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Hygienewaschmittel: sinnvoll, notwendig oder überflüssig?

Kommentar schreiben Mittwoch, 24. Februar 2021

Nicht erst seit der Corona-Krise sind Krankheitserreger bei vielen Menschen extrem gefürchtet. Schließlich weiß man ja, dass nicht nur Viren unsere Gesundheit angreifen, sondern auch potenziell gefährliche Bakterien, Pilze und andere unsichtbare Mikroorganismen überall sitzen. Klar: nicht alle sind unter allen Umständen bedrohlich. Doch sorgsame Hygiene und ggf. auch Desinfektion sind dennoch nötig, um sich gegen krankmachende Keime wirklich zu schützen. Wie sieht es da bei der Haushaltswäsche aus? Putzlappen und Handtücher, Bett- und Unterwäsche, Babykleidung usw. – alles voll von Keimen. Eine 90 Grad-Wäsche schafft da Abhilfe, doch wer wählt heute schon noch den Kochwaschgang? Okay, 60 Grad genügen auch. Doch viele Textilien können nicht so heiß gewaschen werden, sie vertragen höchstens 30 oder 40 Grad. Was also tun, um die Wäsche wirklich sauber zu bekommen? Viele setzen da auf Hygienewaschmittel, auch Desinfektionswaschmittel oder Hygienespüler genannt. Doch helfen diese desinfizierenden Mittel wirklich – oder schaden sie am Ende sogar mehr als dass sie helfen?

Inhaltsverzeichnis

Hygienewaschmittel – was ist das eigentlich?

Hygienewaschmittel sind desinfizierende Waschmittel oder Waschmittelzusätze, die Krankheitserregern wie Pilzen, Bakterien und bestimmten Viren bei der Maschinenwäsche den Garaus machen sollen. Angeblich notwendig werden sie, wenn die Waschmaschine üblicherweise mit niedrigen Temperaturen läuft.

Dadurch sollen sich in der Maschine – und damit auch in der Wäsche – Keime ansammeln, die unter bestimmten Umständen die Gesundheit gefährden oder angreifen können. Wenn sich in der Maschine ein unangenehmer Geruch bemerkbar macht, ist dies ein Zeichen für Keimbildung. Die Hygienespüler beseitigen auch diesen und verhindern damit auch, dass die Wäsche nach der Wäsche irgendwie „muffig“ riecht.

Auf dem Markt sind ganz verschiedene Hygienewaschmittel. Grob unterscheiden kann man sie zunächst in solche, die wie ein Vollwaschmittel benutzt werden können, und solche, die zusätzlich zum Waschmittel verwendet werden. Viele Varianten sind für alle Wäschearten geeignet, allerdings gibt es auch spezielle Produkte, z.B. für Feines, Seidiges oder Wolle sowie für Weiß- oder Buntwäsche.

Wo kann man Desinfektionswaschmittel kaufen?

Drogerie- und Supermärkte bieten Produkte der unterschiedlichsten Marken sowie jeweilige Eigenmarken an. Je nach Marke variiert natürlich auch der Preis – ein bekanntes Markenprodukt ist immer teurer als ein No-Name-Hygienespüler. Dabei bedeutet „teurer“ keinesfalls auch immer „besser“.

Ein günstiges No-Name-Produkt kann durchaus wirksamer sein und geeignetere Inhaltsstoffe haben als eine teure Marke. Natürlich kann man Hygienewaschmittel auch im Internet bekommen; hier kann man aus einer größeren Produktvielfalt auswählen und bekommt häufig auch preiswertere Großpackungen. Allerdings sollte man in diesem Fall besonders genau auf die Angaben zu den Inhaltsstoffen schauen.

Worauf sollte man bei Auswahl und Kauf eines Desinfektionswaschmittels achten?

Bevor ausgewählt wird, muss zunächst klar sein, welche Bedürfnisse das Mittel erfüllen soll. Wer Wäsche hat, die z.B. von Flöhen, Läusen, Schimmel oder Pilzen befallen ist und/oder Personen mit Allergien, schweren Infektionen oder bestimmten Hautkrankheiten im Haushalt hat, braucht ein wirksameres Mittel als ein Verbraucher, der gesund ist und sich „nur“ gegen Muff und normalen Schmutz wappnen möchte.

Wie ein Hygienewaschmittel wirkt und wie verträglich es für Gesundheit und Umwelt ist, hängt in erster Linie von den Inhaltsstoffen und deren Zusammensetzung ab. „Sanfte“ Produkte, die auf Duft- und Farbstoffe sowie andere kritische Inhalte verzichten, sind beispielsweise besonders für Allergiker, Menschen mit Hautproblemen oder für Baby- und Kinderwäsche geeignet.

Wie zuverlässig wirken Hygienewaschmittel?

Mit ihren bioziden, also keimtötenden Wirkstoffen sind die meisten Desinfektionswaschmittel in der Lage, Viren, Bakterien und (Schimmel-)Pilze zuverlässig zu bekämpfen und unangenehme Gerüche zu besHygienewaschmittel: sinnvoll, notwendig oder überflüssig? - Auf dem Bild ist eine Wäscheleihe mit Klamotten zu sehen.eitigen.

Bei den meisten Produkten wird eine fast 100-prozentige Wirksamkeit versprochen. Hygienespüler mit spezieller Wirksamkeit, die über die Abtötung von Bakterien, Viren und Pilzen hinausgeht, können auch Wäsche reinigen, die – z.B. durch Haustiere oder Kopfhaarbefall von Kindern – von Läusen, Motten oder Flöhen, von Schimmel oder auch von Krätze befallen sind.

Wer ganz sichergehen will, sollte sich für ein Produkt entscheiden, das vom Robert-Koch-Institut (RKI) geprüft wurde und ein entsprechendes Siegel trägt. Dabei handelt es sich dann um ein offiziell gelistetes Desinfektionsmittel mit garantierter mikrobiologischer Wirkung – man kann sich darauf verlassen, ein keimfreies Waschresultat zu erhalten.

Welche Inhaltsstoffe sind in Hygienewaschmitteln enthalten?

Wie bereits erwähnt, unterscheiden sich die Produkte hinsichtlich der Art und Zusammensetzung ihrer Inhaltsstoffe zum Teil erheblich. Üblicherweise finden sich in den meisten Mitteln die folgenden Inhaltsstoffe1:

Benzalkoniumchlorid

Diesen Stoff kennt man auch als Konservierungsstoff in Medikamenten; dort muss er in den Warnhinweisen aufgeführt werden, da er möglicherweise unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt. Im Hygienewaschmittel sorgt er für eine gute antimikrobielle und desinfizierende Wirkung. Benzalkoniumchlorid kann aber Allergien auslösen bzw. verstärken und bei entsprechend empfindlichen Personen zu schweren Hautreizungen führen.

Trideceth-7

Auch dieser synthetische Emulgator, der zur optimalen Vermischung beitragen soll, kann allergen und hautreizend wirken. Er gilt allgemein als „bedenklicher“ Inhaltsstoff.

Butylphenyl-Methylpropional

Ein in vielen Kosmetika enthaltener synthetischer Duftstoff, der auch unter dem Namen „Lilial“ bekannt ist. Er gilt als sehr bedenklich; empfindliche Personen wie Allergiker und Menschen mit Hautproblemen sollten ihn meiden.

 Ammoniumchlorid

Das wasserlösliche Salz, das als unbedenklich für Gesundheit und Umwelt gilt, wird verwendet, um den pH-Wert stabil zu halten und Gerüche zu neutralisieren. Es wird ihm zudem eine hautschützende Wirkung zugesprochen.

Sodium Carbonat/Sodium Bicarbonat

Diese Inhaltsstoffe sind, was ihre Wirkung betrifft, mit dem Ammoniumchlorid vergleichbar und gelten ebenfalls als unbedenklich.

Wasser

Es wird in Hygienewaschmitteln als Lösungsmittel verwendet und dient dazu, den Schmutz aus der Wäsche herauszuwaschen.

„Bedenkliche“ Inhaltsstoffe: Können Desinfektionswaschmittel der Gesundheit schaden?

Wie man also sehen kann, sind einige der üblichen, aggressiven chemischen Inhaltsstoffe von Hygienewaschmitteln durchaus mit Vorsicht zu genießen. Sie können – insbesondere wenn man sie dauerhaft, unsachgemäß und überreichlich benutzt – gesundheitsschädlich wirken.

Es kann leicht zu allergischen Reaktionen kommen, ebenso können die Mittel Hautreizungen verursachen oder, wenn sie einmal versehentlich in die Augen kommen, dort Irritationen auslösen. Zudem stehen diese und andere Desinfektionsmittel im Verdacht, nicht nur Allergien zu begünstigen, sondern auch zur Entwicklung von multiresistenten Keimen beizutragen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung – und empfiehlt deshalb, Hygienespüler und andere Desinfektionsmittel in privaten Haushalten nur in Ausnahmefällen zu nutzen.2

In einem Artikel des „Stern“ mit einem Vergleich mehrerer Hygienewaschmittel1 wird ein konkreter Fall erwähnt. Die Stiftung Warentest hat demzufolge bereits im Jahr 2003 über ein Benzalkoniumchlorid-haltiges Markenprodukt geschrieben und festgestellt, dass dieser Inhaltsstoff zu allergischen Reaktionen führen könne.

Dem „Stern“ zufolge hatte Professor Franz Daschner, der Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Uni-Klinikums in Freiburg, der „Stiftung Warentest“ erklärt, dass Benzalkoniumchlorid die meisten Allergien beim Klinik-Personal auslöste.

 

Wie schädlich sind Hygienewaschmittel für die Umwelt?

Neben der Gesundheit können desinfizierende Waschmittel wegen einiger ihrer Inhaltsstoffe auch die Umwelt erheblich belasten. Wenn die synthetischen Duftstoffe in Gewässer gelangen, können sie dort schwere und nachhaltige Schäden anrichten. Der Chemiker Marcus Gast, Sachverständiger am Umweltbundesamt in Dessau, betont in einem „Stern“-Artikel3: „Das sind Giftstoffe, die sich häufig nur schwer abbauen lassen, selbst in Kläranlagen.“

Keimabtötung und angemessene Sauberkeit: reichen normale Waschmittel dafür aus?

Es wundert also kaum, dass Experten im Allgemeinen von der Verwendung von Hygienewaschmitteln abraten. Ihr Einsatz, so die verbreitete Einschätzung, ist in aller Regel auch nicht notwendig, da sich eine normale Keimbelastung mit haushaltsüblichen Mitteln und allgemeinen Hygienemaßnahmen schon ausreichend reduzieren lässt.

„In einem normalen Haushalt mit gesunden Personen braucht man diese Mittel nicht – nicht einmal für Unterwäsche", äußert sich Marcus Gast vom Umweltbundesamt in Dessau gegenüber dem „Stern“3. Ganz ähnlich sieht das die Professorin Iris F.Hygienewaschmittel: sinnvoll, notwendig oder überflüssig? - Das Foto hat einen hellblauen Hintergrund. Man sieht eine Hand mit einem lila Reinigungshandschuh und einer gelben Sprühflasche mit rotem Sprühhals. Chaberny, Direktorin des Instituts für Hygiene/Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Leipzig. In einem Artikel der „Welt“4 erklärt sie, im Krankenhaus sei Desinfizieren und Sterilisieren der Wäsche Vorschrift, im eigenen Zuhause brauche das aber niemand. Entscheidend für einen guten Reinigungseffekt sei, dass die Wäsche gut durchgespült werde, was alle modernen Wachmaschinen leisten könnten. Zudem, so Chaberny, genüge im Normalfall eine Wassertemperatur von 40 Grad, eine Waschtemperatur von mehr als 60 Grad empfiehlt die Expertin nur, wenn eine Person aus dem Haushalt an einem Infekt erkrankt sei, etwa durch einen Norovirus.

Ein 60 Grad-Waschgang alle vier Wochen

Mit modernen Waschmitteln, die Bleichmittel auf Sauerstoffbasis enthielten, werde die Wäsche auch bei Temperaturen unter 60 bzw. 90 Grad sauber – einige sogar schon bei 20 Grad: darauf weist Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel in einem weiteren „Welt“-Artikel5 hin. Nur bei einer „exotischen ansteckenden Krankheit“ sei heute noch eine 90 Grad-Wäsche nötig. Glassl empfiehlt allerdings ausdrücklich, mindestens alle vier Wochen einen 60 Grad-Waschgang durchzuführen, um Keimen in der Waschmaschine keine Chance zu lassen.

Selbst bei stärker verschmutzten Textilien halten die Experten spezielle Hygiene- und Desinfektionswaschmittel nicht für notwendig. Selbst Küchentextilien, in denen möglicherweise Keime aus Lebensmittel stecken, Baby- und Kinderwäsche sowie Wäsche von erkrankten, infektiösen und immungeschwächten Haushaltsmitgliedern würden bereits ab 40 Grad ausreichend sauber, meint Marcus Gast, der im „Stern“3 befragte Experte vom Umweltbundesamt Dessau. Voraussetzung sei allerdings, ein bleichmittelhaltiges Vollwaschmittel in Pulverform zu benutzen. Die Bleichmittel seien es, die Keime abtöten könnten.

„Flüssigwaschmittel enthalten diese Bleichmittel nicht und sind daher ungeeignet“, so Gast, dasselbe gelte für jede Form von Color-Waschmitteln. Nur bei Pilzbefall hält der Experte es für wichtig, die Wäsche des Erkrankten bei mindestens 60 Grad zu waschen, und zwar getrennt von der restlichen Wäsche und natürlich ebenfalls mit bleichmittelhaltigem Vollwaschmittelpulver.

Dasselbe gilt nach Einschätzung von Prof. Martin Exner vom Hygieneinstitut Bonn für Wäsche von Personen mit offenen und/oder eiternden Wunden, Blasenkathetern oder auch hochansteckenden Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekten. In der SWR-Sendung „Marktcheck“6 rät Exner dazu, in all diesen Fällen nicht unter 60 Grad zu waschen, um die Übertragung der gefährlichen Keime über die Wäsche zu vermeiden. Zum Einsatz von Hygienewaschmitteln und Hygienespülern rät Exner allerdings auch in diesen Fällen nicht.

Vorsicht bei Öko-Waschgängen!

Im „Marktcheck“ weist der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal in Kleve auf einen wichtigen Fakt in diesem Zusammenhang hin. Denn Waschmaschinen, die im Öko-Programm laufen, erreichen meist nicht die angegebene Temperatur. Bei den Öko-Programmen werde die Temperatur heruntergesetzt, dafür aber der Waschgang verlängert, um so Energie einzusparen.

Deshalb erreiche ein 60 Grad-Programm, auch wenn es so heiße, keine 60 Grad, sondern wasche nur so gut wie ein normales 60 Grad-Programm. Nach Ansicht von Professor Bockmühl ist es daher wichtig, bei entsprechendem Keimbefall den regulären 60 Grad-Waschgang durchzuführen.

In welchen Fällen ist es sinnvoll oder sogar wichtig, ein Hygienewaschmittel zu nutzen?

Bei aller Zurückhaltung kann es durchaus Fälle geben, bei denen der Einsatz eines Desinfektionswaschmittels anzuraten ist. Laut der offiziellen Empfehlung des Bundesinstitut für Risikobewertung sollten Hygienespüler wie auch andere Desinfektionsmittel in privaten Haushalten nur in Ausnahmefällen genutzt werden, etwa bei einem hochansteckenden Norovirus oder in Haushalten mit immungeschwächten Personen. In „medizinisch begründeten Situationen“, so das BfR, sei es jedoch „grundsätzlich sinnvoll, notwendige Hygienemaßnahmen mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.“ 2

Die Rücksprache mit dem Arzt ist in jedem Fall zu empfehlen, beispielsweise auch bei Allergikern und Menschen mit Hautkrankheiten sowie bei der Wäsche von Babys und Kleinkindern. Diese Personengruppen könnten zwar einerseits gesundheitlich von der Keimfreiheit ihrer Wäsche profitieren.

Andererseits aber ist es gut möglich, dass sich die in vielen Desinfektionswaschmitteln und Hygienespülern enthaltenen bedenklichen Inhaltsstoffe zusätzlich hautreizend und allergieauslösend auswirken. Somit ist es in diesen Fällen besonders wichtig, mit dem Arzt abzusprechen, welche Produkte in Frage kommen.

Einsatz bei feinen Textilien und Biofilm in der Waschmaschine

Bei besonders empfindlichen Kleidungsstücken aus speziellen Materialien, die nicht heiß und nicht mit bleichmittelhaltigen Waschmitteln gewaschen werden dürfen, zieht der Experte Marcus Gast vom Umweltbundesamt den Einsatz eines Hygienewaschmittels in Erwägung, etwa wenn infektiöse Sekrete oder Ausscheidungen an ein solches Textil geraten seien.

In diesen Fällen sollte allerdings das Kleidungsstück anschließend sehr gründlich ausgespült werden, um die möglicherweise gesundheitsschädlichen Wirkstoffe des Hygienespülers zu entfernen.3

Der Einsatz eines Hygienewaschmittels könnte auch dann sinnvoll und hilfreich sein, wenn in der Waschmaschine ein unangenehmer Geruch festgestellt wird – ein sicheres Zeichen dafür, dass sich Bakterien und Co. bereits im Gerät breit gemacht haben.

In Waschmaschinen, die nicht regelmäßig mit hohen Temperaturen laufen, bilden sich häufig sogenannte Biofilme. Das sind schleimig-feuchte, muffig riechende Beläge voller Kleinstlebewesen wie Milben oder Fadenwürmer, die sich von Mikroorganismen ernähren. Hier können Hygienespüler zur Bekämpfung, aber auch bereits zur Vorbeugung gute Dienste leisten.1

 

 

Die beste Alternative zum Hygienewaschmittel: Waschmaschine sauber halten!

Dass Waschmaschinen echte „Keimschleudern“ sein können und grundsätzlich wesentlich mehr Unheil anrichten können als die Wäsche selbst, hat die SWR-Fernsehsendung „Marktcheck“6 gezeigt. Die Recherchen ergaben, dass sich Keime und Pilze beim Maschinewaschen auf den Kleidungsstücken verteilen.

Die Reporter berichten, dass in der Neugeborenen-Station einer deutschen Klinik bei etlichen Frühchen ein gefährlicher Keim gefunden wurde. Bei nachfolgenden Untersuchungen des Hygieneinstituts Bonn stellte sich zweifelsfrei heraus, dass die Krankheitserreger aus einer einzigen Waschmaschine stammten und offenbar während des Waschvorgangs in die Kleidung der Frühchen gelangt waren. Zugleich ließen die „Marktcheck“-Journalisten bei 20 zufällig ausgewählten Familien Proben aus deren Waschmaschinen entnehmen, die jeweils aus den Einspülkammern der Geräte stammten, also aus der Schublade, in die man das Waschmittel einfüllt.

Die Proben wurden im mikrobiologischen Institut der Hochschule Rhein-Waal in Kleve untersucht – das Ergebnis war erschreckend: Fäkalkeime, diverse Bakterien, Pilze (darunter auch Schimmelpilze) und Hefen, teilweise mehr als 300 verschiedene Arten. Der Mikrobiologe Prof. Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal zeigte sich darüber wenig verwundert; die Waschmaschine sei wegen ihrer Feuchtigkeit und Wärme ein idealer Platz für Bakterien, „die fühlen sich da schon wohl.“ Noch besser geht es ihnen, wenn Weichspüler benutzt werde – dieser könne sogar tierische Schlachtabfälle enthalten, in denen Keime gut reifen könnten.

Hygiene-Tipps für die Waschmaschine

Wer seine Waschmaschine hygienisch sauber halten will, sollte – wie bereits an anderer Stelle erwähnt – mindestens einmal im Monat ein 60 Grad-Waschprogramm laufen lassen. Abgesehen davon helfen laut „Marktcheck“ und anderen Quellen folgende Maßnahmen:Hygienewaschmittel: sinnvoll, notwendig oder überflüssig? - Auf dem Bild ist eine schwarze Waschmaschine und ein weißer Wäschekorb zu sehen.

Nach dem Waschen sollten zunächst Waschmittelreste aus der Einspülkammer entfernt werden; die Lade selbst wird am besten mit einer Bürste und etwas Zitronensäure gesäubert. Falls sich Schimmel in der Kammer gebildet hat, zur Entfernung ein mit Alkohol oder Spiritus getränktes Tuch verwenden. Schließlich sollte die Einspülkammer trocken gerieben werden und immer leicht geöffnet bleiben.

Ebenso sollte man mit der Tür verfahren: Unten in der Gummi-Türdichtung, dem sogenannten Faltenbalg, bleibt nach dem Waschen meist eine kleine Wasserpfütze zurück. Diese sollte man entfernen und die gesamte Dichtung trockenwischen. Noch hygienischer wird das Ganze mit Zitronensäure, die in Wasser aufgelöst wird. Damit kann auch das Glas der Tür optimal gereinigt werden. Die Waschmaschinentür sollte bei Nichtbenutzung des Geräts immer etwas offen stehen. Auch im Flusensieb der Waschmaschine bleibt immer etwas Wasser zurück, daher sollte auch das Sieb nicht nur regelmäßig gereinigt, sondern auch entleert und trockengehalten werden.

Desinfizierende Hausmittel: die sanften Alternativen zu Hygienewaschmitteln

Sensible Textilien, die weder Bleichmittel im Waschmittel noch hohe Temperaturen vertragen, können auch mit ebenso altbewährten wie einfachen Hausmitteln hygienisch gereinigt werden. Vor allem Essig hat sich schon zu Großmutters Zeiten bei verkeimter Wäsche bewährt. Herkömmlicher Tafelessig hat eine antibakterielle Wirkung und ist somit eine natürliche, preiswerte, umweltfreundliche und gesundheitlich unschädliche Alternative zum synthetischen Desinfektionswaschmittel.

Zumal ist Essig auch für Babys und Personen mit Allergien und Hautkrankheiten völlig unbedenklich – und besonders zuverlässig: Schon Essigsäure mit einer 1-prozentigen Konzentration reinigt hervorragend und rückt fast allen Krankheitserregern kraftvoll zu Leibe. Keime, Bakterien, Viren und Pilze werden abgetötet. Und das auf ganz einfache Weise: Man weicht die Wäsche etwa eine halbe Stunde lang in einer Flüssigkeit aus Essig und Wasser im Verhältnis 1:4 ein. Anschließend wäscht man die Textilien wie gewohnt.

Essig und Sauerstoffbleiche

Nur eines sollte man bedenken: Essig, insbesondere Essigessenz, kann Kunststoff und Gummi spröde machen und beschädigen. Deshalb sollte Essig nicht zur Reinigung der Waschmaschine und auch nicht beim Wäschewaschen in der Maschine verwendet werden.

Eine weitere prima Alternative zu Hygienewaschmitteln ist Sauerstoffbleiche. Auch sie hat sich als natürliches Desinfektionsmittel bewährt und schadet weder der Gesundheit noch der Umwelt. Zudem kann sie in der Waschmaschine eingesetzt werden, indem man sie zum Waschmittel in die Einspülkammer gibt. So ist Sauerstoffbleiche geeignet, sowohl die Waschmaschine als auch die Wäsche zu entkeimen und sauber zu halten.

Auch hier ist die Anwendung ganz einfach: ein bis zwei Esslöffel Sauerstoffbleiche zum Waschmittel geben und wie gewohnt waschen, am besten bei 60 Grad Normalwaschgang. Bei muffigem Geruch in der Waschmaschine ca. 100 g Sauerstoffbleiche einfüllen und – ohne Wäsche! – einen Waschgang bei 90 Grad durchlaufen lassen.

Fazit

Hygienewaschmittel und Hygienespüler sind durchaus wirksam, sollten aber nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen eingesetzt werden. In allen anderen Fällen – sei es, dass die Wäsche verkeimt ist bzw. sein könnte oder die Waschmaschine hygienisch gereinigt bzw. sauber gehalten werden soll, gilt: besser auf umweltfreundliche und gesundheitsschonende Alternativen setzen. Für eine gründliche Reinigung von „kritischer“ Wäsche genügt es, Hand- und Küchentücher, Spüllappen, Unterwäsche, Bettwäsche etc. immer separat bei höheren Temperaturen zu waschen.

 

Außerdem sind sowieso die wenigsten Erkrankungen auf Keime in der Wäsche zurückzuführen. Deshalb ist es normalerweise völlig ausreichend, die grundlegenden allgemeinen Hygieneregeln einzuhalten.
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Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

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