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Homeschooling - Zurecht verpönt?

Kommentar schreiben Freitag, 28. Mai 2021

Die Corona-Pandemie lässt unsere Welt Kopf stehen. Familien mit schulpflichtigen Kindern sind durch Homeschooling zusätzlich belastet. Betraf bis vor kurzem häuslicher Unterricht nur einige wenige Schüler, lernt aktuell die breite Masse zu Hause. Dass das für Unsicherheit und Überforderung sorgt, verwundert nicht. Nicht immer ist es einfach, die Motivation aufrecht zu erhalten, in manchen Fällen wird Homeschooling schlicht verweigert. Die Angst vor Wissenslücken und Bildungsabbrüchen wächst. Dabei hat Fernunterricht durchaus auch Vorteile zu bieten, die motivations- und leistungssteigernd wirken können.

In folgendem Beitrag möchten wir uns dem aktuell so brisanten Thema Homeschooling widmen. Was versteht man darunter eigentlich genau? Wo liegen Vor- und Nachteile von Fernunterricht? Warum ist Homeschooling in vielen Familien mit Schwierigkeiten verbunden und wie lässt sich an diesen arbeiten? Auch Sorgen, was Bildungslücken oder vereinfachte Abschlüsse angeht, soll aufgegriffen werden.

 

 

Was versteht man unter Homeschooling?

Die Pandemie hat Homeschooling im deutschsprachigen Raum auf einen Schlag salonfähig gemacht. Doch Begrifflichkeiten verschwimmen. So ist mit jenem „Homeschooling“, das aktuell in aller Munde ist, streng genommen eigentlich ein schulangeleiteter Unterricht gemeint. Unterricht, der aufgrund der aktuellen Umstände zu Hause stattfinden muss. Für die Beschulung selbst ist also weiterhin die Schule beziehungsweise Lehrerschaft zuständig, die Schulpflicht bleibt aufrecht. Insofern ist „Homeschooling“ eigentlich irreführend, „Fernunterricht“ wäre der passendere Begriff.1

Neben Homeschooling oder Fernunterricht haben in den letzten Wochen und Monaten auch Begriffe wie Wechselunterricht (Präsenzunterricht und Fernunterricht wechseln) oder Hybridunterricht (ein Teil der Klasse wird in Präsenz unterrichtet, der andere Teil von daheim aus zugeschaltet) den Einzug ins alltägliche Vokabular gefunden. Völlig ungeplant sind solche Varianten der Beschulung plötzlich Realität. Dass das eine gewisse Dynamik und Überforderung mit sich bringt, verwundert da wenig.

 

Was sind die Vorteile und Nachteile von Homeschooling?

Welche Vor- und Nachteile bringt Fernunterricht, wie er aktuell stattfindet, mit sich? Dazu muss man sich bewusst machen, dass Schule mehr als ein reiner Lernort ist. Sie schafft einen Rahmen, in dem soziales Miteinander stattfinden kann. Dieses Miteinander ist momentan leider nur spärlich oder gar nicht möglich. Dabei ist soziale Interaktion zur Ausbildung vieler Eigenschaften und Stärken wichtig und fördert die Sozialkompetenz nachhaltig. Dass soziales Miteinander über weite Strecken wegfällt, ist demnach als massiver Nachteil beim Homeschooling zu sehen.

Nachteile ergeben sich automatisch auch überall dort, wo es an Ressourcen fehlt, um Fernunterricht auf annehmbarem Niveau zu realisieren. Das betrifft etwa Räumlichkeiten, (technische) Ausstattung, die Internetverbindung sowie entsprechende Kompetenz und Affinität der Lehrkräfte. Ob der Schüler Hilfe – sei es auf technischer, fachlicher oder sozialer Ebene – erhält, ist in diesem Zusammenhang besonders relevant. 

Problematisch beim Homeschooling aufgrund der Corona-Pandemie ist sicherlich, dass die Zuständigkeiten von Schule und Elternhaus verschwimmen. Es darf nicht vergessen werden, dass Eltern in der Regel nicht didaktisch geschult sind. Schon allein deshalb sollten sie nur begrenzt zur Wissensvermittlung herangezogen werden.

Darüber hinaus gehen viele Eltern einer Berufstätigkeit nach. Wenn diese momentan auch vermehrt im Homeoffice stattfinden mag, sind zeitliche und nervliche Kapazitäten, was die Beschulung des Nachwuchses angeht, Mangelware. Negative Dynamik wirkt sich folgend natürlich entsprechend auf die Eltern-Kind-Beziehung aus. Auch darüber hinaus können sich durch Homeschooling Mehrfachbelastungen für Familien ergeben.

Nicht zuletzt ist es im Homeschooling gar nicht einfach, die Motivation aufrecht zu erhalten. Häufig fehlen Struktur und eine einheitliche Linie. Selbstorganisation fällt vor allem jüngeren Schülern schwer. Darüber hinaus ist die Kommunikation mitunter deutlich erschwert (etwa müssen Fragen via Mail gestellt werden). Der Wegfall von sozialem Miteinander wirkt sich zusätzlich negativ auf die Lernmotivation aus.

Das Gefühl von Einsamkeit und Isolation ist bei vielen Kindern und Jugendlichen mittlerweile sehr präsent. Auch die Leistungsbeurteilung ist im Homeschooling nicht immer einfach. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Lerninhalte zu wenig gefestigt werden und Bildungslücken entstehen.

Vorteile durch das Homeschooling ergeben sich vor allem dort, wo es auf einem guten Niveau realisiert werden kann. Das mag sein, weil entsprechende Ressourcen in den Schulen selbst vorhanden sind, das Elternhaus dazu beitragen kann (gut ausgestatteter Arbeitsplatz, externe Hilfsangebote, generelle Bildungsaffinität etc.) oder aber beides.

So kann Homeschooling etwa eine Lernatmosphäre schaffen, in der wenig Ablenkung passiert und individuelle Förderung gut möglich ist. Von solch einer individuellen Herangehensweise profitieren alle Beteiligten. Viele Kinder und Jugendliche schätzen zudem die Möglichkeit der freien Zeiteinteilung. Nach dem eigenen Biorhythmus lernen zu dürfen, muss durchaus als großer Vorteil verstanden werden. Bei so manchem schlägt sich das deutlich positiv in den Leistungen nieder.

Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet Homeschooling auch im Hinblick auf die Ausbildung von so manchen Eigenschaften, die für die weitere Zukunft relevant sind. Hier ist etwa die Fähigkeit zur Selbstorganisation zu nennen. Doch auch der Umgang mit Technik und verschiedenen Kommunikationsmethoden ist in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt stärkt Homeschooling Kinder und Jugendliche in ihrer Flexibilität und bietet Möglichkeiten, über sich hinauszuwachsen, kreative Lösungen zu finden und Stärken zu entwickeln.

 

Homeschooling: Vorteile im Überblick

 

  • Kaum Ablenkung
  • Individuelle Förderung/Entwicklung von Stärken möglich
  • Freie Zeiteinteilung
  • Arbeiten/Lernen nach dem individuellen Biorhythmus
  • Fähigkeit zur Selbstorganisation wird entwickelt
  • Umgang mit Technik wird gefördert
  • Förderung unterschiedlicher Kommunikationsmethoden
  • Flexibilität und kreative Lösungsfindung werden gefördert

 

Homeschooling: Nachteile im Überblick

 

  • Soziales Miteinander bleibt auf der Strecke (→Isolation/Einsamkeit)
  • Mangelnde Ressourcen (Räumlichkeiten, technische Ausstattung, Kompetenz der Lehrenden,...) beeinträchtigen Lernerfolg
  • Vermischung von Zuständigkeiten (Schule-Schüler-Elternhaus)
  • Mehrfachbelastungen im Familiensystem
  • Struktur und Einheitlichkeit gehen verloren
  • Motivationseinbußen
  • Selbstorganisation fällt schwer
  • Erschwerte Kommunikation

 

Was macht Homeschooling mit Kindern und Jugendlichen?

Homeschooling ist für Kinder und Jugendliche nicht so einfach, wie es vielleicht den Anschein macht. Vor allem Unsicherheit und Überforderungen sind zentrale Themen. Dadurch, dass das soziale und gemeinschaftliche Lernen quasi auf Eis gelegt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für Überforderung spürbar an.2

Darüber hinaus sind Kinder und Jugendliche unvermittelt mit völlig Neuartigem konfrontiert. Funktionieren Apps und Programme? Habe ich alles im Blick und auch nichts vergessen? Werde ich mich in der nächsten Videokonferenz blamieren? Was wird von mir erwartet? Solche und ähnliche Fragen geistern Schülern zwangsläufig im Kopf herum, was nicht nur anstrengend ist, sondern auch Angst machen und überfordern kann.

Darüber hinaus bringen Kinder und Jugendliche durch den virtuellen Unterricht enorm viel Zeit vor technischen Geräten zu. Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen zusehends, Erholung und Entlastung kommen häufig zu kurz. Dass sich das gesundheitlich auswirkt, scheint da nicht verwunderlich. Nicht nur leidet die Konzentration, auch Bewegungsapparat und Augen werden in Mitleidenschaft gezogen.

Nicht selten macht sich das in Form von Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafproblemen bemerkbar. Homeschooling kann sich demnach negativ auf die psychische und physische Stabilität von Kindern und Jugendlichen auswirken. Die Bandbreite reicht von kleinen Unsicherheiten oder leichten psychosomatischen Beschwerden bis hin zu schwerwiegenden Symptomen sowie dem Ausbruch oder der Verschlechterung psychischer Erkrankungen.

Hier sind vor allem Depressionen, Ängste, Zwangsstörungen oder Verhaltensstörungen zu nennen. Auffällig ist sicherlich, dass mittlerweile auch junge Menschen betroffen sind, die vor der Pandemie völlig unauffällig waren und als psychisch gesund galten.3

 

Drastische Folgen durch Homeschooling werden von Fachleuten sehr deutlich kommuniziert. So führt vor allem der Wegfall von Tagesstruktur und Sozialkontakten dazu, dass auffällige Verhaltensweisen und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen zunehmen.4 Hinzu kommen Faktoren wie Unsicherheiten und Zukunftsängste sowie Spannungen im familiären Umfeld. All das bringt Eltern wie Kinder zwangsläufig an Belastungsgrenzen.5

Hier steht der Staat vor einer Problematik: Es bedarf Hilfe, aber vielerorts fehlen die Ressourcen für zeitnahe Therapiemaßnahmen. Bleiben Behandlungen aber aus, erhöht sich das Risiko einer Chronifizierung zwangsläufig. In der Regel lösen sich psychische Probleme nämlich nicht einfach in Luft auf, wenn man zuwartet.6

 

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Homeschooling: auch technische Probleme wirken sich aus

Neben oben genannten Problematiken ergeben sich im Homeschooling auch Schwierigkeiten technischer Natur. Diese sind ausgesprochen vielseitig. Sie reichen von mangelhafter Ausstattung (fehlende Geräte, Equipment etc.) über Problematiken mit der WLAN-Verbindung oder Bandbreite des Internets bis hin zu Schwierigkeiten mit Lernplattformen, Software oder Apps.7

Solche Probleme schüren Unsicherheit. Häufig sind sie zudem mit Überforderung und Stress verbunden. Auch Scham kann Thema werden, wenn man sich notwendige Geräte oder Equipment etwa schlicht nicht leisten kann. Darüber hinaus muss man bedenken, dass Digitalisierung in unseren Breiten noch in den Kinderschuhen steckt. Vor der Corona-Pandemie war Digitalisierung in den meisten Schulen allenfalls Randthema. Das wirkt sich nun natürlich ebenfalls ungünstig aus.

 

Homeschooling: mögliche Probleme im Überblick

 

  • Problematiken technischer Natur (Ausstattung, WLAN, Lernplattformen etc.)
  • Digitalisierung in den meisten Schulen nicht ausgereift
  • Unsicherheit, Überforderung und Stress
  • Wegfall von Struktur und Sozialkontakten
  • Konfrontation mit hoher Erwartungshaltung
  • Zukunftsängste
  • Familiäre Belastungen; Belastungsgrenzen verschieben sich
  • Arbeits- und Freizeit verschwimmen
  • Erholung und Entlastung kommen zu kurz
  • Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit vor technischen Geräten → körperliche Beschwerden
  • Auswirkung auf psychische und physische Stabilität
  • Leichte psychosomatische Beschwerden bis hin zu schwerwiegenden Symptomen
  • Verschlechterung/Ausbruch psychischer Erkrankungen (Depression, Angst- und Zwangsstörungen, Verhaltensstörungen,...)

 

Wie kann man sein Kind im Homeschooling motivieren?

Dass so manchem Schüler die Motivation beim Homeschooling abhanden kommt, scheint nicht weiter verwunderlich. Was kann man also tun, um sein Kind im Homeschooling zu motivieren? Hier sind verschiedene Ansätze denkbar. Besonders wichtig ist es, Struktur zu schaffen und soziale Kontakte zu ermöglichen. Dies bildet die Grundpfeiler für die so notwendige Stabilität.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, den Arbeitsplatz entsprechend zu gestalten, Ablenkungen zu minimieren sowie Raum für Entspannung und Freizeit zu schaffen. Lob und Anreize sind wesentlich für die Motivation – vor allem für jüngere Schüler. Ganz wichtig ist es auch, bewusst Ausgleich in Form von Bewegung zu ermöglichen. Nicht zuletzt sollte man als Bezugsperson natürlich immer ein offenes Ohr haben.

Es hilft, auf Kommunikation zu setzen und Eindrücke, Ängste und Sorgen des Nachwuchses nicht nur anzunehmen, sondern auch ernstzunehmen.

 

Effektive Tipps fürs Homeschooling

Tipps und Tricks, wie Homeschooling trotz aller Widrigkeiten gelingen kann, finden Sie folgend:

 

Rhythmus und Struktur schaffen

Die Gleichung ist eine einfache: Für psychische und physische Stabilität ist eine gewisse Struktur vonnöten. Ein dem Schulalltag entsprechender Tag-Nacht-Rhythmus sowie eine strikte Abgrenzung von Lernphasen, Pausen und Freizeit tragen wesentlich dazu bei. Struktur gibt nicht nur Sicherheit, sondern hilft auch dabei, den Überblick zu behalten. Insofern lässt sich durch einen gewissen Rhythmus auch die Motivation steigern – und davon braucht es im Homeschooling besonders viel.

 

Arbeits- und Lernplatz gestalten

Wenn daheim entsprechend Platz zur Verfügung steht, macht es spätestens jetzt Sinn, einen Arbeits- und Lernplatz für das Kind zu gestalten. Das muss mitnichten ein perfekt ausgestattetes Arbeitszimmer sein. Es reicht ein kleiner Schreibtisch in einer ruhigen Ecke, der eben nur fürs Homeschooling genutzt wird. Das hilft dabei, Ablenkungen zu minimieren und Arbeitszeit klar von Freizeit abzugrenzen.

Was das benötigte Equipment (Laptop, Tablet, Headset etc.) angeht: Bei Bedarf sollte in der Schule angefragt werden, ob Leihgeräte zur Verfügung stehen. Oftmals lohnt es sich auch zu eruieren, ob im Freundes- und Bekanntenkreis Geräte eventuell nicht genutzt werden und verborgt werden können.

 

Zwischen Freizeit und Lernzeit differenzieren

Zwar kann man mit einer guten Struktur und dem Einrichten eines eigenen Arbeitsplatzes schon viel erreichen, dennoch sollte auch darüber hinaus immer wieder darauf geachtet werden, dass Lernzeit und Freizeit nicht verschwimmen. Das passiert nämlich viel schneller, als man denkt und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Stress und Überforderung. 

 

Lernplan erstellen

Im Homeschooling sind viele Kinder und Jugendliche plötzlich völlig auf sich allein gestellt. Sie müssen nicht nur den Tag, sondern auch ihre Arbeitsaufträge strukturieren. Vor allem bei jüngeren Schülern kann das ohne Hilfe gar nicht funktionieren und auch jungen Erwachsenen fällt das oftmals noch sehr schwer. Es ist also sinnvoll, Schüler dabei zu unterstützen, einen individuellen Arbeits- und Lernplan zu erstellen. Das gibt Halt und Orientierung und erleichtert den Fernunterricht enorm. Hier lohnt es sich, ein wenig durchs Netz zu stöbern. Gute Vorlagen können einfach heruntergeladen und individuell befüllt werden.

 

Kontakt zu Lehrkräften aufrecht erhalten

Was im Homeschooling vielerorts zu kurz kommt, ist die Kommunikation mit den Lehrkräften. Dabei ist der Austausch gerade jetzt besonders wichtig, um Qualität und Lernerfolg zu sichern. Auch für Lehrer stellt Homeschooling eine völlig neue Situation dar, auf die sie in keinster Weise vorbereitet waren. Dementsprechend sind sie auf Feedback angewiesen, um den Unterricht entsprechend anpassen zu können. Gerade bei Schwierigkeiten wie Leistungsabfall, Wissenslücken oder Schulverweigerung ist die rasche Kontaktaufnahme wesentlich.

 

Unterstützung anbieten

Kindern und Jugendlichen Unterstützung anzubieten, ohne sie zu bedrängen, ist wichtig. Manchmal kann es notwendig sein, externe Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind aufgrund der Umstände sehr belastet ist, oder Eltern schlichtweg nicht helfen können. Externe Beratung, Nachhilfe oder auch Unterstützung durch ältere Geschwister oder Bekannte – all das kann hier hilfreich sein.

 

Für körperlichen Ausgleich sorgen

Was in Zeiten von Corona und Homeschooling definitiv zu kurz kommt? Ausreichende Bewegung! Körperlicher Ausgleich gerät fast zwangsläufig in den Hintergrund. Nicht nur fällt der Schulweg weg, ebenso sind Sportunterricht, Vereinssport oder alltägliche Freizeitaktivitäten Mangelware. Umso wichtiger ist es, dass Eltern darauf achten, dass sich der Nachwuchs dennoch entsprechend betätigt. Ob Radtour, Fitnessprogramm oder Wanderung – Hauptsache, es macht Spaß! Bewegung sorgt in Zeiten wie diesen nämlich nicht nur für Ausgleich, sie baut Stress zudem effektiv ab.

 

Mit Lob und Anreizen nicht sparen

Gemeinsam mit Homeschooling hat sich auch ein gewisser Trott eingeschlichen. Schüler arbeiten viel für sich alleine, ganz ohne direkte Rückmeldungen. Dabei sind Lob, Anerkennung und der eine oder andere Anreiz unbestreitbar wichtig. Nicht nur Leistung wird dadurch honoriert, auch Motivation lässt sich auf diese Weise nachhaltig steigern. Vor allem jüngere Schüler sind auf entsprechende Rückmeldung von Lehrern und Eltern angewiesen, doch auch junge Erwachsene profitieren davon. Kleine Belohnungen dürfen jetzt ebenfalls in Aussicht gestellt werden. Das kann ein gemütlicher Fernsehabend sein, aber auch das neue Videospiel oder die Leibspeise zum Abendessen.

 

Von Perfektionismus verabschieden

Wesentlich, wenn es um Homeschooling während Corona geht: Alle Beteiligten sollten sich ein klein wenig von vorherrschendem Perfektionismus verabschieden. Die Zeiten sind außergewöhnlich und fordernd. Trotzdem alles perfekt erledigen zu wollen, kann da rasch für Überforderung sorgen. Wenn gar nichts mehr geht, ist es sicherlich sinnvoll, Abstriche zu machen und Ansprüche zurückzuschrauben. Die so gewonnene Energie kann bestimmt anderweitig gut gebraucht werden!

 

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Kind verweigert Homeschooling – was tun?

Die Pandemie und der damit verbundene Fernunterricht sorgt bei jüngeren wie älteren Schülern für Unsicherheit, Stress und Überforderung. Die Zunahme von körperlichen und seelischen Symptomen sowie ernsthaften psychischen Erkrankungen lässt sich kaum leugnen. Schulverweigerung bis hin zum Bildungsabbruch muss als traurige Realität betrachtet werden.

Vielerorts tauchen Schüler regelrecht ab, sind für Lehrer und Erziehungsberechtigte nicht mehr greifbar. Zentrales Problem ist der stetige Motivationsverlust durch den Wegfall von Struktur und sozialem Miteinander. Irgendwann geht dann gar nichts mehr! Gerade bei Jugendlichen ist die Gefahr groß, in eine Abwärtsspirale zu geraten. Die Pandemie hat sie quasi von einen Tag auf den anderen in eine Situation gestoßen, die eigentlich Erwachsenen vorbehalten ist: Sie müssen sich ihren Alltag plötzlich vollkommen selbständig strukturieren!

Nicht selten sind sie im Homeschooling über viele Stunden ganz auf sich allein gestellt, ohne reale Sozialkontakte. Überlastung und Überforderung sind allgegenwärtig.Verweigert das Kind Homeschooling, ist Kommunikation das A & O – und zwar in alle Richtungen. Zunächst sollten Eltern als Bezugspersonen präsent bleiben. Es geht hier darum, Probleme zu erkennen, sie ernst zu nehmen und ein offenes Ohr zu signalisieren.

Zudem sollte das Gespräch mit der Schule gesucht werden. Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, gelingt es umso besser, Schwierigkeiten zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Manchmal hilft es schon, in den Austausch zu gehen und gemeinsame Ziele zu entwickeln. Auf diese Weise unterstützt man Schüler dabei, wieder in eine aktive Rolle zu finden, im Rahmen derer sie Handlungsspielraum haben.

Grundsätzlich ist es auch ratsam, Ziele und Pläne schriftlich festzuhalten. Das schafft Perspektive und kann deutlich dazu beitragen, die Motivation zu steigern.

Auch externe Hilfsangebote (Lernberatung, Nachhilfe,…) können überlegt werden. Darüber hinaus ist auf ausreichend Freizeit und Pausen zu achten. Wird Homeschooling verweigert, deutet das nämlich darauf hin, dass es zu viel ist und sich das Kind dem Druck durch die Weigerungshaltung schlichtweg entsagt.

Das verdeutlicht auch, wie wichtig es gerade in Zeiten wie diesen ist, den Perfektionismus herunterzuschrauben. Dies gilt für alle Beteiligten gleichermaßen – Lehrer, Schüler und Eltern!

 

Wissenslücken durch Homeschooling?

Homeschooling, so wie wir notgedrungen damit konfrontiert sind, kann normalen Präsenzunterricht nicht ersetzen. So ehrlich darf und muss man sein. Folgend sollten entstandene Wissenslücken keinesfalls klein geredet, sondern als Realität akzeptiert werden. Nachdem Unterricht aufbauend passiert, stellt sich also die zentrale Frage: Wie können Bildungslücken bestmöglich geschlossen werden? Hier ist die Politik am Zug, zeitnahe und niedrigschwellige Angebote für die breite Masse zu setzen. Das ist dringend notwendig. Schon allein deshalb, damit die Bildungsschere nicht noch weiter auseinanderklafft, als sie das ohnehin schon tut.

 

Droht Benachteiligung durch „Corona-Abschluss“?

In den letzten Monaten wurde immer wieder die Frage laut, ob die aktuellen „Corona-Abschlüsse“ junge Menschen benachteiligen würden. Eine Antwort darauf lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geben, da niemand in die Zukunft blicken kann. Es darf aber sehr wohl darauf hingewiesen werden, dass die Problematik des „Corona-Abschlusses“ durchaus eine universelle ist – alle Staaten sind betroffen. Es ist also nicht unbedingt sinnvoll, Ängste zu schüren.

Vielmehr muss es Ziel sein, Bildungslücken zeitnah zu schließen, sodass ein möglicher „Corona-Abschluss“ auf lange Sicht völlig irrelevant ist.

 

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Quellen anzeigen

Daniela Jarosz
Autor: Daniela Jarosz

Daniela Jarosz ist Sonder- und Heilpädagogin. Während des Studiums hat sie sich intensiv mit Inhalten aus Medizin und Psychologie auseinandergesetzt. Sie arbeitet seit vielen Jahren im psychosozialen Feld und fühlt sich außerdem in der freiberuflichen Tätigkeit als Autorin zuhause. Im redaktionellen Bereich hat sie sich auf die Fachrichtungen Medizin, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance sowie Kinder und Familie spezialisiert.

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