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Quarkwickel – Das kalte Multitalent

Kommentar schreiben Montag, 08. Juni 2015

Ob Tennisarm, Sehnenscheidenentzündung, Halsschmerzen oder Sonnenbrand – der Quarkwickel schafft schnell und kostengünstig Abhilfe. Er kühlt wohltuend, wirkt entzündungshemmend, abschwellend und schmerzlindernd. Seit wann gibt es Wickel? Warum gerade Quark? Bei welchen Beschwerden kann man den Wickel einsetzen? Wie wird er Wickel zubereitet und angewendet?



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Inhaltsverzeichnis:

Die Geschichte des Wickels 

Schon in der Steinzeit nutzten die Menschen die wohltuende Wirkung von kaltem Wasser bei verstauchten Gelenken. Sie hielten ihren Fuß in den nächstgelegenen kalten Bach, um eine Schwellung oder einen Bluterguss zu verhindern. Das frühe naturheilkundliche Wissen haben sie sich bei den Tieren abgeschaut. Die alten Ägypter arbeiteten mit Packungen aus Nilschlamm. Der griechische Arzt Hippokrates setzte Umschläge in seiner Medizin ein und Paracelsus legte Heilkräuterwickel an. Im 19. Jahrhundert fanden Wickel durch Vincenz Prießnitz und Sebastian Kneipp wieder Einlass in die Heilkunde. Im 20. Jahrhundert wurden sie in der anthroposophischen Pflege und Medizin von Rudolf Steiner neu aufgegriffen. Wickel sind eine sehr effektive Methode, die von jedem leicht anwendet werden kann. Sie hat beim zunehmenden Interesse an Naturheilweisen wieder stark an Aktualität gewonnen.

 

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Warum gerade Quark? 

Quark enthält viel Flüssigkeit. Wenn sie auf den erhitzten Körperstellen verdunstet, entsteht die gewünschte Kälte. Die im Quark enthaltene Milchsäure entzieht dem Gewebe Entzündungsstoffe und bindet sie. Wird der Quark direkt auf die Haut gegeben, zieht er sich beim Trocknen zusammen und regt damit die Durchblutung an. Quarkwickel sind sehr gut verträglich und es gibt keine Nebenwirkungen und kaum Kontraindikationen. Ein weiterer Vorteil ist die beliebige und preisgünstige Verfügbarkeit des heilsamen Milchprodukts.

Wirkungen des Quarkwickels 

Am bekanntesten ist der kühlende Effekt. Das tut nicht nur gut, sondern verengt auch die Gefäße. Dadurch wird die Durchblutung herabgesetzt, Rötungen gehen zurück und das Gewebe schwillt ab. Entzündungsstoffe werden herausgezogen, Infektionen heilen leichter ab. Desweiteren reduziert die Kälte die Schmerzempfindung.

Die Anwendungsgebiete des Quarkwickels 

Kalt wird der Quarkwickel bei Schmerzen durch Schwellungen und entzündliche Prozesse, bei Fieber und leichten Verbrennungen ohne Verletzung der Haut eingesetzt.

 

Beispiele:

 

  • Akute Gelenkschmerzen und –entzündungen
  • Verstauchungen, Prellungen
  • Blutergüsse (Hämatom)
  • Akute Sehnenscheidenentzündung
  • Tennisarm
  • Entzündliche Hauterkrankungen (z.B. Akne, Erysipel)
  • Leichter Sonnenbrand
  • Brustentzündungen
  • Milchstau
  • Krampfadern
  • Entzündung der oberflächlichen Venen (Thrombophlebitis)
  • Ekzeme
  • Insektenstiche
  • Juckreiz
     

Bei schwerwiegenden, länger anhaltenden Entzündungen sollte zusätzlich ein Arzt aufgesucht werden.

 

Auch körperwarm findet der Quarkwickel seine Anwendung.

 

Beispiele dafür sind:

 

  • Halsschmerzen
  • Heiserkeit
  • Husten
  • Bronchitis
  • Kieferhöhlenentzündung
     

Kontraindikationen: Wann sollte der Quarkwickel gemieden werden?

Quarkwickel dürfen nicht angelegt werden bei offenen Wunden, starken Verbrennungen und Sonnenbränden, bei Durchblutungs- und Empfindungsstörungen und gelähmten Körperteilen.

Quarkwickel: Die Zubereitung und Behandlung 

Quark wird durch die Verdunstung seiner Flüssigkeit ganz fest auf der Haut. Es bereitet etwas Mühe, ihn wieder abzuwaschen. Deshalb wird oft geraten, ihn nicht direkt auf die Haut aufzutragen. Möchte man jedoch die entzündungshemmende Wirkung erfahren, macht der direkte Kontakt Sinn.

Ist das Ziel die Kühlung, sollte der Wickel frühzeitig abgenommen und gewechselt werden, bevor er zu trocknen beginnt. Erstens ist der kühlende Effekt sonst weg und zweitens kommt es durch das zusammenziehende Trocknen zur Durchblutungsanregung und damit Erwärmung.

Benutzt man die Quarkauflage aber z.B. auf unreiner, fahler Haut, kann man sie ausnahmsweise bis zur Trocknung darauf belassen, da dann der Reinigungs- und Durchblutungseffekt erwünscht ist.

Material für den Wickel:

 

  • Magerquark (genügt, da kein Mehreffekt durch höheren Fettanteil), bei Anwendung mit direktem Hautkontakt am besten Bio-Quark
  • Messer oder Spatel
  • Sauberes Tuch, z.B. Geschirrhandtuch, oder Kompressen
  • Evtl. Mullbinde zum Fixieren
  • Evtl. Unterlage als Schutz für das Bett oder Sofa (großes Handtuch)
     
Wichtig: Der Quark soll nicht frisch aus dem Kühlschrank verwendet werden. Erst etwas warten, bis er eine Temperatur von ca. 18 Grad hat.

 

Der Quark wird ca. 0,5 cm dick mit dem Messer oder Spatel auf das Tuch gestrichen. Bei Kindern, dünnen und leicht frierenden Patienten kann die Auflage auch dünner sein. Danach wir das Tuch eingeschlagen, so dass der Quark sich im Inneren befindet. Der Wickel kann auf die zu kühlende Körperstelle gelegt werden. Bei Bedarf kann man ihn mit einer Mullbinde oder einem weiteren Geschirrtuch fixieren.

 

Die Anwendungsdauer liegt bei akuten Entzündungen, Fieber und leichten bei 15-20 Minuten. Bei starken Entzündungen und entsprechender Wärme des Gewebes wird der Wickel schnell warm und muss 2-3 mal gewechselt werden.

 

Bei allen anderen Beschwerden den Wickel so lange belassen, bis der Quark zu trocknen beginnt und bröckelig wird.

 

Hat man die Seite des Tuchs mit dem Quark nicht eingeschlagen, sondern das kühlende Nass direkt auf die Haut gelegt, was an stark behaarten Körperstellen wohl überlegt sein will, hinterher duschen oder mit einem Waschlappen abnehmen.

 

Ein Tipp für stillende Mütter mit Milchstau oder Brustentzündung: Um die empfindlichen Brustwarzen zu schützen, schneidet man 2 übereinanderliegende Haushaltsrollenblätter in Form der Brust aus. Dann schneidet man in der Mitte ein Loch in der Größe der Brustwarze aus. Jetzt kommt der kühlende Quark zwischen die beiden Blätter und der formgenaue Wickel kann im Liegen aufgelegt werden.

 

Bei Halsschmerzen je nach Wunsch einen kühlenden oder körperwarmen Wickel anrichten und nur vorne, nicht hinten über die Wirbelsäule, legen. Mit einem Baumwollschal befestigen und bei Bedarf noch einen Wollschal darüber geben. Dauer: Bis der Quark trocken ist. Nach dem Wickel den Hals noch eine Weile mit einem Schal geschützt halten.

 

Für körperwarme Wickel, z.B. als Brustwickel bei Husten und Bronchitis, den Quark im Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen. Das weitere Procedere bleibt gleich. Brustwickel wirken schleimlösend, entkrampfend, abschwellend und hustenstillend. Man sollte nach der 20-minütigen Behandlung mindestens eine Viertelstunde nachruhen.

 

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Bildnachweis:

©Esther Merbt, pixabay.com

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Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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