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Warum werden Menschen im Alter einsam?

Kommentar schreiben Mittwoch, 22. Juli 2020

Es viele Gründe, warum Menschen im Alter allein sind: Der Partner ist gestorben, die Kinder wohnen weit weg oder die Mobilität ist eingeschränkt. Fast die Hälfte der Frauen über 65 lebt alleine. Ab 85 sind es drei von vier Frauen, und einer von drei Männern. Alleinsein muss aber nicht Einsamkeit bedeuten. Denn das Gefühl, einsam zu sein, verursacht nicht nur seelisches Leid, sondern schlägt auch auf die Gesundheit. Was sind die Ursachen von Einsamkeit im Alter? Welche Folgen hat Einsamkeit für Seele und Körper? Was kann man dagegen tun? Wie kann das Umfeld helfen? Was ist der Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit?

 

Inhaltsverzeichnis:

 

 

Was ist Einsamkeit? 

 

Einsamkeit ist die Sehnsucht nach Menschen. Die Sehnsucht ist so stark, dass es weh tut. Einsamkeit hängt in den meisten Fällen damit zusammen, dass ein Mensch allein ist. Aber man kann sich auch einsam in einer Beziehung oder in einer Gruppe von Menschen fühlen, wenn sie nicht wirklich seelisch nährend sind.1

 

Alleinsein oder Einsamkeit?

 

Alleine zu sein, wird jeder anders bewerten. Wer gerade eine verletzende Beziehung hinter sich hat, für den ist Alleinsein eine Befreiung. Wer seinen Partner durch Tod verloren hat, muss durch eine lange Phase des Abschiedsschmerzes. Wer sein Haus verkauft hat, weil es im Alter zu groß geworden ist, muss sich an ein neues Umfeld gewöhnen. Alle fühlen sich erst mal alleine. Inwiefern Einsamkeit, daraus entsteht, hat jeder in der Hand. Auch wenn es schwerfällt, auch wenn es mit Ängsten vor Abweisung und Misserfolg verbunden ist, auch wenn es zwingt, die gewohnte Komfortzone zu verlassen – es ist möglich, das Alleinsein zu einer sinnvollen, fruchtbaren Zeit zu machen und Einsamkeit gar nicht erst entstehen zu lassen.

 

Was sind die Gründe für Einsamkeit im Alter?

 

Der erste große Schnitt ist der Ruhestand.2 War man gestern noch täglich in einer Gemeinschaft von Kollegen und hatte eine Aufgabe, sind beide Faktoren von einem auf den anderen Tag nicht mehr da. Anfangs fühlt es sich vielleicht an wie ein langer Urlaub. Endlich frei! Aber dann kommt die Zeit, in der die Wohnung tiefengereinigt, der Keller ausgeräumt und auch sonst alles perfekt ist. Und dann? Ältere Dame sitzt auf der Bank und schaut in die Ferne. Sie dreht der Kamera den Rücken zu.Ein häufiger Grund für Einsamkeit ist auch die Trennung vom Partner oder sein Tod. Der alltägliche Ansprechpartner, ist schlagartig nicht mehr da. Alltagsrituale machen alleine keinen Sinn oder tun nur weh. Der Verlust reißt eine riesige Lücke ins Leben.Die Mobilität nimmt im Alter meist ab.Schmerzen in den Gelenken, Schwindelgefühle beim Stehen, Schwerhörigkeit oder Inkontinenz erschweren es, sich aus dem Haus zu bewegen, und verunsichern den älteren Menschen: Er hat Angst, eine größere Wegstrecke zurückzulegen.

 

Er befürchtet, nicht schnell genug eine Toilette zu finden, oder bei Schwierigkeiten mit dem Gehör einem Gespräch nicht folgen zu können.Dann gibt es immer weniger Freunde und Bekannte im eigenen Alter.2 Oder sie sind immer weniger mobil. Laut Projektbericht der Ruhr-Universität Bochum von 2019 bekommen 23 Prozent der Hochaltrigen seltener als einmal pro Monat Besuch.Andererseits werden die Menschen im Ganzen gesehen immer älter und damit auch die Gruppe, die besonders durch Einsamkeit gefährdet ist.

 

Dem Deutschen Zentrum für Altersfragen zufolge wird sich die Gruppe der 80- bis 90-Jährigen bis zum Jahr 2050 verdoppeln.Wenn der Alltag nicht mehr eigenständig bewältigt werden kann, bleibt nur noch der Weg in eine Einrichtung mit betreutem Wohnen oder ins Seniorenheim. Der ältere Mensch wird völlig aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und es ist die Frage, ob er dort neue Freunde finden wird.2

 

Akzeptanz – die ersten Schritte aus der Einsamkeit

 

Um der Einsamkeit etwas entgegensetzen zu können, muss man sie sich zuerst eingestehen: Man ist allein und leidet unsäglich darunter! Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Es braucht einem nicht peinlich zu sein. Man hat auch nichts falsch gemacht. Es hat sich so ergeben und ab dem Zeitpunkt, an dem man sich die Einsamkeit eingesteht, ist der Startschuss für eine Veränderung gefallen.

 

EASE - Aktiv gegen Einsamkeit

 

Der Professor für Neurowissenschaften und Einsamkeitsforscher John Cacioppo haben EASE als Programm gegen Einsamkeit entwickelt: E steht für extend, d.h. seinen Aktionsradius auszuweiten, z.B. durch die Mitgliedschaft in einem Verein oder im Fitnessstudio. A steht für action, d.h. man muss sich aktiv um eine Veränderung kümmern.

 

Es ist die Abkürzung für selective: Man sollte sich genau überlegen, mit wem man etwas unternimmt und was man wirklich tun möchte. Und das zweite E steht für „expect the best“, d.h. erwarte das Beste. Eine positive Erwartungshaltung zieht auch positive Erfahrungen an.1

 

10 Tipps gegen Einsamkeit im Alter

 

1. Lernen macht Spaß. Es kann in Kontakt mit Gleichgesinnten bringen und Demenz vorbeugen. Daher helfen Bildungsmaßnahmen wie Sprachkurse, Sprachreisen, ein Studium oder das Erlernen eines Musikinstruments, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.2

 

2. Auch Sport verschafft gleich mehrere Vorteile: Schnell sind neue Kontakte beim Aquatraining, Nordic Walking, Yoga oder im Fitnessstudio geknüpft. Gleichzeitig sinkt bei regelmäßiger Bewegung das Krankheitsrisiko, der Körper wird fit und die Laune durch Glückshormone gleich viel besser.2

 

3. Reisen und Ausflüge stellen eine weitere ideale Möglichkeit für Kontakte dar. Auf Reisen für Gruppen, Senioren oder Singles braucht man nicht alleine durch die Gegend zu stapfen, sondern ist gut aufgehoben und findet sofort Anschluss.2

 

4. Die Familie kann ein wichtiger Faktor gegen Einsamkeit im Alter sein. Das hängt davon ab, wo die Familienmitglieder leben und wie eingespannt sie in ihrem Alltag sind. Eine Option sind z.B. gemeinsame Urlaube mit den Enkeln oder ein regelmäßiges Familienessen.2

 

5. Hobbys helfen gegen Einsamkeit im Alter. Man kann direkt sein Umfeld mit seinen Strick- oder Kochkünsten erfreuen oder neue Hobbys an der Volkshochschule erlernen und dabei gleich neue Leute kennenlernen. Älterer Mann sitzt auf dem Boden an einem Baum mit dem Rücken angelehnt und schaut in die Ferne.Auch ältere Menschen sind im Internet unterwegs: Vielleicht haben sie Lust, ihr Wissen zu ihren Hobbys oder ihre Reiseberichte in einem Blog mit anderen zu teilen.2

 

6. Die digitale Vernetzung ist ohnehin ein wichtiger Faktor. Immer mehr ältere Menschen haben ein Smartphone, benutzen WhatsApp oder schreiben SMS und können so in schnellem Kontakt mit ihrem Umfeld sein. Wer sich noch nicht damit auskennt, besucht entsprechende Kurse an der VHS.2 Neben dem Kontakt mit der Familie gibt es Adressen wie seniorentreff.de und nachbar.de.3 Ein Seniorentablet kann die Nutzung des Internets erleichtern.

 

7. Ein ehrenamtliches Engagement gibt das Gefühl, nützlich zu sein und gebraucht zu werden. Es schafft die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen und sich regelmäßig auszutauschen.

 

8. Wer Glück hat, findet in seiner Nähe ein Mehrgenerationenhaus.4

 

9. Seniorentreffs, die von Seniorenheimen oder karitativen Einrichtungen angeboten werden, kann man gegen die Einsamkeit nutzen.5

 

10. Haustiere leisten gerne Gesellschaft und geben das Gefühl, gebraucht zu werden. Es ist immer „jemand“ da und der ältere Mensch hat einen Grund, bei Wind und Wetter an die frische Luft zu gehen und sich mit anderen Hundebesitzern auszutauschen. Auch mit Katzen und anderen Haustieren ist man nicht mehr so allein.4

 

Woran erkennen Außenstehende, dass jemand einsam ist?

 

Wenn man heraushört, dass der Betroffene die meiste Zeit vorm Fernseher verbringt und ansonsten kaum mehr etwas zu erzählen hat, kann das auf Einsamkeit hinweisen. Das gilt auch, wenn der Betroffene sich aus seinen bisherigen Aktivitäten zurückgezogen hat, keinen Wert mehr auf sein Äußeres legt und kaum mehr frische Lebensmittel im Kühlschrank sind.3

 

Wie können Angehörige helfen? 

 

Digitale Kommunikation ist immer und überall möglich. Vielleicht brauchen ältere Menschen „Starthilfe“: Ein Smartphone zum Geburtstag, ein Tablet zu Weihnachten, beides mit einer Erklärung, wie sie funktionieren, und schon sind Gespräche mit Blickkontakt und der Austausch von Fotos möglich. Skypen mit der Tochter, Facetimen mit Sohn und Enkelkind, Treffen absprechen mit der Rentnergruppe in WhatsApp. Der ältere Mensch ist sofort am Puls der Zeit mit seiner Familie, Freunden und Bekannten. Wenn er es lieber analog mag, können die Familienmitglieder sich regelmäßig mit einem Telefonat abwechseln. Auch kleine Geschenke basteln oder kaufen als Zeichen der Zuwendung schicken, hilft gegen Einsamkeit.

 

Was sind die möglichen Folgen von Einsamkeit im Alter?

 

Wer einsam ist, sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben. Er hat das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Der Betroffene wird unsicher und ängstlich, was seine Vereinsamung noch verstärkt. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Demenz steigt.3 Studien der amerikanischen Psychologen Gesellschaft zufolge besteht bei Menschen mit vielen Sozialkontakten ein um 50 Prozent geringeres Risiko, früher als erwartet zu sterben.

 

Eine Auswertung von 148 Studien ergab, dass soziale Isolation, Einsamkeit und Single-Dasein messbare Auswirkungen auf einen vorzeitigen Tod haben, vergleichsweise ebenso stark wie Übergewicht und Rauchen.
Beate Helm
Autor: Beate Helm

Beate Helm, Heilpraktikerin, freie Redakteurin und Autorin für Gesundheitsthemen und Persönlichkeitsentwicklung. Selfpublisherin. Weiterbildungen in Ernährungswissenschaft, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Ayurveda, psychologischer Beratung und systemischer Therapie. Langjährige Erfahrung in Yoga und Meditation. Bei apomio seit 04/2015.

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