vor allem zu Beginn der Therapie oder bei sehr jungen Kindern ist das sinnvoll. Demgegenüber ist dem Kind bei der direkten Methodik Sinn und Zweck des spielerischen Zusammentreffens klar. So kann es konkret an den definierten Zielen mitarbeiten, was besonders effektiv ist.21

 

Zu Beginn der Logopädie wird – ausgehend von bestehenden Schwierigkeiten sowie Kompetenzen – ein individuelles Therapiekonzept erstellt. Schritt für Schritt werden dann einzelne Therapieziele erarbeitet. Das Konzept ist dabei stets flexibel und kann an den individuellen Fortschritt angepasst werden. Spielerisch gelangt man über die Interessen des Kindes und das gemeinsame Tun zur Kommunikation. Dabei werden auch verschiedene Wahrnehmungsbereiche – etwa Fühlen, Begreifen oder Schmecken – berücksichtigt.22  

 

Welche Defizite auch vorhanden sind – im Rahmen der logopädischen Behandlung werden sie aufgearbeitet. Dementsprechend breitgefächert und vielschichtig ist Logopädie auch. Aussprache, Atmung, Stimmbildung, Lautbildung, Wortschatz, Satzbildung, Grammatik oder Sprachwahrnehmung sind nur einige Bereiche, die gefördert werden.23

 

Die Therapie endet nicht mit dem Verlassen der Praxis. Auch im privaten Umfeld müssen Kinder weiterhin entsprechende Förderung erfahren. Das funktioniert bei kleinen Kindern am besten im gemeinsamen Spiel, während mit älteren Kindern konkrete Übungen aus der Therapie auch regelmäßig daheim durchgeführt werden sollten. Nicht zuletzt sind Motivation und Feedback wichtiger Treibstoff. So sollte man das Kind als kompetenten Gesprächspartner betrachten und unbedingt aussprechen lassen. Fehlerhafte Wörter oder Sätze gilt es nicht direkt zu korrigieren, sondern im Dialog korrekt zu wiederholen.24

 

Dauer und Frequenz der logopädischen Behandlung können variieren, je nach individuellen Gegebenheiten. Dementsprechend werden Therapieplan sowie Therapieziele formuliert und im Laufe der Logopädie bei Bedarf angepasst. Von wenigen Sitzungen bis hin zu langjährigem Therapiebedarf ist alles möglich. Die Häufigkeit variiert zwischen ein bis drei Mal wöchentlich. Auch ein langsames Ausschleichen von Therapiesitzungen kommt vor.

 

Was können Eltern selbst tun, um ihr Kind zu unterstützen?

Spracherwerb benötigt ganz simpel Interaktion und Kommunikation. Es lässt sich beobachten, dass Sprachentwicklungsstörungen in unseren Breiten zunehmen, während die Sprachkompetenz sinkt. Dafür ist nicht zuletzt der Umgang mit neuen Medien ursächlich (Smartphones, Internet und Co.), der den direkten sprachlichen Austausch hintanstellt.25

 

Es ist also wesentlich, dass Eltern und andere Bezugspersonen den Fokus auf Kommunikation, Austausch und gemeinsame Beschäftigung legen und dabei auch selbst gutes Sprachvorbild sind. Je jünger das Kind, desto wichtiger! So sollte man sich darauf besinnen, langsam und deutlich zu sprechen, aber auch das Kind selbst aussprechen lassen. Gerade bei kleinen Kindern gilt es Reizüberflutung durch neue Medien zu vermeiden.26

 

Nicht zuletzt sollten Eltern aufmerksam bleiben, um zu sehen, ob das Kind auch auf anderen Ebenen Unterstützung benötigt – etwa psychologisch oder ergotherapeutisch.

 

Welche Folgen kann eine Sprachstörung haben?

Unbehandelte Störungen in Bezug auf Ausdruck und Verständnis von Sprache können die weitere Entwicklung im Kindes- und Jugendalter stark beeinflussen. Naheliegenderweise zeigen sich negative Auswirkungen dann auch im Erwachsenenalter. Solche betreffen vorrangig:

 

  • Selbstbewusstsein/Selbstwert/psychische Stabilität: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Sprachstörungen sind psychisch belastet und haben auch teilweise mit Mobbingerfahrung zu kämpfen. Eine scheue, unsichere und ängstliche Grundhaltung zeigt sich ebenfalls gehäuft.
  • Schwierigkeiten in Bezug auf Lernen: Das Schreib- und Leseverständnis ist teilweise deutlich erschwert, was das Risiko für Lese- und Rechtschreibschwächen ansteigen lässt. Auch naturwissenschaftliche Fächer fallen mit fehlerhaftem Sprachverständnis schwer. All das kann gravierende Auswirkungen in Bezug auf den Bildungsweg haben.27

 

Kann man eine Sprachstörung verhindern oder vorbeugen?

Zwar lassen sich Entwicklungsstörungen nicht zur Gänze verhindern oder vorbeugen, doch durch gezielte Fördermaßnahmen kann man sehr wohl das Risiko reduzieren beziehungsweise die Prognose verbessern.

 

So fußt eine geeignete Sprachförderung im Baby- und Kleinkindalter auf Kommunikation, Zuwendung/Beschäftigung sowie Aussparung von Technik (TV, Smartphone, Tablet,…). Wichtig ist es, Sprache und Kommunikation als etwas Positives und Schönes zu vermitteln. Singen, Fingerspiele oder Vorlesen sind dazu gute Möglichkeiten. Darüber hinaus sollte das Kind stets als kompetenter Gesprächspartner wahrgenommen werden.

 

Lässt sich eine Sprachstörung gänzlich beheben?

Ob sich eine kindliche Sprachstörung zur Gänze beheben lässt, hängt von Ausprägung und zugrundeliegenden Faktoren ab. Manche Ursachen lassen sich nicht forttherapieren (zum Beispiel geistige Behinderungen oder Hörbehinderungen), bei anderen wiederum ist die Prognose ausgesprochen gut (etwa behandelbare Hörstörungen). Generell lässt sich aber sagen, dass eine frühzeitige Förderung und Therapie die Sprachentwicklungsstörung durchaus auf ein gutes Niveau heben kann. In vielen Fällen lässt sie sich sogar gänzlich beheben.

 

Sprachstörung: Verlauf und Prognose

Frühzeitige Erkennung, Förderung und Therapie sind das A&O für bestmöglichen Verlauf und Prognose von kindlichen Sprachentwicklungsstörungen. In vielen Fällen kann auf diese Weise bis zum Schuleintritt sogar eine regelrechte und altersentsprechende Sprachentwicklung herbeigeführt werden. Nicht zuletzt ist das wesentlich für die weitere Entwicklung des Kindes. So wird etwa das Risiko für Teilleistungsschwächen oder seelische Belastungen durch entsprechende Fördermaßnahmen deutlich gesenkt.

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Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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