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Sodbrennen – Präparate zur Selbstmedikation im Vergleich

Kommentar schreiben Donnerstag, 10. November 2022

Schmerzen, ein Druckgefühl im Oberbauch sowie saures Aufstoßen: nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts leidet etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland gelegentlich unter Sodbrennen.

Es tritt auf, wenn der Mageninhalt nach oben in die Speiseröhre gelangt und der aufsteigende Magensaft die dortige Schleimhaut reizt.

Das Sekret besteht zu einem großen Anteil aus Wasser und Magensäure. Diese wird von den sogenannten Belegzellen in der Magenschleimhaut gebildet. Das saure Milieu dient dem Unschädlichmachen von Krankheitserregern und der Vorbereitung des Speisebreis auf die weitere Verwertung im Dünndarm.

Um zu verhindern, dass der Magen sich selbst verdaut, wird er durch eine Schicht aus Schleim geschützt, die von verschiedenen Zellen der Magenschleimhaut hergestellt wird.

 

 

Ursachen für Sodbrennen

Die Gründe für das Brennen hinter dem Brustbein können sehr vielschichtig sein:

 

Lebensführung

 

Genussmittel wie Kaffee, Nikotin oder Alkohol kurbeln die Magensäureproduktion an, senken die Spannung des Schließmuskels zwischen Magen und Speiseröhre und verändern die Beschaffenheit des Speichels, sodass er weniger basisch ist und die Magensäure in Folge schlechter neutralisieren kann.

 

Fettige und reichhaltige Mahlzeiten können ebenfalls Sodbrennen begünstigen. Auch sie regen die Bildung von Magensäure an und verzögern die Magenentleerung.

Eine ausgewogene Ernährung hilft, Sodbrennen langfristig vorzubeugen - apomio.de

Übergewicht

 

Bei Übergewicht kommt es – neben einer eher fettreichen, üppigen Ernährung – zu einem erhöhten Druck auf den Magen und die Speiseröhre aufgrund des zusätzlichen Körpergewichts. Dieser Druck überträgt sich wiederum auf den Muskel zwischen Magen und Speiseröhre, der sich in Folge öffnet und Magensäure sowie sauren Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen lässt.

 

Stress

 

Bei Stress schüttet der Körper Stresshormone aus, um auf die besondere Belastung zu reagieren und sie zu bewältigen. Während Gehirn und Muskeln verstärkt mit Blut und Sauerstoff versorgt werden, wird an anderer Stelle Energie eingespart: die Verdauung wird verlangsamt, der Magen bewegt sich weniger und der Speisebrei verweilt dort länger. In Folge hat die Magensäure mehr Zeit in die Speiseröhre zu gelangen.

 

Erkrankungen

 

Eine häufige Ursache von Sodbrennen ist die gastroösophageale Refluxkrankheit. Der Reflux – der Rückfluss von Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre – ist auf eine Störung des Schließmuskels zwischen den beiden Bereichen des Verdauungstraktes zurückzuführen.

 

Beim Zollinger-Ellison-Syndrom produziert der Körper aufgrund eines Tumors in Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm ein Übermaß an Gastrin. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Hormon, das unter anderem die Produktion von Magensäure ankurbelt.

 

Ein Zwerchfellbruch kann sich ebenfalls in Form von Sodbrennen bemerkbar machen. In den meisten Fällen bleibt er unerkannt, da er kaum Symptome oder Beschwerden nach sich zieht.

 

Aber auch verschiedenste Magen-Darm Erkrankungen wie eine Magenschleimhautentzündung, ein Reizmagen oder ein Reizdarm sowie Leberzirrhose können das unangenehme Brennen hinter dem Brustbein hervorrufen.

 

Schwangerschaft

 

In der Gravidität tritt Sodbrennen gehäuft auf. Dies ist unter anderem auf die vermehrte Produktion des Hormons Progesteron zurückzuführen, das primär für die Entspannung der Gebärmutter sorgt. Dieser Effekt macht sich allerdings auch am Schließmuskel des Mageneingangs bemerkbar, sodass dieser erschlafft und saurer Mageninhalt leichter in die Speiseröhre gelangt. Neben der hormonellen Belastung übt häufig auch das heranwachsende Baby Druck auf den Magen und die Verdauungsorgane aus, wodurch der Aufstieg von Magensäure ebenfalls verstärkt wird.

 

Arzneimittel

Häufig verursachen bzw. verstärken Arzneistoffe den unangenehmen Säurefluss, die zu einer Entspannung des unteren Speiseröhrenschließmuskels führen. Hierzu zählen beispielsweise Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck, koronarer Herzerkrankung, Asthma sowie Östrogenpräparate zur Hormontherapie und spezielle Psychopharmaka. Aber auch bestimmte Schmerz- und Rheumamittel sowie Medikamente zur Behandlung von Osteoporose, Eisenmangel und einige Antibiotika verursachen mitunter Sodbrennen.

 

 

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

In der Regel können folgende nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Sodbrennen hilfreich sein:

  • lieber mehrere kleine statt weniger üppiger Mahlzeiten essen
  • vermeiden fetter, scharfer, sehr kalter oder extrem heißer Speisen
  • auf Mahlzeiten kurz vor dem Schlafengehen verzichten
  • reduzieren/meiden von Alkohol, Nikotin und Kaffee, da sie die Beschwerden eventuell verschlimmern können
  • Abbau von Stress, da dieser die Schutzwirkung der Magenschleimhaut mindert
  • Verzicht auf eng sitzende Kleidung, die an der Taille einschnürt
  • Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht
  • bei nächtlichen Beschwerden Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und auf der linken Seite; da der Mageneingang rechts liegt kann das Schlafen in Rechtsseitenlage Reflux begünstigen
  • falls möglich und ärztlich abgeklärt: vermeiden bestimmter Arzneistoffgruppen

 

Kaugummi kann bei Sodbrennen schnelle Abhilfe verschaffen - apomio.de

Einfache Hausmittel gegen akutes Sodbrennen

Auch einfache Hausmittel können helfen akutes Sodbrennen in den Griff zu bekommen:

  • stärkehaltige Nahrungsmittel wie trockenes Weißbrot, Zwieback, Kartoffeln und Bananen – die darin enthaltene Stärke bindet die überschüssige Magensäure
  • ein Glas stilles Wasser – es hilft die Säure zu verdünnen
  • rohes Sauerkraut, Sauerkrautsaft oder Apfelessig – dies wirkt regulierend auf den pH-Wert im Magen
  • Kaugummi kauen – durch den erhöhten Speichelfluss wird die Säure aus der Speiseröhre gespült
  • Kamillentee – er wirkt entzündungshemmend, krampflösend und neutralisiert überschüssige Säure
  • 3 bis 5 Mandeln (ungesüßt/ungesalzen) – gründlich zu einem Brei gekaut sind sie ebenfalls in der Lage Magensäure zu binden

 

Selbstmedikation

Grundsätzlich gilt bei der medikamentösen Eigenbehandlung von Sodbrennen: halten die Beschwerden auch nach 14 Tagen noch an, sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Dies gilt auch bei Begleitsymptomen wie Schluckbeschwerden, Erbrechen von Blut, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust, Fieber oder Beschwerden unter Belastung. Permanente säurebedingte Reizungen können langfristig zu Verletzungen oder Komplikationen im Bereich der Speiseröhre führen.

 

Antazida

 

Antazida binden und neutralisieren die Magensäure, heben den pH-Wert im Magen an und lindern innerhalb kurzer Zeit säurebedingte Beschwerden. Zu den Wirkstoffen zählen unter anderem:

  • Alginsäure (Alginat)
  • Aluminiumhydroxid
  • Aluminiummagnesiumsilikat
  • Aluminiumoxid (Algeldrat)
  • Calciumcarbonat
  • Carbaldrat
  • Hydrotalcit
  • Magaldrat
  • Magnesiumcarbonat
  • Magnesiumhydroxid
  • Magnesiumoxid
  • Magnesiumtrisilicat
  • Natriumhydrogencarbonat

 

Traditionelle Antazida wie Natriumhydrogencarbonat, Calciumcarbonat und Magnesiumcarbonat wirken sehr schnell, führen jedoch auch zu einem starken Anstieg des Magen-pH. Dies hat einerseits Einfluss auf die Funktion der Verdauungsenzyme, andererseits führt es zu einer verstärkten Säureproduktion im Magen. Außerdem kann es zu einer vermehrten Gasentwicklung im Verdauungstrakt kommen, die unangenehmes Aufstoßen und Völlegefühl nach sich ziehen kann.

 

Algeldrat und fixe Kombinationen aus aluminium- und magnesiumhaltigen Antazida wie Hydrotalcit und Magaldrat gehören zu den moderneren Schichtgitter-Antazida. Sie lösen sich nur im sauren Milieu und besitzen eine hohe Pufferkapazität. Ist keine Säure vorhanden, löst sich auch kein Wirkstoff. Damit ist gesichert, dass der pH-Wert nicht zu stark ansteigt.

 

Alginsäure bildet zusätzlich eine Art Schutzschicht, so dass die Magensäure die Schleimhaut nicht mehr angreifen kann.

 

Aluminium besitzt ebenfalls eine schleimhautschützende Wirkung. Die Einnahme in der Schwangerschaft wird gelegentlich diskutiert, da der Körper geringe Mengen des zugeführten Aluminiums aufnehmen kann. In Tierversuchen führte die Gabe von Aluminiumsalzen zu Veränderungen am Tierfötus, jedoch lag die schädigende Dosis um ein Vielfaches höher als die empfohlene Menge bei Sodbrennen. Aluminiumhaltige Antazida sollten daher nur kurzzeitig und in niedriger Dosierung in der Schwangerschaft eingenommen werden, um eine Aluminiumbelastung des Kindes zu vermeiden. Bei einer Nierenfunktionsstörung der Mutter sollte auf geeignete Alternativen zurückgegriffen werden.

 

Die Vorteile der einzelnen Wirkstoffe werden oft in Kombinationspräparaten genutzt. Aufgrund ihrer ergänzenden Eigenschaften werden beispielsweise aluminium- und magnesiumhaltige Verbindungen häufig kombiniert. Magnesium wirkt schneller, aber nicht so lange wie Aluminium, und es kann die Säure etwas besser binden. Es hat darüber hinaus leicht abführende Effekte, während Aluminium eher stopfend wirkt.

 

Antazida sind unter anderem in Form von Kautabletten, als Pulver und als Gele (Suspensionen) zum Einnehmen im Handel. Letztere sollten vor der Einnahme gut geschüttelt beziehungsweise geknetet werden.

 

Da auch die Nahrung eine säurebindende Wirkung aufweist, werden Antazida in zeitlichem Abstand nach den Mahlzeiten eingenommen. Dies gilt auch für die Einnahme anderer Arzneimittel, da Antazida bei gleichzeitiger Anwendung deren Absorption und Wirksamkeit hemmen können.

 

 

Protonenpumpenhemmer

 

Zur Wirkstoffgruppe der Protonenpumpenhemmer – auch Protonenpumpeninhibitoren (PPI) oder Magensäureblocker – zählen unter anderem die Wirkstoffe Omeprazol, Esomeprazol und Pantoprazol. Sie sind in einer Stärke von 20 mg in Packungsgrößen mit 7 oder 14 Einheiten auch ohne Rezept erhältlich.

 

Protonenpumpenhemmer blockieren die Magensäureproduktion indem sie nach der Einnahme zunächst im Darm in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Über ihn gelangen sie zu den Belegzellen des Magens, binden an die Protonenpumpen und hemmen diese. Protonenpumpen sind Enzyme, die zur Magensäureproduktion benötigt werden; durch ihre Blockade wirken sich die Arzneistoffe schützend auf die Schleimhaut in Magen und Speiseröhre aus.

 

Protonenpumpenhemmer werden in Form von Tabletten angewendet. Diese sollten im Ganzen unzerkaut etwa eine Stunde vor einer Mahlzeit mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Obwohl sie erst über den Blutkreislauf zum Wirkort gelangen, werden die ersten Protonenpumpen schon wenige Minuten nach der Einnahme blockiert. Ihre volle Wirkung entfalten die Wirkstoffe meist nach zwei bis drei Tagen. Da der blockierende Effekt über 24 Stunden anhält ist eine einmal tägliche Einnahme ausreichend.

 

Protonenpumpenhemmer können zahlreiche Interaktionen mit anderen Arzneimitteln eingehen. So kann es beispielsweise zu Wechselwirkungen mit Johanniskrautpräparaten, bestimmten Antimykotika, Diazepam oder Clopidogrel-haltigen Arzneimitteln kommen. Des Weiteren erhöhen Protonenpumpenhemmer den pH-Wert im Magen. Da einige andere Medikamente ein saures Magenmilieu benötigen, um optimal vom Körper aufgenommen zu werden, kann deren Wirkung bei der gleichzeitigen Einnahme gestört sein.

 

H2-Antihistaminika

 

H2-Blocker wie Ranitidin blockieren die Histaminrezeptoren in der Magenschleimhaut und reduzieren so die Magensäureproduktion. Auch hier tritt die Wirkung zeitverzögert ein. 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme hält der blockierende Effekt über sechs bis zehn Stunden an. Sie eignen sich in der Selbstmedikation vor allem bei Patienten, die unter nächtlichem Sodbrennen leiden.

 

Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten; bei Beschwerden in der Nacht kurz vor dem Schlafengehen.

 

Im Jahr 2020 wurde eine Vielzahl Ranitidin-haltiger Medikamente zurückgerufen, da sie mit einem potentiell krebserregenden Nitrosamin (N-Nitrosodimethylamin, NDMA) verunreinigt sein könnten. In Folge ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Ruhen der Zulassung bis Januar 2023 an. Damit dürfen in Deutschland aktuell keine Ranitidin-Präparate mehr vertrieben werden.

 

  Antazida1 PPI H2-Blocker
Wirkstoffe (Beispiele): traditionelle:
Natriumhydrocarbonat
Calciumcarbonat Magnesiumcarbonat
moderne:
Algeldrat
Hydrotalcit
Magaldrat
weitere:
Alginsäure (Alginat)
Pantoprazol
Omeprazol
Esomeprazol
Ranitidin
Wirkeintritt: kurz nach der Einnahme volle Wirkung tritt nach 2 bis 3 Tagen ein 30 bis 60 Minuten
nach der Einnahme
Zeitpunkt der Einnahme: • etwa eine Stunde nach dem Essen
• bei nächtlichem Sodbrennen kurz vor dem Schlafengehen
• im Abstand von mindestens zwei Stunden zu anderen Arzneimitteln
• alle 24 Stunden
• nüchtern; etwa eine Stunde vor einer Mahlzeit
• unabhängig von den Mahlzeiten
• bei nächtlichem Sodbrennen kurz vor dem Schlafengehen
Vorteile1: • schneller Wirkeintritt • schneller Wirkeintritt
• besitzen eine Pufferwirkung
• schneller Wirkeintritt
• zusätzlicher Schutz der Schleimhaut
• lange Wirkdauer
• eine einmalige Einnahme am Tag ist ausreichend
• mittellange Wirkdauer (besonders geeignet bei nächtlichem Sodbrennen)
Nachteile1: • kurze Wirkdauer
• keine Pufferwirkung
• pH-Wert kann stark ansteigen
• Gasentwicklung möglich
• kurze Wirkdauer • kurze Wirkdauer • keine spürbaren sofortigen Effekte
• volle Wirkung erst nach einigen Tagen
• aktuell nicht im Handel
Schwangerschaft: geeignet² für die Selbstmedikation ungeeignet;
nur nach ärztlicher Rücksprache

 

1 Die aufgeführten Vor- und Nachteile beziehen sich auf die genannten Monosubstanzen; häufig werden diese in Kombinationspräparaten angeboten, wodurch sich einzelne Eigenschaften ergänzen

2 Die Einnahme aluminiumhaltiger Antazida während Schwangerschaft und Stillzeit sollte durch den behandelnden Arzt sorgfältig geprüft werden.

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