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Schnarchen: Die besten Methoden gegen den Lastwagen im Schlafzimmer

Kommentar schreiben Samstag, 28. März 2015

In Deutschland schnarchen schätzungsweise 30 Millionen Menschen; 90 Prozent der nächtlichen Ruhestörer sind Männer. Aber wieso schnarcht man überhaupt? Alles über das Phänomen des Schnarchens, seine Ursachen und die Behandlungsmethoden im Überblick.

Schnarchen - ein Presslufthammer oder LKW im Schlafzimmer

10 Prozent aller Männer im Alter von 30 Jahren schnarchen; bei Frauen sind es 5 Prozent. Auch Kinder können betroffen sein: Etwa 10 Prozent aller Kinder schnarchen. Die Schnarchproblematik wächst mit zunehmendem Alter: 60 Prozent aller Männer über 60 Jahren schnarchen; Frauen sind zu 40 Prozent betroffen. Das Schnarchen bei Frauen wird meist im höheren Alter, nach dem Klimakterium, beobachtet. Hier kann die nachlassende Produktion der Östrogene Einfluss auf die Entstehung des Schnarchens haben.

Die Lautstärke der Schnarchgeräusche kann von Fall zu Fall variieren: während die Einen sehr leise schnarchen können die Anderen sehr laute und störende Geräusche von sich geben, welche den Bettnachbarn vom Schlafen abhalten oder nötigen, ins Nebenzimmer zu flüchten. Im Guinessbuch der Rekorde ist eine Schnarchlautstärke von 93 Dezibel notiert worden – eine Lautstärke die einem Presslufthammer gleicht oder mit einer vielbefahrenen Autobahn gleichzusetzen ist.

Die Ursachen des Schnarchens

Es gibt viele Faktoren, die als Ursache für das Schnarchen in Frage kommen können. Im Schlaf kommt eine Entspannung (Erschlaffung) der Atemmuskulatur zustande, die aufgrund des Luftstroms beim Ein-und Ausatmen zu schwingen beginnen. Betroffen sind hierbei das Zäpfchen und das Gaumensegel, selten auch Rachen und Zungengrund. Das Schnarchen wird sehr häufig durch eine Verengung der oberen Luftwege hervorgerufen, die durch viele Faktoren beeinflusst werden. Mögliche Ursachen sind:

  • genetische Veranlagung
  • höheres Lebensalter
  • Übergewicht
  • Alkohol - Alkoholkonsum fördert den Vorgang des Schnarchens, indem die Gaumensegel erschlaffen und im Sog der Atemluft zu flattern beginnen
  • Schlafmittel - die Einnahme von Schlafmitteln sowie Beruhigungsmitteln fördern den Vorgang des Schnarchens, indem die Gaumensegeln erschlaffen und im Sog der Atemluft zu flattern beginnen
  • erhöhter Nasenwiderstand - eine ständig verstopfte Nase, chronische Entzündungen, Allergien oder eine verkrümmte Nasenscheidewand können Schnarchen verursachen
  • Rachenmandeln - vergrößerte Rachenmandeln können eine Behinderung bzw. Obstruktion der Atemwege bewirken und das Schnarchen begünstigen
  • anatomisch bedingt durch eine große Zunge oder einen Kehlkopftiefstand
  • Rückenlage - oftmals setzt das Schnarchen in der Rückenlage ein, da in dieser Position der Unterkiefer des Schlafenden nicht gestützt wird und er durch den geöffneten Mund  atmet

Schnarchen: Die Symptome am Morgen danach

In der Regel bemerkt der Betroffene sein Schnarchen nicht – nur die gelegentliche Seitenhiebe der Partnerin / des Partners oder dessen Zudrücken der Nase lässt den Schnarchenden darauf aufmerksam machen, dass dieser "gelärmt" hat.

Menschen, die schnarchen, leiden vielmehr unter den Folgen des Schnarchens:

  • Mundtrockenheit
  • Heiserkeit
  • Halsschmerzen

Gesundheitliche Relevanz – Kann Schnarchen gefährlich werden?

Schnarchen kann dann gefährlich werden, wenn der Luftweg vollständig verschlossen, beispielsweise das Zurückfallen des hinteren Teils der Zunge in den Rachen, und es zu Atemaussetzern kommt. Das Vorliegen des zeitweiligen Verschlusses der oberen Atemwege führt zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxie) und zu einer Störung des Schlafes durch Aufweckreaktionen (Arousals). Die Folge: Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen. Bei sehr ausgeprägtem Schnarchen ist die Rede von "obstruktivem Schnarchen".

Die bedrohlichste Form des Schnarchens stellt das obstruktivie-Schlaf-Apnoe-Syndrom, kurz OSAS bezeichnet, dar. Hierbei führt es zu einer wiederholten, kompletten Obstruktion (Verschluss) der oberen Atemwege innerhalb des Schlafes mit Absinken des Sauerstoffgehaltes im Blut und Abbruch der Schlafphasen.

Zu den Leitsymptomen eines OSAS zählen:

  • Lautes, unregelmäßiges Schnarchen
  • Erhöhte Morgen- und Tagesmüdigkeit
  • Erhöhte Einschlafneigung während des Tages

Darüber hinaus werden weitere Symptome beobachtet, wie zum Beispiel

  • Nicht erholsamer Schlaf
  • Schweißneigung während der Nacht
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Nächtliches Erwachen mit Atemnot
  • Konzentrationsstörung
  • Depression

Ebenfalls ist in wissenschaftlichen Studien erwiesen worden, dass das Risiko an Bluthochdruck zu leiden, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu bekommen, steigt.

Die Behandlungsmethoden bei Schnarchen

Nicht jedes nächtliche Schnarchen muss unbedingt behandelt werden. Primäres Schnarchen ohne Krankheitswert, auch kompensiertes Schnarchen genannt, ist zwar störend, aber hat für den Betroffenen ohne Schlafapnoe-Phasen keine gesundheitlichen Konsequenzen.

Das Schnarchen kann durch das Tragen einer

  • Schnarchbandage
  • Gaumenspange
  • Kieferprotrusions-Schiene
  • Mundvorhofplatte

verhindert werden. Mit der sogenannten Schnarchbandage wird der Unterkiefer mit einem elastischen Gurt fixiert, damit der Mund geschlossen bleibt und der Unterkiefer nicht erschlafft zurückfällt. Den gleichen Effekt erfüllt die Mundvorhofplatte, die zwischen die Lippen und die Frontzähne gesetzt wird und die Atmung durch den Mund unterdrückt.  Mit einer Kieferprotrusions-Schiene, welche zu 50 Prozent erfolgsbringend ist, bleibt der Kiefer in einer festen Position: Die Zunge kann nicht zurückfallen und die Atemwege bleiben frei. Eine Gaumenspange fixiert das Gaumensegel, wodurch der Luftkanal hinter dem Gaumensegel frei bleibt und die störenden Schnarchgeräusche nachlassen.

Eine Verbesserung der Beschwerden kann auch durch eine Umstellung der Lebensweise erreicht werden: Sowohl eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht als auch eine Alkohol-Karenz kurz vor der Schlafenszeit sowie eine Veränderung der Schlafposition (nicht in Rückenlage schlafen) kann das Schnarchen unterbinden.

Ein OSAS muss behandelt werden

Ein OSAS dagegen muss behandelt werden. Unbehandelt ist nämlich nicht nur die Lebensqualität des Betroffenen beeinträchtigt, sondern auch die Lebenserwartung minimiert. Ein Beispiel: bei 43 Atemaussetzern pro Stunde besteht ein vierfaches Risiko in den nächsten fünf Jahren zu versterben.

Sofern der Verdacht besteht, dass es bei dem Betroffenen zu Atemaussetzern kommt, sollte ein Schlaflabor aufgesucht zu werden, um eine Schlafapnoe definitiv festzustellen. Mit einer Atemmaske als Behandlungsmethode kann Abhilfe geschafft werden - das Tragen einer Atemmaske lässt den Druck in den Atemwegen erhöhen und verhindert das Erschlaffen der Atemmuskulatur, wodurch somit auch das Schnarchen verhindert wird.

Eine OP als letzte Alternative gegen das Schnarchen?

Jeder chirurgische Eingriff ist mit Risiken verbunden, weshalb einer Operation erst dann in Betracht gezogen werden sollte, wenn alle anderen Möglichkeiten ohne Erfolg waren. Ein gängiges OP-Verfahren, welches angewendet wird, ist die Gaumensegelplastik, bei der das Gaumensegelzäpfchen nach oben vernäht und zusätzlich Gewebe an der Unterseite der unteren Nasenmuschel verdampft, wodurch die Verengung der Atemwege behoben werden soll. Eine weitere Operation ist die der Uvula-Palato-Pharyngo-Plastik (UPPP): Hier werden Gaumen und die Schleimhaut des Rachens gestrafft und das Zäpfchen zum Teil entfernt. Die Durchführung einer Operation mittels Radiofrequenztherapie ist eine weitere Möglichkeit, das Schnarchen zu beseitigen. Durch hochdosierte Radiowellen wird das Gewebe aus dem Rachenbereich abgetragen.

Ist das Schnarchen durch vergrößerte Mandeln, Polypen oder eine verkrümmte Nasenscheidewand bedingt, kann eine durchgeführte Operation eine Verbesserung erreichen.

Der zu behandelnde Arzt sollte den Betroffenen über Risiken und Nebenwirkungen gründlich informieren und darüber in Kenntnis setzen, dass nach eine Operation zum Beispiel Probleme beim Sprechen und Schlucken auftreten können; auch Verletzungen an Gaumen, Zäpfchen, Zunge und Zähnen sind keine Seltenheit.

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J. Ehresmann
Autor: J. Ehresmann

Die ausgebildete Operations-Technische Assistentin hat nach ihrer dreijährigen Ausbildung eine Weiterbildung zur Chirurgisch-Technischen Assistentin in der Allgemein- und Visceralchirurgie in Köln absolviert. Inzwischen blickt sie auf eine mehrjährige Erfahrung in der OP-Assistenz in diesem Fachgebiet zurück. Neben ihrer Tätigkeit im OP studiert Frau Ehresmann Humanmedizin in einem Modellstudiengang in Aachen.

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