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Nachgefragt bei Frau Helm: Keine Angst vor der Darmspiegelung!

Kommentar schreiben Donnerstag, 12. September 2019

Eine Darmspiegelung ist die Untersuchung, die ich nie haben möchte, sagte die Tochter einer Freundin, als wir gemütlich beim Kaffee zusammensaßen. Ihr angewidertes Gesicht sprach Bände. Darmspiegelungen haben einfach keinen guten Ruf. Zuerst muss man literweise ein gruseliges Abführmittel trinken. Dann entleert sich der Darm unkontrolliert in unglaublicher Weise und nach Stunden dieses Grauens bohrt sich der Gastroenterologe mit einem Gerät durch den gesamten Dickdarm. Ist eigentlich kaum zu toppen. Aber was sein muss, muss sein. Am besten einen Termin machen und gar nicht darüber nachdenken…

 

Ein paar Fakten: Mit 50 beim Mann mit 55 bei der Frau

 

Ab dem 55. Lebensjahr wird der Frau eine Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung empfohlen und auch von der gesetzlichen und privaten Krankenkasse bezahlt. Da bei Männern das Darmkrebs-Risiko schon früher erhöht ist, sollten sie schon mit 50 eine Darmspiegelung durchführen lassen. Alles was man dafür braucht, ist eine Überweisung durch den Hausarzt und einen Termin bei einem Gastroenterologen (Magen-Darm-Spezialist).

 

Reicht nicht ein Stuhltest?

 

Jedem steht zwischen 50 und 54 jährlich ein Test auf nicht sichtbares (okkultes) Blut im Stuhl zu. Wer keine Darmspiegelung machen lässt, bekommt zudem ab 55 alle 2 Jahre einen Stuhltest auf Blut bezahlt. Warum Stuhltest? Tumore bluten mehr als gesunde Schleimhaut. Die Untersuchung ist jedoch nur ein Anhaltspunkt: Nicht jeder Tumor blutet und nicht immer bedeutet Blut gleich Krebs. Deshalb gibt erst eine Darmspiegelung endgültig Auskunft über den Gesundheitsstand im Darm. Bei Darmkrebs in der näheren Verwandtschaft wird schon vor 50 zu einer Darmspiegelung geraten

 

Bringt es etwas, eine Darmspiegelung durchführen zu lassen?

 

Definitiv ja. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung nach Brustkrebs. Jährlich erkranken ca. 60 000 Menschen, 25 000 sterben an der Krankheit. Von 1000 Menschen sterben bis zum 80. Lebensjahr 21 an Darmkrebs ohne Darmspiegelung und nur 6 von denen, die sich haben untersuchen lassen. Garantien gibt es nicht im Leben. Aber weniger Risiko.

 

Was sind die Risikofaktoren für Darmkrebs?

 

Hauptrisikofaktor ist das Alter. Nur 10 % der Erkrankungen treten vor dem 50. Lebensjahr auf, die Hälfte erst nach 70. Während aufgrund des Früherkennungsprogramms immer weniger der 50 plus-Generation an Darmkrebs erkranken und sterben, nimmt die Krankheit bei den zwischen 20- und 29-Jährigen neuerdings zu. Man weiß noch nicht, warum. Begünstigt wird Darmkrebs wie jeder Krebs durch Rauchen, Übergewicht, zu wenige Ballaststoffe, zu viel rotes Fleisch, Alkoholkonsum und mangelnde Bewegung.

 

Und wie war nun mein Weg durch die Darmspiegelung?

 

Gleich mal vorweg: Entwarnung. Es gibt deutlich Schlimmeres. Ich denke da an so manche Zahnarztbesuche. Ich fand die Darmspiegelung okay. Viel Lärm um Nichts, wäre etwas untertrieben. Es ist intensiv, so eine totale Darmentleerung. Aber sie hat auch was. Ich hatte das Gefühl, alles Alte, auch im übertragenen Sinn, ist raus, und ich kann neu anfangen.

 

Es wurde Zeit!

 

Das mit den Stuhltests hatte ich nicht weiter verfolgt. Die Testpäckchen, die mir meine Frauenärztin beim jährlichen Check für den Stuhltest gegeben hatte, lagen immer erst eine Weile herum, bevor ich sie dann doch unauffällig im Müll verschwinden ließ. Ganz und gar nicht vorbildlich! Mit 55 sollte es dann wenigstens zur Darmspiegelung gehen, fand sie. Deshalb bekam ich ungefragt eine Überweisung zum Gastroenterologen, der es ähnlich erging wie den Stuhltest-Briefchen. Also da hatte ich nun wirklich keine Lust drauf und natürlich auch keine Zeit und was es sonst noch an üblichen Ausreden gibt. Seitdem waren schon 3 Jahre vergangen. Jetzt war allerhöchste Eisenbahn!

 

Horrorberichte von Verwandten und Bekannten

 

Ich kenne nicht eine gute Berichterstattung zu einer Darmspiegelung. Früher war vielleicht auch alles schlimmer. Es gab nicht nur zwei, sondern drei Liter Trinklösung zum Abführen und sicher schmeckte sie auch schlechter. Dann wurde mir von lauten Schreien berichtet, die bei der schmerzhaften Untersuchung die ganze Praxis durchhallten. Die reinste Folterkammer.

 

Mutig voran!

 

Allen Horrorgeschichten zum Trotz hole ich mir todesmutig eine Überweisung bei meiner Hausärztin. Und mache einen Termin bei einem Gastroenterologen, den sie mir empfohlen hat. Es gibt gleich zwei Termine: Einen für das Vorgespräch und einen für die Untersuchung selbst.

 

Das Vorgespräch – alle Infos zur Untersuchung…

 

Erst erklärt mir der Facharzt den Ablauf der Untersuchung und klärt mich über die Risiken auf: Es kann selten zu Blutungen und sehr selten zu der Durchstoßung der Darmwand kommen. Da der erfahrene und vertrauenserweckende Facharzt jeden Tag Darmspiegelungen durchführt, bin ich sehr zuversichtlich, dass er sein Handwerk beherrscht und es nicht zu einer der seltenen Komplikationen kommen wird. Er erklärt, dass das Endoskop in den After eingeführt und durch den Enddarm und Dickdarm soweit wie möglich bis zum Dünndarm durchgeschoben wird. Dann wird der vollkommen leere Darm mit Luft gefüllt, damit er sich entfaltet. Durch das Endoskop, einem flexiblen Schlauch mit einer Lichtquelle am Ende, sieht der Arzt genau die Beschaffenheit des Darminneren, der Schleimhaut und der Gefäße. Über den Schlauch gibt es auch die Möglichkeit, mit Instrumenten Gewebe zu entnehmen und Polypen abzutragen. Das sind Schleimhautausbuchtungen, die in das Darminnere ragen und als Krebsvorstufen gelten. Eine Darmspiegelung untersucht deshalb nicht nur, sondern kann auch gleich behandeln. Sie dauert ca. 20-30 Minuten.

 

…und das berühmt-berüchtigte Abführmittel

 

Nachdem meine Fragen beantwortet sind, bleibt jetzt nur noch der Teil des Vorgesprächs, in dem ich mit dem Pulver für die Abführ-Trinklösung versorgt werde. Diesen Teil übernimmt eine Assistentin des Arztes. Sie erklärt mir alles und überreicht mir ein Päckchen mit 4 Tüten mit Pulver und der Beschreibung zu ihrer Anwendung und dazu, was ich wann vor der Untersuchung noch Essen darf. Gut vorbereitet verlasse ich die Praxis.

 

Warten, grübeln, Angst bekommen

 

Zwischen dem Vorgespräch und der Darmspiegelung liegen drei Wochen, weil ich zwischendrin in Urlaub bin. Der war schon lange geplant. Ist ja auch kein Problem. Aber es wurde eines daraus. Denn immer wieder sehe ich das ernste Gesicht des Arztes vor meinem inneren Auge, nachdem ich ihm gesagt habe, dass sehr enge Verwandte Polypen und meine Großmutter Darmkrebs hatten. Ja, dann wäre die Untersuchung überfällig. Ich bekam Angst. Was, wenn ich einen Tumor habe? Was, wenn ich mir sagen lassen müsste, hättest du dich nur schon vor 3 Jahren untersuchen lassen? Dann hätte man viel früher einschreiten oder die Tumorbildung ganz verhindern können. Ich steigerte mich zunehmend hinein in diese Angst und die Selbstvorwürfe, dass ich mich nicht schon früher habe untersuchen lassen. Was, wenn ich die drei Jahre, seitdem ich die erste Überweisung von meiner Frauenärztin bekommen und achtlos weggeworfen habe, vergeudet habe, wenn ich Schlimmeres hätte vermeiden können. Ich hatte plötzlich Angst. Aber vor dem Ergebnis, nicht vor der Untersuchung selbst. 

 

Die letzten Tage davor

 

Schon vier Tage vorher geht es los: Vorsicht keine Körner! Das heißt kein Vollkornbrot, keine Trauben, Kiwis, Nüsse, kein Mohn und keine anderen Körner und Samen. Sie könnten das Endoskop, das Gerät für die Darmspiegelung, verstopfen oder in Schleimhautfalten stecken bleiben und die Sicht behindern. Ab drei Tage vorher nur noch leichte Kost, die schnell den Darm passiert, z.B. Toastbrot oder Weißbrot.

 

Endlich ist es soweit!

 

Am Tag der Untersuchung darf ich gar nichts mehr essen. Dafür soll ich so viel wie möglich trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen: Wasser, Tee, klare Säfte, Gemüsebrühe ohne Inhalt. Auch Kaffee ohne Milch und Zucker ist erlaubt, bis eine Stunde vorher. Mein Termin ist am späten Nachmittag, weil ich unter Tag niemanden habe, der mich eben mal abholen kann. Denn wenn ich ein Schlafmittel will, und das will ich, kann ich hinterher nicht am Straßenverkehr teilnehmen, nicht mal als Fußgänger. Ich brauche einen Abholer und der hat erst gegen Abend Zeit.

 

7 Uhr: Erste Trinklösung

 

Man gebe zwei Päckchen Pulver mit Orangengeschmack in 1 Liter Wasser und rühre es um, bis sich das Pulver gelöst hat. Der Liter soll innerhalb einer Stunde getrunken werden. Das heißt, jede Viertelstunde ein großes Glas. Heißer Tipp: Ganz kaltes Wasser nehmen und beim Trinken die Nase zuhalten. Klar, ist die Trinklösung nicht super lecker, aber erträglich. Da braucht man sich wirklich keine Gedanken zu machen. Hinterher mindestens 1 Liter Wasser trinken.

 

Erste durchschlagende Reaktion

 

Nach der Stunde geht es sofort los. Ich sprinte zur Toilette und erleichtere mich spontan und ausgiebig. Da ich am Tag vorher nur 4 Toast ohne Auflage gegessen habe, kommt keine erschlagende Menge. Einfach loslassen! Ich sitze und sitze und sitze und stelle fest, dass zwar nicht viel kommt, aber kontinuierlich. Hm, das hätte ich mal früher wissen müssen. Mir wird langweilig. In einer vermeintlichen Pause renne ich schnell los, klaube Handy, Lesestoff und etwas zu trinken zusammen und laufe zurück. Noch ein heißer Tipp: Richten Sie es sich gemütlich im Bad ein, bevor es losgeht. Es könnte länger dauern…(ca. 1 Stunde).

 

10 Uhr: Zweite Trinklösung

 

Fast schon routiniert löse ich die zwei Päckchen Pulver in einem Liter kaltem Wasser auf. Dann nehme ich das erste große Glas mit zugehaltener Nase zu mir, genauso wie nach 15, 30 und 45 Minuten. Und schon geht es los in die nächste Runde. Dieses Mal bin ich schlauer und habe schon alles, was ich brauche, im Bad deponiert. Darunter auch eine Flasche Wasser und eine große Kanne Kräutertee. Man lernt dazu.

 

Ziel erreicht

 

Natürlich gibt es beim zweiten Durchgang nicht mehr viel auszuscheiden. Ich fühle mich schon ziemlich durchfegt. Zielvorgabe: die Ausscheidung ist nur noch flüssig und hat die Farbe von Kamillentee. Das habe ich hinbekommen. Bin ganz stolz.

 

Die Angst kommt wieder

 

Es ist ungefähr 12 Uhr und der Termin ist 15.45 Uhr. Ich traue mich noch nicht auf die Straße. Ist auch besser so. Immerhin kann ich noch etwas am PC arbeiten. Aber diese Abführ-Aktion nimmt schon die ganze Aufmerksamkeit und Energie in Anspruch. Langsam kriecht die Angst wieder in mir hoch. Hoffentlich geht es gut. Bitte. Hoffentlich findet er nichts.

 

Im Tiefschlaf: Ich merke nichts

 

Für die Untersuchung unten herum frei machen und mit einem Tuch zudecken. Da ich nicht life mit dabei sein möchte, bekomme ich ein Schlafmittel in die Vene und bin sofort weg. Ich bin im Tiefschlaf und bekomme von der Prozedur überhaupt nichts mit. Null. Also keine Sorge: Das Mittel ist zwar keine echte Narkose. Aber für den Patienten, also mich, die ich schon echte Narkosen hatte, fühlt es sich genauso an.

 

Langsam aufwachen und die Diagnose

 

Nach unbekannter Zeit komme ich langsam zu mir. Noch leicht benommen, teilt mir der Arzt mit: Sie haben Divertikel, aber keinen Tumor und keine Polypen. Die erlösende Diagnose dringt durch den Nebel des Schlafmittels zu mir durch. Keinen Tumor, nicht mal Polypen. Divertikel sind Ausbuchtungen der Darmwand nach außen. Sie haben an sich keinen Krankheitswert. Den bekommen sie, wenn sie sich entzünden sollten. Und natürlich sollen sich nicht noch mehr bilden. Das heißt: mehr trinken, mehr Ballaststoffe, mehr Bewegung!

 

Kaffee und Kekse

 

Aber zuerst gibt es Kaffee und Kekse als erste Stärkung von der Arzthelferin. Habe ich mir auch verdient. Und es fällt mir ein riesiger Stein vom Herzen. Später werde ich im Arztbericht lesen können, dass ich nur mehrere Divertikel habe und der übrige Dickdarm unauffällig, sprich gesund ist.

 

Was für ein Glück!

 

Nochmal gut gegangen. Ich kann nur jedem raten, sich frühzeitig untersuchen zu lassen. Es tut nicht weh. Es ist nicht schlimm. Es kann Leben retten, wenn Polypen entfernt und Tumore rechtzeitig entdeckt werden. Ich selbst habe mir die Diagnose Divertikel zu Herzen genommen und Einiges an meiner Ernährung geändert. Auch Bewegung steht verstärkt auf dem Plan. Ich bin dankbar für den Motivationsschub, noch mehr für meine Gesundheit zu tun. Danke!

 

 

 

 

Weitere Informationen

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/index.php

https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html

Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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