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Wie riskant oder gesundheitsfördernd sind Hanfprodukte mit CBD?

Kommentar schreiben Dienstag, 16. Februar 2021

Seit etwa vier Jahren tummeln sich im Internet Mythen und Hoffnungen um die frei erhältlichen Cannabisöle und Cannabisextrakte mit dem hauptsächlichen Wirkstoff „Cannabidiol“ (CBD). Beworben wird es im Netz als wirksames Produkt gegen Schmerzen, Depressionen, Übelkeit, Akne, Alzheimer, Stress, Ängste und sogar gegen Krebs. Doch wie viel ist dran an dem Hype um CBD-Produkte? Lesen Sie hier mehr über die Inhaltsstoffe von CBD-Produkten, die Wirkungen und Nebenwirkung sowie die legalen Bestimmungen in Deutschland.

 

Inhaltsverzeichnis

Welche Inhaltsstoffe stecken in CBD-Produkten?

Auch unser eigener Körper produziert die Balance-Neurotransmitter

Was kann Cannabidiol (CBD) tatsächlich bewirken – und was nicht?

Ist CBD in Deutschland legal?

Wie viel CBD ist gut für mich?

Der zu lockere Umgang mit CBD ist Professor zufolge riskant

Sind CBD-Öle oder andere CBD-Produkte für Schwangere geeignet?

Was soll ich beachten, wenn ich nicht auf CBD verzichten möchte?

 

 

Welche Inhaltsstoffe stecken in CBD-Produkten?

 

In Cannabispflanzen sind im Öl der weiblichen Hanfpflanze besonders viele Cannabinoide enthalten. Zu diesen Cannabinoiden zählen die high-machenden Delta-9-Tetrahydrogencannabinole (THC) und die nicht high-machenden Cannabidiole (CBD). CBD bezeichnet also umgangssprachliche Abkürzung die nicht high-machenden Cannabidiole.1

Durch die Verwendung von selektiven und speziellen Anbautechniken enthält das Öl einen hohen CBD Anteil, jedoch einen recht geringen THC (Tetrahydrocannabinol)-Anteil, der schließlich für die medizinische Wirkung relevant ist. THC befindet sich in den medizinisch genutzten Produkten, ist aber ansonsten in Deutschland illegal, da es zu einem Rausch führen kann und “high” macht. Eine EU-Richtlinie legte fest, dass Produkte bis zu 0,2 Prozent THC enthalten dürfen, somit haben sie keine euphorisierende Wirkung und sind in Deutschland legal. CBD Öle ohne THC haben keine euphorisierende Wirkung, können jedoch je nach prozentualem Anteil der Cannabidiole (CBD) im Produkt verschiedene andere Wirkungen und Nebenwirkungen entfalten.2

Auch unser eigener Körper produziert die Balance-Neurotransmitter

 

Was viele Menschen nicht wissen: Auch unser Körper produziert permanent eigene Cannabinoide, die man „Endocannabinoide“ nennt. Zudem besitzt der menschliche Körper eigene Cannabinoid-Rezeptoren (CB1-Rezeptoren, CB2-Rezeptoren, CB3-Rezeptoren, GPR55-Rezeptoren, Vanilloid-Rezeptoren und weitere) und Enzyme, die Endocannabinoide auf- und abbauen. Diese natürlich im Körper vorkommenden Endocannabinoide wurden auch bei anderen Säugetieren, Vögeln und Fischen nachgewiesen.3

 

Offenbar sind sie für die Balance in unserem Körper zuständig. Ein Artikel des Allgemeinarztes und Cannabisexperten Franjo Grotenhermen sagt dazu: „Dieses für das normale Funktionieren vieler Körperfunktionen so wichtige System findet sich in nahezu allen Geweben und Organen des Körpers (...).“4 Seine Hauptfunktion bestehe darin, die Aktivität anderer Botenstoffe im Körper zu beeinflussen und ihre Aktivität auf ein normales Niveau zu bringen. Bei dem psychotrop wirkenden Cannabiswirkstoff THC, der in CBD-Produkten nur in verschwindender Menge vorkommen darf, werden durch die Bindung von THC an den CB1-Rezeptor im Gehirn, zu viel Aktivität in Schmerzregelkreisen verringert und so Schmerzen gelindert.4 Anders ist es jedoch mit Cannabidolen (CBD). Sie sind in Deutschland zwar legal erhältlich, gelten pharmakologisch jedoch für den Einsatz an diversen Erkrankungen als zu dünn erforscht.

 

Was kann Cannabidiol (CBD) tatsächlich bewirken – und was nicht?

 

Bis heute gilt lediglich für die Anwendung bei Kinder mit spezieller Epilepsie ausreichend bewiesen, dass hochdosiertes und isoliertes CBD-Öl helfen kann. Für die schmerzlindernde Wirkung stehen Studien noch aus. Bei Übelkeit aufgrund einer Chemotherapie und in der Palliativmedizin werden synthetische Cannabinoide ebenfalls eingesetzt – bei Sterbenden dienen sie der Steigerung des Appetits. Ob das Mittel gegen Schizophrenie hilft, würde gerade an der Charité in Berlin erforscht.5 Prinzipiell sind Schmerzreduktion und Entspannung tatsächlich bei bestimmten Produkten mit einem besonders hohen CBD-Gehalt denkbar. Denn: Aufbau und Molekülstruktur von THC und CBD ähneln sich. Pharmakologen vermuten deshalb, dass CBD ähnlich bei Schmerzen und Entzündungen wirken könnte wie THC.6 Nur wirken die Mittel nicht psychoaktiv, da CBD nicht wie THC am CB1-Rezeptor andocken kann, der sich zentralen Nervensystem befindet.7

 

Ist CBD in Deutschland legal?

 

Zwar ist in Deutschland das Rauchen und der Besitz von Cannabisblüten und Hanfblättern nicht erlaubt. Der Kauf von CBD-Ölen, CBD-Kapseln und CBD-Tropfen hingegen ist als Nahrungsergänzungsmittel möglich, wenn sie wie oben bereits erklärt nicht mehr als 0,2 Prozent THC enthalten. Spätestens seit 2018, als Cannabis in Kanada und mehreren Staaten der USA legalisiert wurde, boomte ein Hype um die CBD-Produkte.8 Cannabidiole, die nicht high-machenden Produkte der Hanfplanze, vermarkteten sich seither auch in Europa. Ob als Kekse, Mokkaprodukte, Haarwaschmittel, Cremes oder in Kaudragees: all diese Produkte wurden mit CBD versetzt. Besonders als Fläschchen, das Hanfsamenöl mit CBD-Extrakt gemischt enthält, verkauft es sich gut. Den potenziellen Kunden werden die Fläschen zum „unter die Zunge träufeln“ empfohlen, um entspannt durch den Tag zu kommen. Dabei schmecken die Fläschchen nicht einmal schlecht: mild bis leicht herb werden die grünlich-gelben Öle beschrieben.

 

 

Wie viel CBD ist gut für mich?

 

Bei jedem Zehnten kann CBD allerdings laut Verbraucherzentrale zu Benommenheit und Schläfrigkeit führen. Fast ebenso viele Menschen würden eben das Gegenteil von den CBD-Versprechen erleben, nämlich Schlafstörungen, Schlaflosigkeit sowie innere Unruhe. Zudem seien weitere Nebenwirkungen wie Durchfall, Appetitlosigkeit oder Hautausschlag möglich.9 Und zuletzt betont die Verbraucherzentrale, dass die Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen noch nicht genügend geklärt seien.10 Zu bedenken ist auch: Zwar sollen CBD-Produkte, die freiverkäuflich im Internet oder in Drogerien angeboten werden, prinzipiell keinen THC-Gehalt über 0,2 Prozent enthalten. Fakt ist jedoch, dass bei mehreren Prüfungen von CBD-Produkten ein THC-Gehalt auffiel, der weit über den vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte zugebilligten 0,2 Prozent lag – und CBD-Öle jenseits dieser THC-Schwelle dann eben zusätzlich auch psychoaktiv wirken und illegal eingenommen würden. Mit den bekannten Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit, die Aufmerksamkeit, die Psyche, den Darm, eine mögliche Abhängigkeit und vielen Risiken mehr.

 

Der zu lockere Umgang mit CBD ist Professor zufolge riskant

 

Problematisch können jedoch die Folgen des lockeren Umgang mit freiverkäuflichen CBD-Ölen und anderen CBD-Produkten sein. Professor Irnich sagte gegenüber eines Mediums, dass CBD-Produkte wahrscheinlich nicht hochgradig gefährlich seien, jedoch „sehr viele unterschiedliche Wirkungen im Körper“ entfalten können und außerdem die Langzeitwirkung noch nicht genügend bekannt sei.11 Zu risikofreudig sei es, sich ein wenig Entspannung durch das CBD-Öl mit möglichen negativen Konsequenzen für die eigene Gesundheit zu erkaufen. Viel sinnvoller sei es, sich Entspannung durch eigenen Stressabbau und Reduktion von Stressauslösern zu erarbeiten.12 Schließlich: Wie oben genannte Ausführungen von Dr. Franjo Grotenhermen verdeutlichen, greift CBD umfassend in unser menschliches Endocannabinoid-System ein. Das hat Auswirkungen auf das periphere und zentrale Belohnungs-, Stress-, Warn- und Balancesystem unseres Körpers.

 

Sind CBD-Öle oder andere CBD-Produkte für Schwangere geeignet?

 

Nicht zu denken ist zudem eine Anwendung durch Schwangere, da die Auswirkungen auf das Ungeborene nicht abschätzbar sind und allein die Möglichkeit, auf ein weniger qualitätsvolles Präparat aus China zu treffen, dass überhöhte THC- oder CBD-Werte beinhaltet, zu vielfältigen für Schwangere und  Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit können. Körperliche unerwünschte Wirkungen bei versehentlich mit THC überdosierten CBD-Produkten sind folgende: erhöhter Blutdruck, leichte Steigerung der Herzfrequenz, Augenrötung, Übelkeit, bei längerern CBD-Einnahme mit überhöhten THC-Werten ist auch ein Leistungsknick, Aktivitätsabnahme und psychische Abhängigkeit möglich.13 Selten kommt es auch zu Halluzinationen und Psychosen, niedergedrückter Stimmung, gesteigertem Antrieb, Unruhe, Angst und Panik, Albträumen und Desorientiertheit, Müdigkeit und Schwindel sowie Mundtrockenheit.14

 

Was soll ich beachten, wenn ich nicht auf CBD verzichten möchte?

 

Wenn trotz aller Bedenken ein CBD-Produkt erworben werden soll, dann sollten deutsche Kunden darauf achten, bei EU-zertifizierten Firmen zu kaufen. Im Zweifelsfall sollten CBD-Produkte am besten direkt aus einer deutschen (Versand)Apotheke erworben und beraten werden. Und aufgepasst: Bei der Einfuhr eines Öls aus einem Land, das dem Vertrieb von CBD-Produkten nicht zugestimmt hat, machen sich Kunden strafbar. Beispielsweise in der Schweiz gilt eine andere THC-Grenze, hier dürfen CBD-Produkte bis zu 1 Prozent THC enthalten. Also: Zuvor bei ausländischen CBD-Produkten genau erkundigen, ob im Ausland möglicherweise andere THC-Gehalte für CBD-Produkte bereits als Betäubungsmittel und damit illegal gelten. Und für den Versand nach Deutschland in jedem Fall prüfen, ob der THC-Gehalt bei unter 0,2 Prozent liegt.

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Maria Köpf
Autor: Maria Köpf

Frau Maria Köpf ist seit 2018 als freie Autorin für apomio tätig. Sie ist ausgebildete Pharmazeutisch-technische Assistentin und absolvierte ein Germanistik- und Judaistik-Studium an der FU Berlin. Inzwischen arbeitet Maria Köpf seit mehreren Jahren als freie Journalistin in den Bereichen Gesundheit, Medizin, Naturheilkunde und Ernährung. Mehr von ihr zu lesen: www.mariakoepf.com.

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