© fotolia.com

Schwarzkümmelöl: „Wundermittel“ oder einfach nur ein gesundes Geschenk der Natur?

Kommentar schreiben Donnerstag, 23. August 2018

Viele lieben es ganz einfach wegen seines leicht exotischen Geschmacks mit den Aromen von Pfeffer, Kreuzkümmel und Sesam.Geschätzt wird es wegen seiner vielen gesunden Inhaltsstoffe. Und nicht wenige Naturheilkundige sehen fast so etwas wie ein Allround-Wundermittel darin. Die Rede ist von Schwarzkümmelöl – ein Geschenk der Natur, in dem viel Gutes steckt und das aus immer mehr Küchen und Hausapotheken nicht wegzudenken ist. Was steckt wirklich drin im Schwarzkümmelöl, was macht seine geballte Power aus?

 

Räumen wir gleich am Anfang mal auf mit einem verbreiteten Irrtum. Der „Echte Schwarzkümmel“, meist einfach nur Schwarzkümmel genannt, ist weder mit Kümmel noch mit Kreuzkümmel verwandt – auch wenn er nach Letzterem ganz leicht schmeckt. Während es sich bei Kümmel und Kreuzkümmel um Doldenblütler handelt, ist Schwarzkümmel eine Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in Westasien, der Türkei und im Irak; verbreitet wächst sie auch in Indien, Pakistan, Nordafrika sowie in Südeuropa.

 

„Schwarzkümmel hilft gegen jede Krankheit, außer gegen den Tod“, soll der Prophet Mohammed einmal geschwärmt haben – vor rund 1.600 Jahren. Das allein sagt schon viel aus: Schwarzkümmel ist im Orient nicht nur als pfeffriges Gewürz schon seit Jahrhunderten bekannt, sondern wird seit alter Zeit auch als Heilpflanze verwendet.

 

Anwendungsgebiete von Schwarzkümmelöl

 

Vor allem das Öl des Schwarzkümmels spielt hierbei eine zentrale Rolle. Es wird nicht nur in vielen fernen Ländern – und auch hierzulande immer mehr – als Speiseöl genutzt, sondern es werden ihm auch enorm viele gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Kein Wunder also, dass es beispielsweise in der ägyptischen Volksmedizin, in der ayurvedischen Heilkunst und auch bei hiesigen Naturheilkundlern häufig zur Anwendung kommt.

 

Schwarzkümmelöl besitzt erwiesenermaßen antibakterielle und entzündungshemmende (bakterientötende) Effekte, dazu soll es auch schmerzlindernd, entkrampfend, antifungal (pilztötend), blutdrucksenkend sowie antioxidativ (also gegen freie Radikale) wirken. Helfen kann Schwarzkümmelöl demnach unter anderem bei Allergien, Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte und weiteren Hautproblemen sowie bei Haarausfall. Ebenso setzt man es verbreitet bei Fußpilz, Blähungen und anderen Verdauungsstörungen, zur Regulierung des Immunsystems und gegen Asthma ein. Sogar Krebskranke berichten von Erfolgen des Schwarzkümmelöls, wenn sie es gegen die unangenehmen Begleiterscheinungen einer Chemotherapie anwenden. Und die Einsatzmöglichkeiten gehen noch weiter: sie reichen von Schnupfen, Atemwegs- und Harnwegserkrankungen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte über Kopf-, Zahn- und Regelschmerzen, Gelenkbeschwerden und Rheuma bis hin zu ADHS bei Kindern, Diabetes mellitus und einem zu geringen Milchfluss bei stillenden Müttern.

 

Tiermediziner greifen gerne zum Schwarzkümmelöl, etwa um Pferde gegen Stechmücken, Fliegen und Parasiten zu schützen. Ebenso kann das Öl Hunden (aber nicht Katzen, die vertragen es nicht!) und auch Menschen als natürliches Mittel gegen Zecken sowie Milben und anderes Ungeziefer dienen. Dafür ist wohl vor allem der sehr hohe Anteil ätherischer Öle im Schwarzkümmelöl verantwortlich, allen voran der pflanzliche Wirkstoff Thymoquinon. Diesen „Duftstoff“ können Zecken, wie diverse Versuche und Untersuchungen ergeben haben, wohl gar nicht leiden.

 

Was für eine geballte Naturkraft muss also in diesem Öl stecken, wenn es so viele Beschwerden und Erkrankungen bekämpfen kann – und daneben auch noch die Schönheit unterstützen soll: In diversen Kosmetikprodukten, besonders in Naturkosmetika, steckt Schwarzkümmelöl und soll somit zu schönem Teint, gesunder Haut und glänzendem, vollen Haar verhelfen.

 

Ob fett oder ätherisch – so vielseitig ist Schwarzkümmelöl

 

Beim Schwarzkümmelöl handelt es sich entweder um das fette Öl, das durch Pressen der Samen gewonnen wird, oder um das ätherische Öl des Schwarzkümmels, das hauptsächlich durch Verdampfung der Samen produziert wird. Das fette Öl ist von sattgelber oder braunroter Farbe, es riecht aromatisch-pfeffrig und hat verschiedenen Fett- und Fettsäureanteile. Das ätherische Schwarzkümmelöl ist dünnflüssiger, seine Farbe wandelt sich bei längerer Lagerung von hellgelb zu rot. Es steckt zum Teil auch in dem fetten Öl, das man nach der Pressung der Samen erhält, und entfaltet dort etwas abgeschwächt seine spezifischen Wirkungen.

 

Welches Öl man nun verwendet, hängt vom jeweiligen Anwendungsgebiet ab. Das fette Öl wird wie andere Pflanzenöle auch verwendet, man setzt es Speisen zu oder nimmt es löffelweise ein, zudem eignet es sich natürlich auch zur äußerlichen Behandlung z.B. der Haut. Ätherische Schwarzkümmelöl steckt hauptsächlich in Kapseln oder anderen Schwarzkümmel-Arzneien; vielfach wird es auch nur äußerlich angewendet.  

 

Inhaltsstoffe mit breit gefächerter Wirkung

 

Was genau steckt nun aber drin im vielgepriesenen Schwarzkümmelöl? Zunächst einmal enthält es mehrere entzündungshemmende Inhaltsstoffe, die die Produktion von Prostaglandinen fördern. Diese Gewebshormone verringern unter anderem die Ausschüttung von Histamin, einem Botenstoff, der im Körper für die typischen allergischen Beschwerden wie Juckreiz, Rötungen, Brennen etc. verantwortlich ist. Hervorzuheben ist der keimtötende Pflanzenstoff Thymochinon, der allergische Symptome regulieren kann.

 

Der gerade mal einprozentige Anteil an ätherischen Ölen, der im Schwarzkümmelöl enthalten ist, reicht schon aus, um bei Atemwegsinfektionen, Asthma und auch bei allergischen Symptomen den Luftwegen gut zu tun. Wird ätherisches Schwarzkümmelöl zum Inhalieren verwendet, kommt besonders die Wirkung des Saponins Melanthin zum Tragen, das die Atemwege reinigen und festsitzendes Sekret lockern kann. Bei krampfartigem Husten hilft in erster Linie der Bitterstoff Nigellon Semohiorpion. Auch die reichlich enthaltenen Gerb- und Seifenstoffe (Saponine) können asthmatische Beschwerden lindern.

 

Viel gepriesen wird das Schwarzkümmelöl auch wegen seines hohen Anteils (bis zu 60 Prozent!) an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem Gamma-Linolensäure. Je besser die Qualität des Öls, desto höher ist der Anteil. Diese Fettsäuren sind für ihre gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. Sie wirken Entzündungen im Körper entgegen, bekämpfen freie Radikale und regulieren das Immun- und Nervensystem.

 

Schwarzkümmelöl enthält zudem die meisten der wichtigsten essenziellen Aminosäuren. Diese Bausteine des Eiweißes sind wichtig für einen gut funktionierenden Stoffwechsel im menschlichen Körper. Sie tragen zur Leistungssteigerung des gesamten Organismus bei, dienen dem Schutz und der Erneuerung der Zellen, sind am Muskelaufbau beteiligt und erhöhen die Widerstandsfähigkeit, indem sie das Immunsystem stärken.

 

Nicht zuletzt enthält Schwarzkümmelöl zahlreiche wichtige Vitamine und Mineralstoffe:

  • Beta-Carotin für gesunde Haut und Haare und für den Zellschutz
  • so gut wie alle B-Vitamine für starke Nerven, eine gute Gehirnleistung, einen funktionierenden Zellstoffwechsel und für die Blutbildung
  • antioxidatives, immunstärkendes Vitamin C, das auch dafür sorgt, dass genug Eisen aus der Nahrung aufgenommen wird
  • Vitamin E für eine gesunde Blutgerinnung
  • dazu kommen die wichtigen Mineralstoffe Magnesium (das „Anti-Stress“- und Muskel-Mineral) sowie das Spurenelement Selen gegen oxidativen Stress und Entzündungsschäden
  • nicht zu vergessen Zink und Kupfer, die für zahlreiche Prozesse in einem gesunden Körper unerlässlich sind

 

Herkunft, Produktion, Beschaffenheit – die Qualität muss stimmen

 

All diese positiven Effekte können natürlich nur dann zur Geltung kommen, wenn es sich um ein hochwertiges Schwarzkümmelöl-Produkt handelt. Entsprechend wichtig ist es, bei allen Produkten – ob Öl, Kapseln, Tinkturen oder Tees – immer auf beste Qualität zu achten. Leider gibt es viele minderwertige Produkte, die – ebenso wie die wirklich guten – einen stolzen Preis kosten. Schwarzkümmelöl sollte zunächst einmal immer kalt gepresst und frei von jeglichen künstlichen Zusatzstoffen sein. Die besten Produkte gibt es in der Apotheke, im Reformhaus oder im gut geführten Naturkost-Fachhandel. Dort erhält man Öle in kontrollierter Bio-Qualität aus nachweisbar naturnaher, hochwertiger und fairer Produktion.

 

Die Herkunft spielt eine nicht unbedeutende Rolle: Meist sind Öle aus Ägypten oder Syrien besonders hochwertig und erfahrungsgemäß am besten verträglich. Ob man dann ein gefiltertes oder ungefiltertes Produkt wählt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Das ungefilterte Öl ist dunkler und schmeckt intensiver, das gefilterte wird von vielen Käufern bevorzugt, da es milder schmeckt und sich nicht so viele (allerdings unbedenkliche) „Flocken“ aus Schweb- und Trübstoffen darin befinden. Jedoch ist gerade dieses Mehr an Schweb- und Trübstoffen, in denen auch immer kleine Reste der Schwarzkümmelsamen stecken, ein Zeichen für beste Qualität. Denn das ungefilterte Öl ist deutlich naturbelassener und enthält auch mehr sekundäre Pflanzenstoffe als ungefiltertes Öl.

 

So hervorragend der Ruf auch ist, den das Schwarzkümmelöl in naturheilkundlich orientierten Kreisen und bei Gesundheitsbewussten genießt: Die reine Lehre (sprich: die Schulwissenschaft) versucht immer wieder, die Lobeshymnen über das exotische Öl zu dämpfen. Nicht, dass jemals behauptet worden wäre, Schwarzkümmelöl sei ungesund! Jedoch ist aus streng wissenschaftlicher Sicht nur ein relativ kleiner Teil der vielen segensreichen Wirkungen, die dem Öl nachgesagt werden, tatsächlich hinreichend belegt.

 

Die Experten streiten: Wie wirksam ist Schwarzkümmelöl tatsächlich?

 

Kein Zweifel besteht mehr darüber, dass vor allem das ätherische Schwarzkümmelöl eine antibakterielle Wirkung hat. Lediglich Hinweise gibt es dagegen auf die entzündungshemmende, pilztötende und immunstimulierende Wirkung sowie auf eine Besserung von Asthma und rheumatischen Erkrankungen unter der Einnahme von Schwarzkümmelöl. Dass das Öl hilft, Bluthochdruck und den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern zu senken sowie gegen Autoimmunerkrankungen anzugehen. Auch dazu lieferten Studien zumindest vielversprechende Ergebnisse, aber noch keine Beweise. In Tierversuchen zeigte das Öl entzündungshemmende, krampflösende, eventuell sogar krebsbekämpfende Wirkungen. Entsprechende Belege nach Tests an Menschen stehen bisher aber noch aus.

 

Insgesamt gibt es Hunderte von Studien und Analysen zu den Wirkstoffen des Schwarzkümmelöls. Vielfach wurde zwar ein Effekt festgestellt, jedoch die Wirkungsweise der Inhaltsstoffe nicht ausreichend verstanden – auch das hält Wissenschaftler davon ab, klar von gesundheitsfördernden Effekten zu sprechen.  Die Heilwirkung von Schwarzkümmelprodukten gilt also nach wie vor als „umstritten“, zumal in Studien häufig einzelne Bestandteile des Öls in wesentlich höheren Konzentrationen eingesetzt werden als sie im Öl selbst vorhanden sind. Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass die Wirkung des natürlichen Schwarzkümmelöls, das aus einer Vielzahl von Inhaltsstoffen besteht, vermutlich schwächer ist als die Effekte einzeln herausgenommener Wirkstoffe.

 

Kann das Öl auch schaden?

 

Wegen der vielen Inhaltsstoffe, deren Wirkung nicht eindeutig zugeordnet und geklärt ist, ist es ratsam (vor allem wenn man Schwarzkümmelöl regelmäßig und längerfristig z.B. als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchte), vor der Einnahme erst einmal mit dem Arzt zu sprechen – vor allem dann, wenn man nicht ganz gesund oder schwanger ist. Vergessen sollte man auch nicht, dass Schwarzkümmelöl lediglich als Hausmittel gesehen wird, das die medizinische Behandlung einer Krankheit unterstützen, keinesfalls aber ersetzen kann!

 

Erwähnenswert ist auch, dass manchen Menschen Schwarzkümmelöl nicht besonders gut bekommt. Entsprechend empfindliche Personen verspüren manchmal, vor allem zu Beginn der Einnahme, leichtere Magen-Darm-Beschwerden und müssen verstärkt aufstoßen. Will man das Öl weiterhin einnehmen, kann es helfen, sich ganz langsam daran zu gewöhnen, also mit einer kleinen Dosis anzufangen und diese nach und nach zu steigern.

 

Unser Fazit: Ob Wundermittel, einfach nur ein gutes Naturprodukt oder nicht mehr und nicht weniger als ein Nahrungsergänzungsmittel – eines kann man mit Sicherheit festhalten: Natürliches, hochwertiges Schwarzkümmelöl ist, in angemessenen Mengen genossen und bewusst eingenommen, zweifellos ein gesundes Lebensmittel, das zudem auch noch einen angenehmen Geschmack hat. Und was die vielen gesundheitsfördernden Eigenschaften, von denen ja viele Heilkundige und auch nicht wenige „Schulmediziner“ überzeugt sind: widerlegt sind sie zumindest nicht.

Beiträge die Sie auch interessieren könnten

Helga Boschitz
Autor: Helga Boschitz

Helga Boschitz, Jahrgang 1966, ist freie Journalistin und Texterin, lebt in Nürnberg und gehört seit Januar 2016 zum apomio.de-Team. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie seit Anfang der 1990er-Jahre als Magazinredakteurin und Moderatorin in Hörfunk- und Fernsehredaktionen u.a. beim Südwestrundfunk, Hessischen Rundfunk und Westdeutschen Rundfunk. Medizin- und Verbraucherthemen sind ihr aus ihrer Arbeit für das Magazin „Schrot und Korn“ sowie aus verschiedenen Tätigkeiten als Texterin vertraut.

Schreib einen Kommentar

help
help
help

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Zu unseren Datenschutzbestimmungen.